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musikwoche-Dossier: Wie die Alten sungen, so tingeln auch die Jungen

Wenn die ergrauten Eminenzen des Pop nicht mehr wollen oder nicht mehr können, springen immer öfter so genannte Tribute-Bands in die Bresche und führen die Konzerte von einst originalgetreu auf. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Musicals und Multimedia-Shows. Lohnt sich das eigentlich? Und für wen?

Gute Geschäfte mit dem Nachlass von Rocklegenden Wie die Alten sungen, so München – Wenn die ergrauten Eminenzen des Pop nicht mehr wollen oder nicht mehr können, springen immer öfter so genannte Tribute- Bands in die Bresche und führen die Konzerte von einst originalgetreu auf. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Musicals und Multimedia-Shows. Lohnt sich das eigentlich? Und für wen? 8 19/2005 dossier.cover-bands Fotos: Martin Christgau tingeln auch die Jungen 19/2005 9 cover-bands.dossier Verzückte Fans wiegen sich zu den Klängen von Pink Floyds „Wish You Were Here“. Die Männer und Frauen in der Dortmunder Westfalenhalle kennen jeden Ton von David Gilmours Gitarrensolo auswendig. Erwartungsgemäß wird das Konzert auch zum Ereignis für die Augen: Auf die runde Leinwand im Bühnenhintergrund werden Kurzfilme projiziert, ein wahres Lichtgewitter geht auf die Fans nieder. Dann der Bruch: Ein mit Luft gefülltes rosa Känguruh walzt über die Bühne – nicht etwa das Schwein, das man von Pink Floyd kennt. Doch niemand scheint sich daran zu stören. Im Gegenteil: Johlend begrüßt die Menge das riesige Maskottchen. Denn die Musiker auf der Bühne sind gar nicht die echten Pink Floyd, sie kommen aus Australien und tun nur so. Mit dem musikalischen Erbe der vier Briten sahnen die Australier derzeit kräftig ab. Aber die Kassen klingeln auch bei anderen Nachlassverwaltern. Abba zum Beispiel sind in mannigfaltiger Aufmachung unterwegs, ob als „Abba Mania“, als Musical „Mamma Mia“ oder – an der Grenze zum Klamauk – mit „Platinum Abba“. Meist jedoch handelt es sich um eine ernst zu nehmende Kultveranstaltung im Look vergangener Tage. Auch die Idole von Genesis werden unter Namen wie „Re-Genesis“ oder „The Musical Box“ wiederbelebt und damit als Faszinosum neu generiert. Wenn Tote zur Kasse bitten Richtig lukrativ wird das Geschäft allerdings dann, wenn es um das künstlerische Andenken verstorbener Leitfiguren der Rock- und Pop-Geschichte geht. Schließlich weiß man ja, dass es zumindest in 3 Erben von Genesis: „The Musical Box“ mit der Bühnenshow zu „The Lamb Lies Down On Broadway“ 10 19/2005 dossier.cover-bands geschäftlicher Hinsicht ein Leben nach dem Tode gibt, das in der Regel lukrativer ausfällt als die Existenz auf Erden. So veröffentlicht das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ alljährlich die Bestenliste der verstorbenen Entertainer und der Einnahmen, die mit ihrem kreativen Output erzielt wurden (siehe Tabelle). Da verwundert es nicht, dass man vor allem die Toten immer wieder gern zu neuem Leben erweckt. So produzierte beispielsweise zehn Jahre nach dem Tod von Freddie Mercury das Planetarium im Forum am Deutschen Museum in München in Zusammenarbeit mit Queen-Gitarrist Brian May eine multimediale Lasershow. Die Fans dürfen sich außerdem an „One Night Of Queen“ oder dem zur Legende passenden Musical „We Will Rock You“ erfreuen. Falco feiert ebenfalls Auferstehung auf der Bühne, auch Buddy Holly und John Denver – es ist ein Wiedergängertum der ewigen Entertainer, das anscheinend niemanden verschont, dessen Werke nach seinen Lebzeiten noch immer für dicke Tantiemen gut sind. Dass sogar Elvis Presley wieder zurück auf die Bühne geholt wird, verwundert angesichts seiner unangefochtenen Spitzenposition in den Post-Mortem-Charts ganz und gar nicht. Der King absolvierte mit „Elvis – The Concert“ seine allererste Welt-Tournee: als schwitzendes Gespenst auf der Großleinwand im Kreise greiser Bandgenossen von einst. All diese Shows haben eine Gemeinsamkeit: Sie verkaufen den Fans nichts für echt, sondern eine Illusion, und diese funktioniert als stille Übereinkunft zwischen Publikum und Akteuren. So grenzen sich Tribute-Veranstaltungen von den Auftritten verarmter Veteranen ab, die unter bekanntem Namen, aber ohne ihre berühmten Gallionsfiguren mit dürftigen Ersatzmännern durch die Lande tingeln. Solche Verschnitte der Doors, von Creedence Clearwater Revival oder neuerdings auch von Queen sind im Vergleich mit den Tribute-Shows Mogelpackungen. Die perfekte Illusion als Produkt Steve Mac, Gitarrist und Sänger der „Australian Pink Floyd Show“, sieht beim Publikum einen Wandel in der Akzeptanz: „Anfangs hielten die Leute all die Tribute- Bands für einen Witz. Es gab aber auch sehr gute Sachen, die ihren ganz eigenen Eindruck hinterließen. Außerdem glaube ich, dass das Fernsehen und die Karaoke- Welle ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen haben.“ Und diese Entwicklung ist mittlerweile weit fortgeschritten; sie hat längst ihre eigene Form der Daseinsberechtigung erlangt. Es geht dabei eben nicht mehr darum, in der Kneipe um die Ecke ein paar alte Hits herunterzuspielen – solch Reanimationstheater war gestern. Hinter manch aktueller Produktion steckt vielmehr jahrelange Arbeit, damit die Illusion perfekt ist. Winfried Völklein, Geschäftsführer der Ulmer Veranstaltungsfirma WIV Entertainment, beschreibt sein Genesis-Produkt „The Musical Box“ so: „Coverbands spielen ein Best-Of-Programm. Wir hingegen haben das Mandat, die historischen Shows exakt so aufzuführen, wie sie damals stattgefunden haben. Mit dem Originalmaterial, den Originalinstrumenten, der Originaltechnik – zum Beispiel mit 1200 Dias, die wir nur durch aufwändige Recherche in die richtige Reihenfolge bringen konnten.“ Die Originalbesetzung von Genesis tritt nicht mehr live auf – sie lässt auftreten. Und die Fans sind begeistert. Christian Gerhardts vom Genesis-Fanclub Essen lässt sich auch von der geliehenen Authentizität gern überzeugen: „Teilweise haben sie sogar die Bühnenutensilien von der Band bekommen. Sie sind von Genesis offiziell anerkannt und haben einen Lizenzvertrag. Aus diesem Grunde ist das eine ganz andere Liga.“ Dieter Semmelmann, als Chef des Bayreuther Anbieters Semmel Concerts mit Shows wie „One Night Of Queen“ und „Abba Mania“ im Recycling-Business, sieht sich hingegen in erster Linie als Dienstleister. Der Kunde wolle eine Show sehen, die es streng genommen gar nicht gibt, „weil die Menschen entweder in dieser Form nicht mehr zusammen spielen oder ganz einfach tot sind“. Suche nach der verlorenen Jugend Die Zielgruppe solcher Shows ist zwischen 24 und 60 Jahren alt. Was aber erhoffen sich die Fans der verblichenen oder zerstrittenen Idole von anno dunnemals von diesen Aufführungen? Sie holen sich ihre verflossene Jugend zurück, meint Winfried Völklein, oder eine Zeit, die sie damals selbst nicht miterleben konnten, weil sie zu spät geboren wurden. „Die Zielgruppe kann mit der aktuellen Musik wenig anfangen“, interpretiert Dieter Semmelmann die wachsende Beliebtheit seiner Produkte. „Die Leute sehnen sich nach ihren Idolen von früher.“ Steve Mac, der allabendlich auf Tournee den David Gilmour gibt, kennt die Bedürfnisse seiner Zuschauer vielleicht am besten: „Sie „Abba Mania“ auf Tournee · 27. Mai – Thale · 28. Mai – Schmerlecke · 29. Mai – Grefrath · 16. Juli – St. Goarshausen · 20. Juli – Meersburg · 22. Juli – Schwandorf · 23. Juli – Weissenburg · 24. Juli – Kulmbach · 13. August – Berlin Posthumer Ruhm Die toten Spitzenverdiener im Jahr 2004 (in Mio. Dollar) 1. Elvis Presley – 40 2. Charles M. Schulz („Peanuts“) – 32 3. J.R.R. Tolkien („Der Herr der Ringe“) – 22 4. John Lennon – 19 5. George Harrison – 16 6. Theodor „Dr. Seuss“ Geisel (Kinderbuchautor) – 16 7. Dale Earnhardt (Rennfahrer) – 15 8. Tupac Shakur – 12 9. Bob Marley – 9 10. Marilyn Monroe – 8 Alles wie beim Original: Pink-Floyd-Show „The Machine“ Quelle: „Forbes“ 19/2005 11 cover-bands.dossier erwarten ein Konzert und eine Show, die Pink Floyd so nahe wie irgend möglich kommt. Die Anforderungen an uns Musiker sind also entsprechend hoch.“ Als mittelmäßiger Abklatsch kommt da keiner über die Runden, da sind echte Profis gefragt. Und mancher Klon ist deshalb so gut wie echt. So schwärmt Genesis-Fan Christian Gerhardts: „Der Schlagzeuger ist Linkshänder wie Phil Collins, sieht aus wie Phil Collins, spielt wie Phil Collins und singt sogar wie Phil Collins.“ Herz, was willst du mehr? Abkopplung des Künstlers vom Werk Je besser die Kopie, desto eher lassen sich Zeit und Raum überbrücken. Dann gerät ein Tribute-Konzert zur Gedenkmesse für die Abwesenden. Franz Bernd Glanzer, Präsident des offiziellen deutschen Fanclubs „Elvis Presley Will Never Die“, erklärt diese kultische Facette damit, dass die Shows einen Kontakt mit dem Jenseits herstellen. Der Fan suche die Verbundenheit mit Elvis durch diejenigen Künstler, die damals mit dem King auf der Bühne standen. Für Uneingeweihte freilich grenzt „The Concert“ an Leichenfledderei. Doch wie weit geht das Geschäft mit der Blaupause? Könnte man nicht auch ebenso gut einen zweiten Michael Jackson schneidern? „Bei einem Konzert von Pink Floyd ging es immer um mehr als nur um die Musiker auf der Bühne“, sagt Steve Mac. „Es war ein Ereignis für alle Sinne. Musik und visuelle Effekte erzeugen zusammen eine ganz spezielle Wirkung.“ Nicht jede Musik eignet sich also zum Doubeln. „Ich persönlich glaube, eine Band wie U2 kann man nicht covern, da Bono einfach nicht zu ersetzen ist“, sagt Petra Huber von der Agentur Music Pool, die Steve Mac und seine Kollegen in Europa vertritt. „Pink Floyd hingegen ist ein Gesamtkunstwerk.“ Winfried Völklein sieht es ähnlich. Er spricht von seiner Genesis-Show als „Quintessenz aus Emotion und Mathematik, Licht, Lyrics und Musik“. Wachstumsbranche Nostalgie Über ihre Umsätze sprechen die Macher naturgemäß nicht gern. Vermarkten ließe sich die Sache ohnehin nicht wirklich, weil die Medienlandschaft in Deutschland kein Interesse daran habe, klagt Völklein. Eine Nachfrage gibt es trotzdem, und die Zuschauerzahlen sprechen eine klare Sprache. In Oberhausen lockten „Genesis“ acht-, in Stuttgart sechstausend Fans an. „Aussiefloyd“ spielen regelmäßig vor 1500 bis 2000 Besuchern und werden inzwischen auch für die Londoner Royal Albert Hall gebucht. Elvis füllt mühelos die Schleyerhalle in Stuttgart. „Abba Mania“ hat nach Angaben der Veranstalter bisher weit über 250.000 Menschen erreicht. Im Tourkalender von „Abba Mania“ finden sich Highlights wie die Köln Arena. „Dort hatten wir viermal über 8000 Besucher“, sagt Semmelmann. „Auf der Berliner Waldbühne letztes Jahr waren es über 18.000. Ich weiß nicht, wo die Leute immer die Konzertkrise sehen.“ Ganz billig sind die Tickets nämlich nicht, auch wenn die Hauptpersonen fehlen. Sicher scheint: Das Geschäft mit den Tribute-Artikeln ist eine Wachstumsbranche. „Die Musikindustrie selbst hat den Markt für diese Tribute- Bands geschaffen“, erklärt Steve Mac. „Das bestehende Angebot an aktuellen Künstlern befriedigt schlicht und einfach nicht mehr die Bedürfnisse eines großen Teils der Musikfans. Das ist bittere Ironie, denn gerade dieses Fan-Segment ist am loyalsten.“ In Australien kam hinzu, dass viele Top-Acts dort nur selten zu Konzerten vorbeischauten und sich so viel früher eine Tribute-Szene entwickelte. Trend zum Blick zurück Das Publikum hat ein nostalgisches Bedürfnis, und um das zu befriedigen, akzeptiert es so einiges. Man wird ja im Lauf der Zeit genügsam. „Man muss nur den Fernseher anschalten“, findet Dieter Semmelmann. „In den meisten Musiksendungen werden unter irgendwelchen abenteuerlichen Titeln Rückblicke auf die Siebziger-, Achtziger- oder Neunzigerjahre verkauft. Da ist es nur konsequent, wenn die Hits von damals auch wieder live auf der Bühne erscheinen.“ So manchen Musikliebhaber stimmt das dennoch pessimistisch. Elvis-Fan Glanzer meint: „Was in den letzten Jahren herausgekommen ist, war alles schon einmal da. Ich glaube, wir sind hier an einem Tiefpunkt angelangt, und das nicht nur in musikalischer Hinsicht – bei den Filmen ist es dasselbe.“ Im Kino jagt derzeit ein Remake das andere. Für den jüngeren Fan althergebrachter Rockmusik entsteht sowieso ein Vakuum. Dies allein jedoch erklärt den Erfolg der Lassen seit 16 Jahren auf der Bühne das Känguru los: die Musiker der „Australian Pink Floyd Show“ 12 19/2005 dossier.cover-bands Tribute-Shows gerade bei der jüngeren Generation nicht. Im Zeitalter der Klingelton- Charts entsteht vielmehr eine neue Distanz zur Person des Ausübenden. Musik wird reduziert auf ihre Funktion als Konsumgut: „Eine Band, die über dreißig Jahre alt ist, ist ein Feuerwerk der Hits“, sagt Petra Huber. „Da kann auch jeder, der nicht Pink-Floyd-Fan ist, seine Songs finden.“ Das Beste in Kürze, als After-Work- Happen. Ein „Zeitgeist-Phänomen“ nennt es Dieter Semmelmann. Mehr und mehr steht das Werk selbst im Vordergrund. Der klassische Rock scheint, ähnlich der Klassik, auf ein Dasein als Bühnenstück zuzusteuern. „Nur so kann die Musik weiterleben“, sagt Glanzer. „Warum werden heute noch Mozart oder Wagner hochgejubelt, obwohl sie schon Jahrhunderte tot sind? In Bayreuth finden jedes Jahr die Festspiele statt, das ist nichts anderes. Die Musik wird gefeiert, nur die Musiker von damals sind nicht dabei.“ Für Winfried Völklein sind die Musiker von „The Musical Box“ gar „die Berliner Philharmoniker der Rockmusik“. Phil Collins soll gesagt haben: „Sie sind besser als das Original, aber wir haben die Musik geschrieben.“ Und was sagen die anderen Originale? Sie freuen sich über den Eifer des Nachwuchses. „Roger Waters hat sich die Floyd-Show auch angesehen, und er steht komplett dahinter“, weiß Petra Huber. An David Gilmours Fünfzigstem wurde den gelehrigen Schülern aus Down Under eine besondere Ehre zuteil: Auf persönliche Einladung spielten „The Australian Pink Floyd Show“ bei der Geburtstagsparty des Meisters. Phil Collins wiederum war bei einem Konzert in Genf gemeinsam mit „The Musical Box“ auf der Bühne zu sehen. Es sieht also tatsächlich so aus, als bemühten sich die Originale um eine öffentliche Verbindung zu den Erben. Und es sind wohl nicht zuletzt pekuniäre Erwägungen, die Altstars zu solch jovialem Schulterklopfen veranlassen. Denn die Nachfrage nach den alten Platten wird durch die neuen Interpreten mehr als frisch gehalten, und auch der Tantiemensegen, den die Cover-Konzerte abwerfen, ist durchaus attraktiv für die Altvorderen. Winfried Völklein rechnet für seine „Musical Box“ zusammen: „Wenn wir die letzen zwei Jahre weltweit betrachten, dann werden die Original-Genesis sicherlich mit einer siebenstelligen Summe an Tantiemen partizipieren. Dafür, dass sie selbst nichts tun müssen, ist das doch kein schlechtes Ergebnis.“ Nachgefragt bei Steve Mac, „Australian Pink Floyd Show“: „Wir haben den Erfolg verdient“ München (dede) – Die „Australian Pink Floyd Show“ füllt längst nicht mehr nur auf dem roten Kontinent die Konzertsäle. Die Musiker von „Aussiefloyd“ lassen die klassischen Shows ihrer Vorbilder wieder aufleben. Abgesehen von einem nicht gerade winzigen Detail: Die Rolle des überlebensgroßen aufgeblasenen Floyd-Ebers übernimmt bei den Antipoden ein riesiges rosa Känguru. MusikWoche: Warum gründet man eine Tribute-Band? Steve Mac: In Australien hatten wir nur sehr selten Gelegenheit, unsere Lieblingsgruppen einmal auf der Bühne zu sehen, also haben wir uns mit Tribute-Bands beholfen. Ich glaube, die Tribute-Bands füllen eine Lücke, die von der Industrie nicht mehr geschlossen wird. Ein großer Teil der Musikhörer ist ganz einfach unzufrieden mit deren Angebot. MW: Fühlt man sich als Tribute- Band im Wettstreit mit der Originalvorlage? Mac: Eine gute Frage, wirklich. Ich liebe zum Beispiel Pink-Floyd- Bootlegs und lerne sehr viele davon. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich die künstlerischen Höhen und Tiefen dieser Band kenne. Ich versuche, mich auf die Höhepunkte zu konzentrieren. Ich würde nicht sagen, dass es ein Wettstreit mit dem Original ist. Vielmehr versuchen wir, uns in die Originalmusik so hineinzuversetzen, dass wir deren Magie und Stimmung teilen und transportieren können. Die Fans sind zum Teil recht fanatisch, was die Messlatte noch höher ansetzt. Gerade die deutschen Fans verfolgen unsere Auftritte Ton für Ton. MW: Sehen Sie sich manchmal angesichts solch hoher Erwartungen überfordert? Mac: Beinahe. Es ist ein hartes Brot vor allem deshalb, weil wir selbst Fans der Band und daher extrem selbstkritisch sind. Wir nehmen uns sehr viel Zeit und achten auch auf das kleinste Detail, um eine gute Interpretation zu erreichen. Letztlich ist das eine Leidenschaft. MW: Wie sieht es mit der eigenen musikalischen Leidenschaft aus, wo bleibt die Kreativität? Mac: Ich denke, jeder Musiker, der ein echter Pink-Floyd-Fan ist, möchte am kreativen Prozess teilhaben. Ich hatte ursprünglich vor, eine eigene Karriere als Musiker zu verfolgen. Ich hoffe immer noch, dass das eines Tages gelingt, doch inzwischen sind die Australian Pink Floyd so erfolgreich geworden, dass kaum noch Zeit dafür bleibt. MW: Cover-Bands waren einmal etwas für kleine Bierkneipen. Leben Sie gut von Ihrem Job? Mac: Ich bin in der glücklichen Lage, rundheraus mit Ja antworten zu können. Gerade die letzten Jahre waren ungeheuer erfolgreich. Davor steckten wir freilich andauernd in finanziellen Schwierigkeiten; es war eine lange, harte Zeit der Prüfungen. Wir sind auf unzähligen Bühnen gestanden und haben uns für ein paar Pfennige die Finger wund gespielt. Aber wir sind dabei geblieben und haben nicht aufgegeben. Ich finde, wir haben den Erfolg verdient. Ich bin jetzt 16 Jahre dabei, aber ich würde alles noch einmal so machen, wenn ich die Wahl hätte. MW: Was sagt Roger Waters zu Ihrem Känguru? Mac: Wir müssen davon ausgehen, dass er Verständnis für unsere Art von Humor hat. Zumindest sind wir bisher noch nicht verklagt worden … Segelt seit 16 Jahren unter Pink-Floyd-Flagge: Steve Mac der autor Henning Dedekind ist als freier Journalist, Musiker und Übersetzer seit 1996 in Stuttgart tätig. Als Gitarrist, Sänger und Songschreiber veröffentlichte er seit 1985 mit der Gruppe Willy And The Whankers drei Alben bei Blue Flame; eine CD seiner Band Salon Doris ist im Mai 2003 erschienen. Mit „Abba Mania“ dabei: Dieter Semmelmann von Semmel Concerts

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