Recorded & Publishing

Nachgefragt: Dr. Ingo Grabowsky über „Das Jahrhundert des Schlagers“

Noch bis zum 5. Oktober zeigt das Haus der Geschichte in Bonn unter dem Motto „Melodien für Millionen“ eine Ausstellung mit mehr als 1500 Exponaten aus dem „Jahrhundert des Schlagers“. Kurator Dr. Ingo Grabowsky bereitet für den Herbst ein Buch zum Thema vor. Im Gespräch mit MusikWoche-Mitarbeiter Andreas Boldt zieht er eine erste Zwischenbilanz.

MusikWoche: Wie kam das Haus der Geschichte auf die Idee, die Entwicklung des deutschen Schlagers im Rahmen einer Ausstellung zu würdigen? Ingo Grabowsky: Schlager sind nicht nur kulturhistorisch wichtig, sie spiegeln ja auch immer den politischen, gesellschaftlichen und sozialen Zeitgeist wider. Insofern ist das Thema „Schlager“ durchaus auch für das Haus der Geschichte von Belang. Die Ausstellung zeigt auch die Hintergründe und die ambivalente Stellung, die ein Schlager einnehmen kann. Der Schlager „Davon geht die Welt nicht unter“ wurde einerseits von den nationalsozialistischen Machthabern als Durchhaltehymne instrumentalisiert. Andererseits wurde der Textdichter Bruno Balz von den Nazis als Homosexueller verfolgt. Denken Sie zum Beispiel auch an den von Peter Alexander und Leila Negra gesungenen Titel „Die süßesten Früchte“ von 1953, der zu Beginn des Wirtschaftswunders sozialkritische Inhalte vermittelte.

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