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MusikWoche-Dossier: Pro & Contra DRM

Wer seine Musik im Internet verkauft, überlässt es entweder der Aufrichtigkeit seiner Kunden, wie sorgfältig sie mit den erworbenen Dateien umgehen, oder setzt technologische Schutzmaßnahmen ein. Bei den großen Rechteinhabern geht im Downloadgeschäft ohne Digital Rights Management (DRM) nichts mehr. Doch das Fehlen eines Standards macht Kunden und Händlern das Leben schwer. Steht sich die Branche womöglich selbst im Weg?

pro & contra drm.dossier Die markthemmende Wirkung von inkompatiblen DRM-Systemen Benzin oder Diesel? München – Wer seine Musik im Internet verkauft, überlässt es entweder der Aufrichtigkeit seiner Kunden, wie sorgfältig sie mit den erworbenen Dateien umgehen, oder setzt technologische Schutzmaßnahmen ein. Bei den großen Rechteinhabern geht im Downloadgeschäft ohne Digital Rights Management (DRM) nichts mehr. Doch das Fehlen eines Standards macht Kunden und Händlern das Leben schwer. Steht sich die Branche womöglich selbst im Weg? Digital Rights Management schützt zwar vor Urheberrechtsmissbrauch, allerdings behindert es auch ein zügigeres Wachstum des jungen Marktes, ohne die Nutzung von P2P-Plattformen zu behindern. „Es ist verheerend, wenn ein Kunde sich einen iPod kauft und anschließend feststellt, dass er seine bei Musicload gekauften Titel nicht darauf abspielen kann“, findet Stefan Weikert, Geschäftsführer von edelNET und Vorsitzender des Arbeitskreises New Media im Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft. Er bringt damit ein bislang ungelöstes Dilemma auf den Punkt. Apple verkauft Downloads in dreistelliger Millionenhöhe und schürt damit hauptsächlich die Nachfrage nach iPods. Im Windschatten des Marktführers versuchen andere Anbieter, zumeist mit Hilfe von Microsoft- Technologie, aufzuholen und ihr Geschäftsmodell erfolgreich umzusetzen. Doch in Bezug auf Kundenfreundlichkeit lässt das Digitalgeschäft weiter zu wünschen übrig: Apples DRM FairPlay funktioniert außerhalb von iTunes und iPod nicht – Microsofts DRM Janus lässt nur die Verwendung von Windows Media 10 und der dazu passenden Geräte zu. Weikert plädiert deshalb für mehr Offenheit im Wettbewerb zwischen den iTunes- und Windows-Media-Lagern und klagt an die Adresse von Apple: „Die Entwicklung auf dem Markt für digitale Musik gerät ins Stocken, weil Apple sich weigert, den iPod für andere Formate, wie etwa den Windows Media Player, zu öffnen.“ Balance zwischen Alles und Nichts Das Problem ist nicht neu, doch jetzt, wo digitaler Vertrieb und Verkauf von Musik langsam den Kinderschuhen entwachsen sind, scheint eine Lösung immer dringlicher erforderlich. Und dass es sich dabei nicht nur um Partikularinteressen der Musikwirtschaft handelt, zeigt die Tatsache, dass sich auch politische Vereinigungen wie EU oder OECD dieses Themas annehmen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung empfiehlt den Gesetzgebern ihrer 30 Mitgliedsstaaten zum Beispiel, einen Ausgleich zwischen den Wünschen der Konsumenten und den Interessen der Rechteinhaber zu schaffen. Es gilt also, die fast unmögliche Balance zwischen Alles und Nichts herbeizuführen: Kunden wollen mit erworbenen Dateien alles machen, was ihnen beliebt – Rechteinhabern wäre es am liebsten, sie machten außer Anhören nichts mit den Downloads. Nach Ansicht der OECD darf dieser Interessenausgleich jedoch keine Benachteiligung innovativer E-Business- Modelle und neuer Technologien mit sich bringen. Und die Konsumenten darf er in der freien Auswahl verschiedener Downloadangebote auch nicht einschränken. Sollte die Industrie weiterhin auf konkurrierende DRM-Lösungen setzen, sei mit einem gebremsten Wachstum im Onlinemusikmarkt zu rechnen. Doch genau das ist derzeit die Krux: Die unterschiedlichen proprietären DRM-Systeme verhindern den Wechsel von einer Technologieplattform zur anderen und behindern somit die Marktentwicklung. Die beteiligten Unternehmen müssten daher mehr Experimentierfreude und Mut zu neuen Kooperationen an den Tag legen, findet die OECD. In zwei Jahren wird die Sache akut Bei Betrachtung der Verkaufszahlen im Downloadgeschäft lässt sich allerdings ein stetes Wachstum bei allen Anbietern feststellen. Gibt es denn überhaupt ein Problem? „Natürlich haben wir im Moment steigende Zahlen, aber das kann doch nicht heißen, dass wir uns jetzt zufrieden zurücklehnen und davon ausgehen, dass das Downloadgeschäft endgültig etabliert ist“, verteidigt Weikert seine Position. Man müsse auch etwas dafür tun, dass der Markt „in der Breite durchgesetzt wird“. Die Branche befinde sich noch in einer Phase, in der viele Kunden zum ersten 3 10 36/2005 dossier.pro & contra drm Mal digitale Musik nutzen. „Daher geht es gerade jetzt darum, Frustrationen bei Neukunden zu verhindern – und vor allem die möglicherweise folgende Konsequenz, auf illegale Angebote auszuweichen. Wenn die Musikindustrie es schon nicht geschafft hat, dieses Geschäft in ihrem Sinne zu gestalten, so muss sie zumindest versuchen, auf die weitere Marktentwicklung Einfluss zu nehmen.“ Ähnliche Ansichten vertritt auch Ralph Pighin, Director Digital Distribution and Development bei EMI Music: „Solange der Markt weiter dadurch expandiert, dass zusätzliche Konsumenten für den kommerziellen Download gewonnen werden, wirkt sich das Problem noch nicht unmittelbar aus. Erst wenn die Konsumenten die Abspielgeräte wechseln wollen, werden die Inkompatibilitäten akut – und das tritt wohl für die Gruppe der Early Adopter erst in ein bis zwei Jahren ein, für die Masse entsprechend später.“ Dieses Zweijahresfenster gilt auch bei den Downloadverkäufern als Richtlinie. Vorher werde sich an dem Formatdualismus nichts ändern, erklärte William Pence, Chief Technology Officer bei Napster, vor kurzem im Rahmen eines DRM-Kongresses in New York. Doch dieser Zeitraum könnte entscheidend sein für die Zukunft des digitalen Mediengeschäfts. Viele Nutzer von digitaler Musik meiden kommerzielle Angebote noch immer, weil sie sich nicht auf ein DRM mit eingeschränkter Nutzbarkeit einlassen wollen. Die Folge: weiterhin steigende Nutzerzahlen in P2PNetzen. Somit entsteht eine für die Branche groteske Situation. Während DRM verhindern soll, dass Kunden legaler Dienste gekaufte Songfiles im Internet weiterverbreiten, hält es die User illegaler Musikquellen davon ab, lizenzierte Angebote zu nutzen. Und gleichzeitig verzeichnen Filesharing-Systeme wie eDonkey, Gnutella oder FastTrack neue Rekordwerte bei den Nutzerzahlen. Wer weiß schon, was DRM bedeutet? Diesen Zusammenhang greift auch die Studie „Digital Music Usage and DRM“ der Marktforschungsfirma Berlecon Research auf. Die Musikbranche sollte sich nicht so stark auf die Verfolgung illegaler Downloader und den Einsatz allzu restriktiver DRMs konzentrieren, findet Nicole Dufft, Senior Analyst bei Berlecon. Im Rahmen des EU-Projekts Indicare, das finanziell von der EU-Kommission unterstützt wird, hat sie zusammen mit ihren Kollegen herausgefunden, dass Onlinekunden nur richtig geködert sein wollen. Viele Internetnutzer, die schon einmal Musik in den diversen Downloadshops gekauft haben, seien dabei oft enttäuscht worden. Dies liege vor allem daran, dass die Kunden nicht hinreichend über DRM und die damit verbundenen Nutzungsbeschränkungen informiert sind. Fast zwei Drittel aller Downloadkunden wüssten nicht, was DRM ist, und ein weiteres Drittel hat nur eine ungefähre Vorstellung davon. „Dieses Informationsdefizit führt häufig zu Problemen“, erläutert Dufft. „Kunden erwarten, dass sie digitale Musik auf CD brennen, tauschen und auf verschiedenen Geräten nutzen können. Sie sind verwirrt und verärgert, wenn technische Systeme sie daran hindern.“ Laut der repräsentativen Umfrage, die Berlecon in Deutschland, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Schweden, Ungarn und den Niederlanden durchführte, legen fast 90 Prozent aller Nutzer Wert darauf, ihre Musikerwerbungen auf verschiedene Abspielgeräte übertragen zu können. Und drei Viertel der Befragten wollen die Files mit Freunden und Familienmitgliedern austauschen können. Allerdings hat fast die Hälfte die Befürchtung, dass heute gekaufte Dateien eventuell in der Zukunft durch Software-Updates oder Geräteneuentwicklungen unbrauchbar werden könnten. Berlecon empfiehlt daher den Anbietern digitaler Musik, ihre Informationspolitik deutlich zu verbessern. „Das ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Zufriedenheit der Kunden zu erhöhen“, so Dufft. Noch fehlt vielen Kunden die Erfahrung Muss die Branche also dem TDI-Fahrer künftig explizit klarmachen, dass er an der Tankstelle kein Normalbenzin tanken kann? „Ja und Nein“, findet Ralph Pighin. „Der Vergleich hinkt. Dem CD-Käufer kann es egal sein, ob er einen Player von Pioneer oder Sony kauft. Bis jetzt hat der Tonträger das Abspielgerät entschieden. Das ist für den Konsumenten einfach nachzuvollziehen, wenn sich die Tonträger optisch und haptisch unterscheiden. Bei nichtphysischen Produkten ist das wesentlich komplizierter.“ Eine Kennzeichnungspflicht für inkompatible Downloadformate erwartet auch edelNET-Mann Weikert nicht, dennoch sei es „Pflicht der Musikindustrie, sich mit solchen Problemen auseinander zu setzen“. In der Branche und bei den Technologiepartnern neige man dazu, „als Insider das Know-how der Endkunden zu diesem Thema zu überschätzen“. In Europa ist seiner Ansicht nach erst ein Bruchteil der potenziellen Kontinuierlicher Anstieg: durchschnittliche Zahl von P2P-Nutzern, die weltweit zu jedem beliebigen Zeitpunkt online waren. Die Daten umfassen die Nutzerschaft in den Netzwerken FastTrack, Gnutella, eDonkey und DirectConnect. Onlinezahlen von P2P-Nutzern Quelle: BigChampagne 36/2005 11 pro & contra drm.dossier Kunden erreicht: „Bei den allermeisten Endverbrauchern ist heute maximal eine Ahnung vorhanden, dass es so etwas wie kommerzielle Musikdownloads gibt. Die wenigsten haben schon Erfahrungen damit oder kennen das Formatproblem. Dabei muss ich heute meine Entscheidung, wo und zu welchem Preis ich digitale Musik kaufe, davon abhängig machen, welchen Player ich nutze oder später vielleicht einmal nutzen möchte. Das kann sicher nicht in unserem Sinne sein.“ Ein anderer Vertreter einer deutschen Majorfirma traut den Downloadkunden jedoch mehr zu. Es sei nicht Aufgabe der Musikindustrie, dem Konsumenten zu erklären, wie er Hardware zu benutzen hat. „Ich glaube, damit würden wir den Konsumenten unterschätzen“, so der Fachmann, der in diesem Zusammenhang lieber ungenannt bleiben wollte. Die Branche befände sich in der komfortablen Lage, sich auf keinen Standard festlegen zu müssen und sollte sich statt dessen auf die Produktion spannender Inhalte und auf deren Vermarktung konzentrieren. Diese Inhalte für die unterschiedlichen digitalen Geräte besorgen sich die Fans derzeit ohnehin noch nicht in großem Umfang bei Downloadanbietern. Laut der Berlecon- Umfrage nutzen 69 Prozent der Europäer ihren Computer und 40 Prozent ihren mp3-Player zum Abspielen oder Speichern von Musik. Und dabei ist nicht das Internet die wichtigste Quelle für die Dateien, sondern mit Abstand die CD, von der Nutzer ihre Musik rippen. Erst ein Drittel der europäischen Nutzer von Digitalmusik hat bereits in einem der verfügbaren Onlineshops eingekauft. Zudem bemerkenswert: 64 Prozent derjenigen, die im Internet – ob auf legalem Wege oder nicht – neue Musik entdeckt haben, kauften anschließend eine CD des Künstlers; 16 Prozent kauften noch weitere Downloads vom selben Interpreten. Dieses Ergebnis stelle das oft vorgebrachte Argument der Musikwirtschaft in Frage, wonach die freie Verfügbarkeit der Titel im Netz den Absatzzahlen legaler Angebote schade. „Das sollte Ansporn genug für die Musikindustrie sein, das Auffinden neuer Musik im Internet zu vereinfachen, zum Beispiel, indem sie den legalen Tausch von Musikdateien ermöglicht und Empfehlungssysteme unterstützt“, meint Berlecon-Analystin Dufft. Auch die Vorlieben zur Zahlungsbereitschaft der Konsumenten sind eindeutig: Die Mehrheit der Befragten würde lieber einen Euro für einen Song bezahlen, der uneingeschränkt nutzbar ist, statt 50 Cents für Titel, die sie entweder nur in begrenzter Anzahl kopieren oder nur mit einer Plattform nutzen können. Lieber zweimal ganz genau hinschauen Diese Erkenntnis könnte unter Umständen in ein differenziertes Preismodell im Downloadgeschäft umgemünzt werden: DRM-freie Titel könnten teurer angeboten werden als solche mit digitalem Rechtemanagement. Doch solche Gedankenspiele scheinen derzeit nicht sonderlich populär: „Ich fürchte, das würde das Ganze nur noch komplizierter machen“, meint Stefan Weikert. „Der Kunde will sich keine Gedanken über Formate und DRM machen müssen, sondern er will ein einfaches und funktionierendes System. Musikdownloads werden erst dann ein Massengeschäft, wenn sie einfacher sind als die Programmierung eines Videorekorders.“ Doch bis es soweit ist, müssen die legalen 0 10 20 30 40 50 43,76 21,04 13,41 8,38 7,45 6,70 6,60 5,96 4,66 4,28 2,90 2,20 allof MP3 eMusic Tiscali Music Woolworths HMV Tesco Virgin. net Wanadoo MyCoke- Music MSN Music Napster iTunes Music Store in Breites Angebot: Das britische Fachmagazin „PC Pro“ fragte, in welchen Shops Downloadkunden einkaufen (Mehrfachnennungen möglich) Legale Musikdownloads in UK 0 10 20 30 40 50 60 46 59 50 46 46 44 43 38 53 38 58 49 36 40 + 10 – 39 10 – 19 Altersgruppe Frauen Männer Geschlecht Deutschland Ungarn Niederlande Frankreich Großbritannien Spanien Schweden Länder Gesamt in % Schweden liegt vorn: jugendliche Nordeuropäer laden besonders viel aus dem Netz (in Prozent aller Internetnutzer) Anteil der Heavy User nach Ländern und Alter Fordern mehr Aufklärungsarbeit für Onlinekunden, um Nutzungsbarrieren abzubauen: Ralph Pighin (l.) und Stefan Weikert Quelle: INDICARE/Berlecon Research 2005 Quelle: „PC Pro“ (Großbritannien) monieren. Die meisten Gerätehersteller haben erst eine Handvoll Player im Angebot, die mit der aktuellsten DRM-Version von Microsoft klar kommen. So kommt es, dass der Softwaregigant ein Gütesiegel vergibt. Wenn „PlaysForSure“ auf einem Gerät steht, darf es zumindest im Zusammenspiel mit Windows-Downloads keine Probleme geben. Für Kunden heißt das in der Praxis: Lieber zweimal ganz genau hinschauen – einmal auf den Player, ein zweites Mal auf den Downloadhändler. Für manche könnte aber gerade der verzweifelt wirkende Hinweis „funktioniert ganz bestimmt“ eher ein Indiz dafür sein, dass die propagierte Problemlosigkeit eben nicht selbstverständlich ist. Vom Videorekorder- Ideal sind Teile der Downloadbranche also noch ein ganzes Stück entfernt. Mutter aller Formate hat die Nase vorn Umso weniger erstaunt es, dass P2P-Netzwerke ungeachtet aller Versuche zur Eindämmung ständig mehr Zulauf verzeichnen. Seit Jahresanfang sind zu jedem beliebigen Zeitpunkt immer mindestens acht Millionen Filesharer in den Tauschsystemen aktiv, im Juli waren es nach Messungen von BigChampagne sogar fast 9,5 Millionen. Dem Argument, DRM schütze vor illegaler Verbreitung der Files im Netz, scheint also zunehmend die Luft auszugehen. Neben der Kostenlosigkeit und der unschlagbaren Angebotstiefe ist es auch die Vielfalt der verfügbaren Dateiformate, 12 36/2005 dossier.pro & contra drm die User anlockt. Wo die Rechte der Urheber nicht geachtet werden, ist es auch egal, ob Songs im Format mp3, WMA, AAC oder Ogg Vorbis vorliegen. Doch wenn es um Musikfiles geht, hat die Mutter aller Dateiformate noch immer die Nase vorn. Untersuchungen der Firma CacheLogic zufolge machen auch zehn Jahre nach ihrer Erfindung mp3-Files noch immer fast 65 Prozent aller in den P2P-Netzen „gehandelten“ Dateien aus. Selbst Sony hat seine Geräte vor kurzem auf mp3-Tauglichkeit getrimmt. Hat die Musikbranche womöglich schon seit einem Jahrzehnt die Lösung für den so genannten „Formatkrieg“ fertig vor sich liegen? Spezialanbieter wie der amerikanische Downloadhändler eMusic verkaufen ihre Ware aus- Downloadangebote und die Musikbranche noch einiges an Hausaufgaben erledigen. Denn was helfen das beste DRM und die tollsten Kompatibilitätsversprechen, wenn das Zusammenspiel von Soft- und Hardware nur in der Theorie klappt? Apple mag mit iTunes und iPod in dieser Hinsicht als das leuchtende Beispiel der Branche gelten, doch bei den Mitbewerbern funktionieren die Systeme oft nicht ganz so reibungslos. In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass zum Beispiel Updates bei Musikwiedergabesoftware wie Rhapsody oder Yahoo! Music Unlimited zu Verständigungsproblemen zwischen dem PC und dem Digitalplayer führten. Und selbst wenn die Konsumenten inzwischen die Faustregel „iPod mit iTunes gut, iPod mit dem Rest nicht gut“ verinnerlicht haben, so heißt das im Umkehrschluss längst nicht, dass alle anderen Playertypen nahtlos mit Windows-Media-Systemen har- Verfasserin der Berlecon-Studie: Nicole Dufft 0 20 40 60 80 100 14 8 12 4 5 2 1 28 23 15 13 12 4 2 35 40 24 32 28 14 8 23 29 49 51 56 79 89 nie selten mehrmals pro Monat wöchentlich Abodienste Mobile Musikdienste E-Mail/IM Musikwebsites P2P-Netze CDs von Freunden/Familie Eigene CDs in % Konservative Nutzer: CDs sind noch immer die wichtigste Quelle für Digitalmusik; in Prozent aller Digitalmusiknutzer Aus welchen Quellen beziehen Sie Ihre Digitalmusik? 0 10 20 30 40 50 60 70 80 68 64 50 31 16 Digitalmusik des Künstlers kaufen Konzert besuchen Berichterstattung zum Künstler verfolgen Eine CD des Künstlers kaufen Noch mehr vom gleichen Künstler downloaden in Entwicklungsfähig: Downloads sind eine Chance für Musikmarkt Was machen Sie, nachdem Sie einen neuen Künstler im Internet entdeckt haben? Ich weiß nicht genau, was Copyright bedeutet 14 43 43 Urheberrechte interessieren mich nicht Wichtig/ich respektiere Urheberrechte in Prozent aller Digitalmusiknutzer Wie wichtig ist es für Sie, ob Musik, die Sie digital nutzen, urheberrechtlich geschützt ist? Rechtsbewusstsein der Nutzer schließlich als mp3 – ohne DRM. Monatlich setzt eMusic zwei Millionen Songs ab, doch der rund 700.000 Titel umfassende Katalog enthält nicht einen einzigen Track aus Major-Beständen. Zu groß ist die Angst vor Piraterie. Die Independentlabels, die an eMusic lizenziert haben, hegen da weniger Bedenken und freuen sich über eine Verkaufsplattform, in der sie nicht mit internationalen Superstars um Präsentationsflächen buhlen müssen. Einheitlicher Standard oder Wasserzeichen Was in der gar nicht so kleinen Nische ohne DRM funktioniert, könnte eventuell auch im großen Maßstab ein Ansatz sein. Doch die Widerstände bleiben: „Das Argument liegt im fehlenden DRM. Der zunehmende Diebstahl von Fahrrädern ist auch kein Argument gegen das Anbringen eines Schlosses“, meint Ralph Pighin. Andere wiederum sind der Ansicht, dass es nur dann ein DRM mit einer optimaler Balance aus Restriktionen und Userfreundlichkeit geben wird, wenn die Branche jetzt nicht aus der Entwicklung aussteigt. Niemand würde noch Geld in die DRM-Entwicklung investieren, wenn die Inhalteanbieter plötzlich auf einen DRM-freien Standard setzen – eine Position, der nicht alle Beobachter folgen wollen: „Wenn man tatsächlich daran glaubt, dass es irgendwann ein DRM-Konzept geben kann, das sowohl von der Tonträgerindustrie als auch von der breiten Masse der Kunden als optimal bezeichnet wird, dann ist das natürlich eine Logik, der man sich kaum entziehen kann“, meint BigChampagne-Chef Eric Garland ironisch. Bei den Independents ist die Ablehnung indes schon weniger kategorisch: „Ich bin überzeugt davon, dass wir früher oder später sowieso bei einem einheitlichen Standard landen werden – alle anderen Speichermedien im Entertainmentgeschäft haben sich genauso entwickelt“, argumentiert Stefan Weikert. „Die Verwendung von mp3 als das mit Abstand meistverbreitete Format bietet sich hier natürlich an.“ edel music unterstützt entsprechende Angebote wie zum Beispiel bei Media Online bereits, weil dort bei den mp3-Dateien ein Wasserzeichen verwendet wird, das die Nutzbarkeit des Songfiles nicht einschränkt, ihn jedoch identifizierbar und nachverfolgbar macht. „Die Verwendung von Watermarking und die rechtliche Verfolgung von Missbräuchen muss allerdings gegenüber den Kunden auch entsprechend kommuniziert werden, sonst ist eine solche Technologie nur die Hälfte wert. Das ist wie beim U-Bahn fahren: Nur die Angst vor Kontrollen hält die Leute vom Schwarzfahren ab.“ Doch auch wenn sich Rechteinhaber vereinzelt für den Vertrieb per mp3 entscheiden, ist ein Ende der Inkompatibilitäten vorerst nicht abzusehen. Daher richten sich die Blicke auf Standardisierungskonsortien wie Coral oder die Marlin Joint Development Association. Seit beinahe einem Jahr versuchen diese Interessengemeinschaften aus Hardware- und Software-Unternehmen, ein DRM zu entwickeln, das die Schranken der unterschiedlichen Systeme überwindet. Doch Apple und Microsoft arbeiten an diesem Projekt nicht mit. Ein weiterer Versuch ist das Open-Source-Projekt der Softwareschmiede Sun Microsystems. Mit dem Programm DReaM (Digital Rights Management/ everywhere available) will Sun-Chef Jonathan Schwartz ein offenes System etablieren, das für alle Dateitypen anwendbar ist. Noch fehlt die Unterstützung der relevanten Marktteilnehmer aus dem digitalen Musikgeschäft, doch Sun ist zuversichtlich, dass man Firmen finden wird, die sich nicht länger an DRM-Diktate à la Apple oder Microsoft binden wollen. Am Ende entscheidet diesen Formatkrieg der Konsument. Und wie die Indicare-Studie von Berlecon ergab, will dieser „nicht alles umsonst, sondern einen Gegenwert für sein Geld“. Magnus Lauster 0 10 20 30 40 50 43 31 23 19 15 11 11 25 18 32 23 14 40 + 10 – 39 10 – 19 Altersgruppe Frauen Männer Geschlecht Ungarn Deutschland Frankreich Großbritannien Schweden Niederlande Spanien in % in Prozent aller Internetnutzer Wer und wo sind die regelmäßigen P2P-Nutzer? 0 10 20 30 40 50 60 70 80 42,18 11,21 25,42 1,69 46,77 19,24 68.53 58,61 11,05 69,55 6,06 39,70 Andere Video Audio FastTrack eDonkey Gnutella BitTorrent Andere: Games-Demos, Software, Software-Updates; Angaben in Prozent; Anteile nach Quantität der Files, nicht nach Dateimengen oder -größen Nutzungsvorlieben in den wichtigsten P2P-Systemen Ja, und ich weiß genau, was das ist Ja, und ich weiß in etwa, was das ist Ja, aber ich weiß nicht genau, was das ist Nein in Prozent aller Digitalmusiknutzer Haben Sie schon von Digital Rights Management gehört? Kenntnisstand bei DRM

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