Recorded & Publishing

Nachgefragt bei Uli Großmaas: „Mir hat sich nachhaltige Aufbruchstimmung vermittelt“

Dieses Jahr verzeichnete die Popkomm. einen Besucherrückgang; die Musikbranche kämpft mit gravierenden Problemen – dennoch herrschte bei den Besuchern nahezu einhellige Zufriedenheit mit der Messe. musikwoche.de fragte Uli Großmaas, den Geschäftsführer der veranstaltenden MusikKomm., woran das lag und wie es weitergehen soll.

musikwoche.de: Womit erklären Sie sich die durchweg positive Resonanz auf die diesjährige Messe? Uli Großmaas: In diesen Zeiten des Sich-Selbst-Neu-Erfindens ist das Umkrempeln gewohnter Strukturen, das Setzen neuer Impulse und ein reger – gern auch kontroverser – Austausch essenziell. Das haben wir bereits in der Frühplanung der diesjährigen Popkomm. sehr ernst genommen und uns selbst auf die Fahne geschrieben. Wir freuen uns darüber, dass die grundlegende Neugestaltung der Messe so gut angekommen ist. Ebenso sind die Kongressangebote herausragend positiv angenommen worden. Wir sind sehr glücklich darüber, dass die Neupositionierung so aufgegangen ist.

mw: Wie schätzen Sie die Chancen zur Umsetzung der von Staatsminister Julian Nida-Rümelin vorgeschlagenen freiwilligen Quotenregelung auf der Basis der 50:50-Forderung der Verbände ein? Großmaas: Ich fände es falsch, diesen Vorschlag bereits im Vorfeld zu zerreden. Als Bundesbürger fände ich es traurig, wenn gut begründete Anliegen nur über staatliche Sanktionen durchsetzbar wären. Allerdings ist Deutschland nicht Frankreich, und die kurzfristige Orientierung auf Hörerquoten ob des wirtschaftlichen Drucks war selten so stark. Es wird weiter sehr viel Überzeugungsarbeit und noch mehr längerfristig orientierter Aufbau neuer nationaler Künstler erforderlich sein.

mw: Am Tag nach Nida-Rümelins Keynote hingen überall die „Pop Flash“-Plakate mit einem recht negativen Kommentar unter der Überschrift „Keine Macht der Quote“. Was halten Sie davon? Großmaas: Das ist Produkt freier journalistischer Meinungsäußerung und verfolgt nicht im Ansatz den Anspruch, ein offizielles Sprachrohr oder ähnliches zu sein. Im Team und gerade in der Kongressredaktion werden oft genug Themen der Branche recht kontrovers und leidenschaftlich diskutiert. Das empfinde ich als sehr passend und angemessen. Popkomm. ist die Kommunikationsplattform der Musik- und Entertainmentwirtschaft und damit Reflektionsschirm bestehender Meinungen zu Themen der Branche.

mw: Radioleute sind auf der Popkomm. eher selten – gehören sie nicht zum Zielpublikum der Messe? Großmaas: Ich treffe auf der Popkomm. nicht weniger mir bekannte Hörfunkjournalisten als auf den einschlägigen Hörfunkkongressen.

mw: Warum wurde die geplante Diskussion mit den „Oldies“ Heinz Canibol, Wolf-D. Gramatke und Helmut Fest kurzfristig abgesagt? Großmaas: Die Diskussion war recht kurzfristig anberaumt und wurde von den Teilnehmern recht kurzfristig aus Termingründen leider wieder abgesagt.

mw: Hartnäckig ging das Gerücht, die nächste Popkomm. werde in Berlin stattfinden. Stimmt es? Großmaas: Ich dachte, es ging in diesem Jahr um Leipzig?

mw: Was spricht eigentlich dagegen, dass die MusikKomm ihren Sitz weiterhin in Köln behält, aber die Messe dennoch in Berlin veranstaltet? Großmaas: Logistisch spricht nichts Essenzielles dagegen.

mw: Wie sieht Ihr persönliches Fazit der diesjährigen Popkomm. aus? Großmaas: Weiter machen, weiter zielgerichtet verändern. Nicht aufhören, gewohnte Dinge zu hinterfragen. Mir hat sich nachhaltig Aufbruchstimmung vermittelt.