Recorded & Publishing

Nachgefragt bei Klaus-Peter Schulenberg: „Ergebnis geht vor Umsatz“

Die CTS EVENTIM AG befindet sich im absoluten Stimmungshoch. Gerade meldete der Veranstalter-und Ticketing-Konzern ein Rekordgeschäftsjahr, und nun eröffnet die Partnerschaft mit Phonoline neue glänzende Perspektiven – wie der Vorstandsvorsitzende Klaus-Peter Schulenberg gegenüber musikwoche bestätigt.

musikwoche: Die größten Umsatzzuwächse im Konzern hat der Bereich Online-Ticketverkauf. Was wollen Sie hier 2004 erreichen? Klaus-Peter Schulenberg: Wir haben immer wieder auf die Chancen im Internet hingewiesen und die Perspektiven angedeutet. Einige haben gezweifelt, mittlerweile dürfte jedoch jedem das ungeheure Potenzial dieses Geschäftsfeldes klar geworden sein. Wir hatten im vergangenen Jahr rund 40 Mio. Besucher auf unseren Internetseiten und rechnen mit einer Verdoppelung in 2004. Wir haben jetzt schon rund 1,5 Mio. feste Kunden, die ihr Profil hinterlegt haben und einen Newsletter beziehen, Tendenz schnell steigend. Wir kennen unsere Kunden und verfeinern täglich die Kommunikation mit ihnen. Natürlich werden wir das Internet-Ticketing ausbauen, zum Beispiel indem verschiedene Veranstaltungen ganz oder zumindest früher über das Netz vermarktet werden. Oder in Zukunft wird CTS Eventim als Premium-Partner der Musikindustrie Downloads anbieten und somit zusätzliche Attraktivität für musikaffine Zielgruppen bekommen.

musikwoche: Welche Möglichkeiten bietet das Abkommen mit Phonoline? Schulenberg: Da sind alle Varianten vorstellbar, schöne Packages beispielsweise mit Konzertticket, exklusiven Live-Mitschnitten oder Vorab-Veröffentlichungen neuer Songs. Die Möglichkeiten sind fantastisch, wir werden sie nutzen.

mw: Die CTS Eventim AG hat 2003 insgesamt das beste Jahr ihrer Firmengeschichte erzielt. Überrascht Sie das nicht selbst angesichts vorherrschender Konsumzurückhaltung und den Einbrüchen der Plattenindustrie? Schulenberg: Nein, überhaupt nicht. Gerade in Krisenzeiten gibt es eine große Sehnsucht der Menschen nach Ablenkung, die wir mit unseren Konzerten und Events bieten. Ein Konzert ist ein emotionales Erlebnis, keine CD kann das bieten, das ist unser USP. Fairerweise muss man ergänzen, das natürlich auch die Vielzahl und Qualität der in Deutschland tourenden Künstler im vergangenen Jahr außergewöhnlich hoch war und deshalb mit zu diesem guten Ergebnis beigetragen hat.

mw: Wie ist das Konzertjahr 2004 angelaufen? Was sind Ihre größten Highlights im Tourneegeschäft? Schulenberg: Wir sind zufrieden. Der Vorverkauf läuft gut, und es werden auch im Jahr 2004 einige Topstars kommen. Ob wir letztes Jahr toppen, ist dabei nicht wichtig, entscheidend ist unsere Marktstellung und die Kontinuität und Qualität unserer Arbeit. Bereits heute liegt eine Vielzahl fester Vereinbarungen mit Stars der Pop- und Rockszene vor, darunter Klassiker wie Santana, Phil Collins, Peter Gabriel, Cher oder Sting, aber auch Shania Twain, Dido oder Pink und deutsche Topleute wie Herbert Grönemeyer. Ich bin sicher, da ist für jeden etwas dabei, und einige Überraschungen werden auch noch kommen.

mw: Wie läuft der Vorverkauf zu „Rock am Ring“/Rock im Park“? Ergeben sich hier Probleme durch die wegen des Formel-eins-Rennens erzwungene Verschiebung des Termins? Schulenberg: Die bisherigen Bestellungen bzw. der Vorverkauf liegen etwa auf Vorjahresniveau, insofern ist alles im Plan. Beide Veranstaltungen sind Klassiker und solange es gelingt, große Namen nach Franken oder in die Eifel zu holen, bleiben auch die Fans.

mw: Was macht die CTS Eventim zum Marktführer im Tourneegeschäft? Schulenberg: Wer die Veranstaltungen im vergangenen Jahr betrachtet, sieht, dass wir fast ohne Ausnahme die besten Künstler und größten Stars nach Deutschland geholt haben. Unsere Veranstalter – allen voran Marek Lieberberg – sind die „Star Alliance“ der Branche, mehr Qualität und Erfahrung geht nicht.

mw: Ist die Struktur mit dem jetzigen Veranstalterpool optimal oder planen Sie, weitere deutsche Tourneeveranstalter und neben Clear Channel andere ausländische Partner mit ins Boot zu holen? Schulenberg: Mit Clear Channel beginnen wir eine neue Ära in Deutschland, wir schlagen eine Brücke zwischen dem Konzert-Weltmarktführer und der Nummer eins in Deutschland und schaffen ein Netzwerk, das einmalig ist in der Branche. Entsprechend optimistisch ist unser Ausblick, entsprechend dynamisch gehen wir in die Planung, wobei die Betonung auf Qualität und nicht auf Quantität liegt. Betriebswirtschaftlich bedeutet dies die klare Strategie „Ergebnis geht vor Umsatz“, wir wollen Geld verdienen und nicht Geld tauschen und werden deshalb auch in Zukunft Tourneen ablehnen, die zu riskant sind bzw. bei denen man nach seriöser Kalkulation keinen Gewinn erwirtschaften kann. Zum Thema Akquisitionen kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur sagen, dass es keine konkreten Bemühungen um ein Unternehmen gibt, da wir nahezu alle wichtigen und relevanten Partner bereits „im Boot“ haben. Sollte sich hier oder da dennoch eine Gelegenheit ergeben, werden wir diese selbstverständlich überprüfen und wahrnehmen. Als Marktführer sind wir in einer guten Position, man kommt an uns nicht vorbei.