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Nachgefragt: Karin Heinrich und Wolfgang Weyand, Vorsitzende des IMUC

Anfang Juni gründete sich in Berlin der Interessenverband Musikmanager und Consultants (IMUC). musikwoche.de fragte die beiden Vorsitzenden, Wolfgang Weyand und Karin Heinrich, nach den Zielen des Verbands und künftigen Projekten.

musikwoche: Was gab den Ausschlag für die Gründung eines eigenen Verbands?

Karin Heinrich: Letztes Jahr auf der Popkomm. traf ich Wolfgang Weyand anlässlich eines Meetings. Im anschließenden Gespräch stellten wir aufgrund ähnlicher Arbeitsfelder fest, dass in unserem Berufsstand keine adäquate Interessenvertretung exisitiert, obwohl dies sowohl seitens der Industrie als auch von vielen professionellen Managern und Consultants gewünscht wird. Die Schaffung eines Netzwerks und ein kontinuierliches Austausch unter Kollegen ist für alle Beteiligten darüber hinaus vorteilhaft. Entscheidend für die Realisation war die Bereitschaft der beteiligten Gründungsmitglieder, die vom Start weg mit Begeisterung dabei waren. Gemeinsam haben wir den IMUC mit entsprechender Arbeitsteilung und erfreulich konstruktiven Meetings ins Leben gerufen.

mw: Wieviel Hilfestellung können Sie Ihren Mitgliedern überhaupt geben? Schließlich beruht vieles im Management auf persönlichen Absprachen und auch auf Ideen, die nicht jeder Manager sofort mit dem Nachwuchs teilen will…

Wolfgang Weyand: Es ist nicht das vordergründige Ziel des Verbandes, Hilfestellung zu geben. Denn der Personenkreis, den wir in erster Linie als Mitglieder sehen, arbeitet meist seit vielen Jahren erfolgreich im Business. Da sprechen die Namen der Gründungsmitglieder auch für sich. Die Branche braucht aber eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Interessenvertretung verbunden mit der Möglichkeit, professionelle Standards zu setzen. Wir möchten Kommunikations-Plattform für Profis sein, mit dem IMUC-Gütesiegel für Fairness und Verlässlichkeit der Branche sorgen und langfristig auch die Aus- und Weiterbildung in diesem Beruf fördern. Selbstverständlich werden wir auch Serviceleistungen anbieten, wie zum Beispiel Musterverträge. Aber auch mit den ersten Fördermitgliedern sind wir im Gespräch, um unseren Mitgliedern Sonderkonditionen bei verschiedenen Dienstleistern anbieten zu können.

mw: Wie hoch ist der Jahresbeitrag, und ist eine Verbandszeitschrift geplant?

Heinrich: Der Mitgliedsbeitrag beträgt 300 Euro pro Jahr, die Aufnahmegebühr wurde auf 250 Euro festgelegt. Eine Verbandszeitschrift ist nicht geplant, wir bevorzugen elektronische Newsletter und einen informationsreichen Austausch über die Homepage, die zur Zeit in Vorbereitung ist (www.imuc.de). Im übrigen befinden wir uns klar noch am Anfang unserer Arbeit. Wir wünschen uns aktive Kommunikation, die sich nicht nur auf die Mitgliederversammlungen beschränken sollte.

mw: Wie und an wen soll das Gütesiegel vergeben werden, das Ihr Verband plant? Was sind die Kriterien und wer soll diese prüfen?

Weyand: Mit dem IMUC-Gütesigel versuchen wir, einen Beitrag zur Fairness und Transparenz unserer Branche zu leisten. Selbstverständlich wünschen wir uns auch langfristig eine Imageaufbesserung unseres Berufsstands. Das Gütesigel selbst enthält zunächst als Orientierung eine Aufgabendefinition, was ein Künstlermanager leisten sollte. Darüber hinaus einige grundsätzliche Vorgaben über Transparenz (im Verhältnis Künstler/Manager), maximale Beteiligung, Ausschluss von Interessenkollisionen, maximale Laufzeiten von Managementverträgen oder die Verpflichtung des Managers, vereinnahmte und dem Künstler zustehende Gelder getrennt von Privatvermögen zu verwalten. Das Gütesiegel wird von uns nicht vergeben, sondern alle Mitglieder verpflichten sich freiwillig dazu, dass ihre Dienstleistungen diesem Qualitätsstandard entsprechen. Gibt es Unstimmigkeiten, wird man unsere Clearingstelle anrufen können. Hält sich ein Mitglied nachweislich nicht an das IMUC-Gütesiegel, kann es ausgeschlossen werden. Selbstverständlich steht es den Mitgliedern frei, in der Außendarstellung mit dem IMUC-Gütesiegel zu werben.

mw: Planen Sie die Zusammenarbeit mit Gremien wie dem IMMF?

Weyand: Wir konzentrieren uns zunächst auf die Etablierung von IMUC in Deutschland und den damit verbundenen Aufgabenfeldern, die je nach Spezialisierung der Gründungsmitglieder auf diese entsprechend verteilt sind. Mittelfristig sind wir selbstverständlich an internationalen Kooperationen interessiert. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wir wollen keine aufgeblasene Verbandsstruktur, sondern die Gründungsmitglieder inklusive dem Vorstand müssen sich weiter um ihr Kernbusiness kümmern können.

mw: Wie sieht es auf nationaler Ebene aus? Ich könnte mir vorstellen, dass gerade eine Zusammenarbeit mit dem idkv und dem VDKD fruchtbar und sinnvoll wäre…

Heinrich: Der IMUC ist ein spezialisierter Interessenverband für Musikmanager und Consultants. idkv und VDKD vertreten in erster Linie die Interessen der Veranstaltungsbranche, inhaltlich könnte das folgerichtig zu Interessenkonflikten führen. Das ist sicherlich Ansichtssache, schließlich kann sich jeder Interessent frei entscheiden. Tatsache ist allerdings, dass die selbstständige Gründung eines spezialisierten Verbandes von der Musikindustrie sehr positiv gesehen wird.

mw: War es nicht möglich oder gewünscht, den Verband sozusagen als Unterabteilung des idkv oder VDKD zu gründen?

Heinrich: Es gab ein freundschaftliches Gespräch mit Herrn Michow (IDKV), der das sicherlich gerne gesehen hätte. Eine Kooperation mit einem seit 17 Jahren bestehenden Verband mit einer ausgefeilten Infrastruktur und einem erheblichen Erfahrungsvorsprung wäre der einfachere Weg gewesen. Wir haben entschieden, uns selbständig zu etablieren, schließen aber dennoch zukünftige Kooperationen nicht grundsätzlich aus.