Naxos setzt auf den Erfolg der DVD-Audio. Durch eine Initiative von Mitgliedern der Hardware- und Tonträgerindustrie soll der Mehrkanal-Tonträger nun intensiv in den Fokus der Medien rücken.
„Wir wollen mit der DVD-Audio raus aus dem Nischenmarkt“, erklärt Ludger Diekamp, Marketingleiter von Naxos Deutschland. Um dieses Ziel zu realisieren, will Naxos auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin, die vom 29. August bis zum 3. September stattfinden wird, unter anderem zusammen mit den Hardwarefirmen Panasonic, Denon, Quadral, Pioneer und den Tonträgerfirmen Musikproduktion Darbringhaus & Grimm (MDG), Enja und Warner Vision die DVD-Audio ins Zentrum des Medieninteresses rücken. „Zunächst wollen wir eine flächendeckende Aufklärungskampagne in die Wege leiten, zumal bei unseren Kunden wie auch beim Handel immer noch erhebliche Unsicherheit über die neuen Formate herrscht“, sagt Diekamp. „Wir glauben, dass DVD-Audio die Technik der Zukunft ist. Dass sich die Super Audio CD in Europa durchsetzen wird, sehen wir nicht. Wir haben von Anfang an auf die DVD-Audio gesetzt.“ Die Münsteraner Firma hat bislang fünf DVD-Audio-Titel im Klassikprogramm. Der erste erschien mit Antonio Vivaldis „The Four Seasons“ im Herbst 2001 und ist der bestverkaufte mit zirka 15.000 Einheiten. „Momentan sehen wir eine spürbare Kaufzurückhaltung. Wenn wir neue Produkte wie DVD-Audio auf den Markt bringen, kann man damit langfristig die deshalb schwächeren CD-Verkäufe ausgleichen“, hofft Ludger Diekamp. Doch derzeit nehme die DVD-Audio am Gesamtumsatz von Naxos noch einen marginalen Anteil ein. Das soll sich ändern, wenn es nach dem Willen des Unternehmens geht.
„In Zukunft wollen wir pro Monat ein bis zwei Titel herausbringen, Tendenz steigend“, sagt Diekamp. „Naxos plant noch in diesem Jahr zehn bis zwölf Veröffentlichungen, im nächsten Jahr sollen weitere 20 bis 25 DVD-Audios hinzukommen.“ Dazu wählt Naxos Kompositionen aus, die den Surround-Sound deutlich hervorheben, wie etwa jüngst „Die Planeten“ von Gustav Holst oder demnächst die Ballettmusik zu „Schwanensee“ und die Ouvertüre „1812“ von Peter Tschaikowsky sowie die Klavierkonzerte von Sergej Rachmaninoff.
Im März erscheinen aktuell die „Flötenkonzerte“ von Antonio Vivaldi mit dem Kölner Kammerorchester unter der Leitung von Helmut Müller-Brühl (siehe Kasten). Dabei setzen die Münsteraner auf die technische Kompatibilität ihrer DVD-Audios, die sich auch in einem herkömmlichen DVD-Video-Player abspielen lassen und nicht unbedingt eine Surround-Anlage voraussetzen. Denn DVD-Video-Player stünden bereits zu einem Preis ab zirka 100 Euro in den Läden, und ihre Verbreitung nimmt rasant zu.
Allein in den USA liegt die Penetration bereits bei einer Million Player. Und auch die Anzahl der DVD-Audio-Titel steigt. Insgesamt seien bislang etwa 450 DVD-Audios auf dem Markt, die von weltweit etwa 30 verschiedenen Labels stammen, erklärt Diekamp.
Natürlich ist dies eine noch kleine Zahl im Vergleich zu den DVD-Video-Titeln, die momentan erhältlich sind. In diesem Segment ist Naxos aktiv mit Opern, Konzertmitschnitten und Ballettaufzeichnungen und agiert als Vertrieb für Arthaus, BBC/Opus Arte und TDK. Mit diesem Repertoire belegt Naxos in der Klassiksparte einen Marktanteil von ungefähr 50 Prozent.
Auch über den Preis der DVD-Audios äußert sich Diekamp zufrieden, bewegen sich die Naxos-Produkte bereits im Umfeld von Hochpreis-CDs. „Die Fertigung von DVD-Audios ist kostenintensiver, das Mastering teurer als bei herkömmlichen CDs. Momentan produzieren wir neue DVD-Audios mit einer Erstauflage von 3000 Einheiten. Aber je höher die Stückzahlen, desto mehr werden die Fertigungspreise fallen. Damit rechne ich mittelfristig“, blickt Diekamp in die Zukunft.
Vorerst soll der Verkauf der DVD-Audio aber „parallel zur CD laufen; dies zumindest solange, bis es die Hard- und Softwareindustrien schaffen, den Konsumenten darüber aufzuklären, was die Formate beinhalten und was sie können. Auch geistern noch unterschiedliche Systeme am Markt herum, und es herrscht Unsicherheit darüber, welche Hardwarekompenten vorausgesetzt werden. Die Kunden haben derzeit eine Auswahl aus zirka 40 verschiedenen Modellen. Erst wenn diese Faktoren aus dem Weg geräumt sind, kann ich mir einen rasanten Anstieg der DVD-Audio-Verkäufe vorstellen.“
Schon wegen ihrer exzellenten Klangtreue und Vielseitigkeit, resümiert Diekamp, sollte dem Erfolg der DVD-Audio gegenüber der CD nichts im Wege stehen. „Im Prinzip rechnen wir mit mindestens zweistelligen Zuwachsraten.“






