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Nachgefragt bei Mark McGuire: „Wir sind eine Show und keine Messe“

Als Grenzgänger zwischen den Bereichen Mode und Musik ist der 39-jährige Mark McGuire die Idealbesetzung für den Posten des Music Directors der Bread & Butter. Der Brite kennt die Macher der Messe seit Kindesbeinen an und ist seit Ende 2002 für die musikalischen Aspekte der Veranstaltung zuständig. Jörn Geipel traf McGuire vor Ort.

musikwoche: Wie ist Ihr erster Eindruck von der diesjährigen B&B? Mark McGuire: Wir sind hoch zufrieden. Wir haben mit 600 Ausstellern 100 mehr als im Vorjahr. Auch das Interesse der Musikindustrie ist stark angewachsen.

mw: Worin besteht die Verbindung von Mode und Musik? McGuire: Im Alltag. Du hast jeden Tag mit Beidem zu tun, und Rock’n’Roll war immer schon Mode. Man denke an die Sex Pistols und an Vivienne Westwood. Die Mode war immer schon Teil des Alltags. Und jede Gruppe hat ihren Style. Wer die Beastie Boys hört, trägt auch ihre Sachen. Wer P. Diddy mag, läuft in Sean John rum. Run DMC machten mit „My Adidas“ im HipHop den Anfang; DJ Hell ist ein Style-Commander. Als nächstes kooperiert Missy Elliott mit Adidas, und auch Mainstream-Künstler werden Mode machen.

mw: Wie ist Ihr Verhältnis zur Modemesse Premium? McGuire: Die Premium kopiert uns nur. Deswegen hinkt sie auch immer ein Jahr hinter uns her.

mw: Wird es irgendwann musikalische Superstars auf der B&B geben? McGuire: Nein. Und wenn doch, dann werden sie nicht als solche angekündigt. Ticco Torres, der Schlagzeuger von Bon Jovi, war mit seiner Baby-und-Kindermoden-Kollektion Rock Star Baby in diesem Jahr dabei. Und Jon Bon Jovi lief einfach hier auf der Messe rum. Wir haben keinen Bock auf die Majors und ihre Marketing-Strategien. Aber jeder, der Lust hat, kann sich mit seiner Gitarre hinstellen und Musik machen.

mw: Wie wichtig ist der Standort Berlin für Sie? McGuire: Berlin ist einzigartig und im Moment die Hauptstadt der jungen Mode in Europa. Zwar haben wir hier nicht die Top-Designer, aber die Club-Szene und die Vielzahl der Musiklabels ist einmalig. Keine andere Stadt in Europa bringt solche Voraussetzungen wie Berlin mit. Im Moment ist Berlin urban und streetlastig. Wie die Mode, die wir präsentieren.

mw: Wie unterstützt Berlin die Bread & Butter? McGuire: Wir haben gute Kontakte zum Wirtschaftssenat. Der Dienstweg bei den Behörden ist sehr kurz. Auch Bürgermeister Klaus Wowereit war da. Er sieht, dass Berlin in Modefragen kompetent ist und dass das ein Wirtschaftsfaktor ist. Eine finanzielle Unterstützung erhalten wir aber nicht.

mw: Wie ehen Ihre Pläne für die Popkomm aus? McGuire: Ich möchte die Mode zur Musik bringen. Ich habe zum Beispiel Fashion Rocks aus England eingeladen, eine karitative Veranstaltung, bei der auch Robbie Williams zu einer Mode-Präsentation von Armani aufgetreten ist. Das ist das beste Beispiel für das Motto „Music meets Fashion“.

mw: Und was bringt die nächste Bread & Butter? McGuire: Zunächst gehen wir mit der Milk & Honey ran an die Frauen. Dann wird das Ausstellerportfolio vergrößert. Wir wollen aus allen Bereichen die Topleute. Es wird erlesen bleiben; wir sind eine Show und keine Messe. Das Motto für den Winter wird „Absolut Bread & Butter“ lauten. Sehr einfach. Rough. Keine Opulenz. Mehr Live-Musik. Darüberhinaus plane ich einen Konferenztag: Designer, die sich mit Musik beschäftigen, treffen Musiker, die sich mit Design beschäftigen. Und natürlich wird es kleine Fashion-Shows geben; Modephotographie und Kunst werden thematisiert. Außerdem würde ich gerne mit den Labels K7, Mute und Gigolo zusammenarbeiten.

mw: Auf welche Musik setzen Sie? McGuire: Ich habe die Indies auf meiner Seite. Die Künstler wissen, dass sie nicht verheizt werden. Sie haben zwar am Montag nach der Messe keine 3000 CDs mehr verkauft, aber dafür langfristige Kontakte angebahnt. Außerdem sind die Künstler, die wir hier haben, in ihrer Szene auch Stars. Sie sollen sich hier wohlfühlen.