Auf der Hauptversammlung der Jack White Productions AG am 3. Juli in München sahen sich Vorstand und Aufsichtsrat mit vielen kritischen Fragen enttäuschter Aktionäre konfrontiert. Vorstandsvorsitzender Thomas M. Stein versuchte zu vermitteln, weshalb er dennoch optimistisch ist. „Es war ein schwerer Umbruch, den wir aber als Chance nutzen müssen“, sagte Stein in seinem Geschäftsbericht, und er versprach: „Ich werde ihn nutzen.“
Mit dem „schweren Umbruch“ meinte Stein die gefährliche Schieflage, in die der Konzern im vergangenen Jahr geraten ist. Der Konzernumsatz brach von 23,3 Millionen Euro 2005 auf 11,7 Millionen Euro ein; der Umsatz der Muttergesellschaft reduzierte sich um rund 38 Prozent von 9,8 auf 6,1 Millionen Euro. Die Erlöse vor Zinsen und Steuern beliefen sich auf minus 2,2 Millionen Euro nach einem Gewinn von 4,9 Millionen Euro in 2005. Per saldo ergibt sich ein Konzern-Jahresfehlbetrag von 8,1 Millionen Euro nach einem Überschuss von 3,3 Millionen Euro im Jahr 2005. Doch trotz dieser Negativentwicklung steht der Konzern mit einem Eigenkapital von 24,7 Millionen Euro und einer Eigenkapitalquote von rund 78 Prozent (2005: 80 Prozent) noch immer auf einem soliden Fundament. Dies erkannten auch die Aktionäre, die ansonsten sehr kritisch mit der bisherigen Konzernleitung ins Gericht gingen. So hieß es: „Herr Stein soll seine Chance bekommen, den Stall auszumisten.“
„Neustart ist gut, aber als erstes müssen wir das Vertrauen der Aktionäre wieder gewinnen“, hieß es aber auch. Und: „Diese Aktiengesellschaft wurde geführt wie ein Bauchladen.“ Tenor der teils massiven Vorwürfe an den alten Vorstand und Aufsichtsrat war, das Risikomanagement und Controlling habe völlig versagt hätten. Noch ist die Aufarbeitung der Vergangenheit nicht abgeschlossen. Der Sonderprüfungsbericht, den der alte Vorstand vor allem wegen der Unregelmäßigkeiten in der US-Dependance HOT JWP in Auftrag gegeben hatte, lag zur Hauptversammlung noch nicht vor. Demgemäß schlug der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Hartmut Fromm vor, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat auf die nächste Versammlung zu verschieben, um nach Vorliegen des Berichts einzeln abzustimmen. Thomas M. Stein wurde ausdrücklich von dieser Verschiebung ausgenommen.
Stein betonte: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und das Jahr 2006, in dessen Verlauf dringender Handlungsbedarf offenbar wurde, überstanden. Etwas zerzaust zwar, aber insgesamt heil.“ Obwohl auch das erste Quartal des neuen Geschäftsjahrs mit einem Verlust abschloss, blicke er jetzt „mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft“. Denn im Herbst stünden einige vielversprechende Neuerscheinungen an, die bereits fertig sind. So hatte Firmengründer Jack White in einer Videobotschaft zu Beginn das neue Album von Hansi Hinterseer vorgestellt, das am 16. August kommt („das stärkste Schlageralbum, das wir je hatten“); ein neues Album von Roland Kaiser, der zudem mit seinem Kinderthema „Giblinge“ einen Überraschungserfolg verbuchen kann, folgt im September.
Stein selbst arbeitet auf „eine stabile Ertragslage durch Diversifizierung“ hin und will „neue, zukunftsträchtige Geschäftsfelder“ aufbauen und außerdem das Künstlerrepertoire erweitern. So wird das neue Album der HipHopper von Die Firma ein Herbstschwerpunkt sein, aber auch der legendäre Daniel Küblböck sowie die Sängerinnen Elli und Isabel Varell gehören zum Portfolio. Und mit der Gruppe Jenson hat Stein Punkrocker aus München unter Vertrag genommen. Der Diversifizierung soll auch die 51-prozentige Beteiligung an der Firma 313 music des ehemaligen BMG-Managers Volker Neumüller dienen – über 313 ist die Jack White Productions AG nun auch an den Erfolgen des derzeitigen Nummer-eins-Künstlers und „Superstar“-Gewinners Mark Medlock mit 20 Prozent beteiligt.
„Wir gewinnen mit dem Künstlermanagement ein völlig neues Arbeitsgebiet für die JWP AG hinzu“, betonte Stein. Denn während man bisher lediglich an den Lizenzerlösen von Künstler wie Hansi Hinterseer partizipiert habe, werde man nun zusätzlich an allen anderen Auswertungsformen beteiligt – DVD, Tournee, Galas, Werbung, Buch. In diesem Zusammenhang verriet Stein, dass Mark Medlock bereits den Vertrag für ein Buch unterschrieben und einen deutlich sechsstelligen Betrag als Vorschusshonorar bekommen habe. 313 Music sein ein „echter Zugewinn“ für die JWP AG, meinte Stein. Und deshalb stand dann auch die Abstimmung über den neuen Namen des Konzerns auf der Tagesordnung: „313 Music JWP AG“ stieß auf Zustimmung der Anteilseigner.
Im Sinne der Diversifizierung will Stein auch die Anteile an der Manfred Hertlein Veranstaltungs-GmbH in Würzburg aufstocken, an der die JWP AG derzeit 20 Prozent hält. Das Unternehmen veranstaltet im Jahr rund 400 Tourneetermine und über 100 örtliche Konzerte und ist damit einer der erfolgreichsten Spezialisten im Schlager- und Volksmusikbereich.
„Man muss die Zukunft im Sinn haben, um die Vergangenheit zu bewältigen“, meinte Thomas M. Stein. Und da die Zukunft im Internet und bei Downloads von Entertainmentinhalten liegt, hat er einen Vertriebsdeal mit dem Digitaldienstleister Zebralution geschlossen. „Wir bleiben bei der Stange“, versicherte Stein, die Zukunft im Blick.
Nach dreistündiger Diskussion wählten die Anleger schließlich für die scheidenden Aufsichtsräte Hartmut Fromm und Albert Czapski die beiden neuen Mitglieder Marlis Weidtmann und Manfred Atzert in den Aufsichtsrat. Marlis Weidtmann vertritt als designierte Nachfolgerin von Bolko Hoffmann, des Chefs der Effecten Spiegel AG, die Anleger von rund 1,4 Millionen JWP-Aktien, während Atzert als ehemaliger technischer Leiter des Presswerks Nortorf der einstigen Teldec als alter Weggefährte von Thomas M. Stein gelten kann.






