Recorded & Publishing

Nackte Bürger nur im Netz

Als „Zensur“ rügt Ministry Of Sound Germany die Entscheidung von Viva, MTV und RTL II, einen TV-Spot zur Dance-Compilation „The Annual 2002“ wegen zu viel Freizügigkeit nicht auszustrahlen.

Für Produktmanager Jamie Turner ist dies unverständlich, da der Werbefilm lediglich „einige nackte Männer und Frauen zeigt, die zu den erfolgreichsten Techno-Klängen des Jahres tanzen“. Bei den Sendern lief stattdessen eine unverfängliche Version des Spots mit bekleideten Tänzern. Turner meint dazu: „Demi Moore schwanger und nackt auf dem Cover eines Männermagazins ist kein Problem, aber wenn man ganz normale Bürger nackt zeigt, wird das aufgrund eines ‚pornographischen Charakters‘ abgelehnt. Der Normalbürger von der Straße darf in Deutschlands Musiksendern eben nicht einfach schwingen lassen, was sich zum Schwingen eignet, solange er nicht Topmodel oder zumindest semi-prominent ist“.

Wer sehen will, was in dem Spot so alles schwingt, kann dies auf der Internet-Seite der Plattenfirma tun, wo das Dokument garantiert auch „ohne schwarze Balken“ zu sehen sei. SAT.1 hatte in der Sendung „Blitz“ nämlich über den Fall berichtet und Ausschnitte aus dem Trailer gezeigt – aber dabei die „primären Geschlechtsmerkmale kaschiert“, wie Dirk Laubinger, der für Ministry Of Sound Radio-Promotion macht, bemerkt. Der Trubel um den Spot sollte indes auch der Compilation zugute kommen, die unter anderem Titel von Jamiroquai, Roger Sanchez und Paffendorf enthält. Noch im Januar soll eine Tour zur Kopplung in angesagten Szene-Clubs der Republik starten – mit DJs wie Tom Novy, Moguai oder Phil Fuldner.