Recorded & Publishing

Nachgefragt: Michael Bartels über die Erfahrungen mit der Two-Track-CD

Die edel music AG hat Anfang Juli das neue Format Single-CD eingeführt. Mittlerweile hat der edel-Vertrieb erste Erfahrungen damit gesammelt. musikwoche.de sprach mit Michael Bartels, Managing Director edel Distribution, über die Reaktionen des Handels.

musikwoche.de: Verläuft die Einführung nach Ihren Wünschen?

Michael Bartels: Im Handel gibt es dazu geteilte Meinungen, und gerade die wenig differenzierte Äußerung des HAMM hat nicht gerade geholfen bei der Durchsetzung.

mw: Was kritisiert der Handel?

Bartels: Zum Beispiel das Verpackungsformat. Händler, die maschinell die Ware verarbeiten, kommen mit dem Pappschuber nicht so gut zurecht. Wir wollen uns aber flexibel verhalten und denken über eine Änderung der Verpackung nach. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass der Handel teilweise den Preisvorteil bei den 2-Track-Singles nicht weitergibt und das Format beispielsweise für 3,99 Euro verkauft. Das darf nicht passieren.

mw: Auch Karstadt soll dem Vernehmen nach dem neuen Format gegenüber sehr skeptisch sein…

Bartels: Karstadt argumentiert, dass Two-Track-Singles Käufer von den Compilations abziehen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Wir meinen, dass eine Two-Track eher ein kaufbares Marketinginstrument für Artist-Alben ist. Folgt man Karstadts Argumentation, dürfte man Single-Formate gar nicht anbieten. Dennoch ist die Diskussion mit Karstadt sachlich und wird in vernünftiger Atmosphäre geführt.

mw: Edel startete das Format mit einer Veröffentlichung des Jungen mit der Gitarre. Wieviele Two-Tracks haben Sie verkauft?

Bartels: Die Verkäufe sind zu etwa einem Viertel Two-Tracks und zu drei Vierteln normale Maxis. Klar hätten wir mit einem größeren Erfolg gerechnet, aber momentan ist das Format aufgrund der geringen Angebotsbreite eher unauffällig. Das wird sich proportional zur Menge der angebotenen Two-Track Artikel verbessern. Eine gute Entwicklung ist aber schon jetzt, dass wir unsere Maxi-CD-Ziele erreichen und die Single-CD zusätzliche Verkäufe generiert.

mw: Glauben Sie, dass edel demnächst noch Nachahmer im Majorlager findet?

Bartels: Ich befürchte, dass das Thema im Moment etwas zu wenig Beachtung findet. Wir machen aber auf jeden Fall weiter, da uns klar war, dass wir das Format nicht in einem Tag durchsetzen können. Für den Handel gibt es jedenfalls keinen Grund, nicht mitzumachen und wir sind zu jeder konstruktiven Diskussion bereit, sei es mit unseren Kollegen der anderen Industriefirmen wie natürlich mit unseren Kunden.