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Nachgefragt: Gennaro Castaldo, Pressesprecher HMV Group

Die Ankündigung des Rückzugs der Handelskette HMV vom deutschen Markt kam jetzt plötzlich, hatte sich jedoch vor dem Hintergrund der im vergangenen Jahr angekündigten Überprüfung des Engagements in Deutschland angebahnt. Im Gespräch mit musikwoche.de erläutert Gennaro Castaldo als Sprecher der HMV Group einige Hintergründe.

musikwoche.de: Wann fiel bei HMV die Entscheidung, sich aus Deutschland zurückzuziehen?

Gennaro Castaldo: HMV sah den Einstieg in den deutschen Markt immer als einen Testlauf, der auch jederzeit wieder überdacht werden konnte. Zwei unserer drei Stores waren nun für drei Jahre geöffnet, und unser erster im CentrO Oberhausen – das als Einkaufszentrum mit vielen internationalen Handelsmarken am ehesten mit britischen Einkaufszentren zu vergleichen war – sogar für sechs Jahre. Daher konnte HMV über einen angemessenen Zeitraum ausreichende Erfahrungen mit der deutschen Handelslandschaft für die letztendliche Entscheidung sammeln, die erst kürzlich fiel.

mw: War die Abkehr von der für 2001 geplanten Eröffnung eines HMV-Shops in Köln nicht bereits ein erstes Zeichen für diesen Schritt?

Castaldo: Während des Testlaufs für unser Format in Deutschland befand HMV, dass mit den neuen Stores in Frankfurt/M. und Münster eine ausreichende Basis für die Entscheidung geschaffen sei, ob ein Roll-out der Marke HMV in Deutschland durchführbar sei.

mw: Haben die deutschen HMVs je Profit erwirtschaftet?

Castaldo: Die Stores selbst schon, allerdings gab es auch noch das Head-Office und andere Kostenfaktoren, die in die gesamte Performance einflossen.

mw: Wie teuer war das Experiment in Deutschland für HMV?

Castaldo: Die Kosten für die Schließung unseres Deutschland-Geschäfts werden sich auf rund eine Million Pfund (umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro) belaufen. Eine Summe, die das Unternehmen stemmen kann und die uns nicht daran hindern wird, unsere finanziellen Ziele für das Geschäftsjahr 2002/2003 zu erreichen. Darüber hinaus kann ich leider keine Auskunft geben.

mw: Besteht die Möglichkeit, dass es noch einmal ein HMV-Geschäft in Deutschland geben wird?

Castaldo: Der Fokus von HMV richtet sich künftig vor allem auf den britischen und den irischen Markt.

mw: Warum passte die HMV-Blaupause nicht zum deutschen Musikgeschäft?

Castaldo: HMV hat sich immer bemüht, in Preisfragen so wettbewerbsfähig wie möglich zu sein, unter anderem durch regelmäßige Kampagnen und Aktionen, aber auch durch Exklusivprodukte mit besonderem Mehrwert. Als Fachgeschäftskette mit der Erfahrung von mehr als 80 Jahren liegen die Stärken des HMV-Angebots vor allem auf Markenwerten wie Produktauswahl – inklusive der Unterstützung neuer Trends – Fachwissen, Ladenambiente und Service.

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