dossier.popkomm 2005 Aufbruchstimmung unterm Funkturm 39/2005 9 popkomm 2005.dossier Popkomm 2005 Aufbruchstimmung unterm Funkturm Die Popkomm 2005 begann mit einem Paukenschlag: Im Rahmen des mehr als einstündigen Redenmarathons zur Messeeröffnung am 14. September nahm der amtierende Wirtschaftsminister Wolfgang Clement das Wort „Mittelstand“ in den Mund – „zum ersten Mal“, wie der GermanSounds- Exportexperte und VUT-Vorstand Peter James später betonte. Für James dürfte es allerdings keine allzu große Überraschung gewesen sein, dass Clement die Bedeutung unabhängiger Unternehmen betonte, schließlich stammten die meisten der von Clement referierten Fakten aus einer Mitgliederbefragung des Indie- Verbands VUT. Es gebe überwiegend positive Signale, sagte Clement: „Selbst von den Tonträgerherstellern, die über die Jahre nur Molltonarten angeschlagen haben – und ich habe die Molltonarten Jahr für Jahr wieder gehört – sind jetzt zarte Klänge der Hoffnung zu vernehmen.“ Allerdings, so mahnte der Minister an, würden sich die Strukturen im Musikgeschäft unter anderem durch die Entwicklungen im Digitalmarkt und im Bereich des Live- Entertainments verändern: Die Wertschöpfungsketten würden „länger und vielfältiger“. Die digitale Revolution entlasse ihre Kinder, und das seien mittelständische Unternehmen, selbstständigere Künstler und mündigere Kunden. „Interessanterweise wird die Entwicklung in Deutschland getragen von jungen Unternehmen“, sagte er. Diese Mittelständler seien es, die Mitarbeiter einstellen, Berlin – Die zweite Musikmesse der Berliner Zeitrechnung zeigte zwei Gesichter: Während die Popkomm-Macher kräftig die Marketingtrommel in eigener Sache rührten und viele Gäste von guten Geschäften berichteten, boten Ausstellungsräume und Kongressbereich noch Platz für mehr. 3 10 39/2005 dossier.popkomm 2005 neue Künstler aufbauen und als Generalisten gut am Markt platziert sind. „Entgegen dem Trend bei den Großen der Branche mit ihren Umzügen, Zusammenlegungen und Entlassungen ist Wachstum und Vielfalt bei den Indies entstanden.“ Hier gebe es optimistische Prognosen sowie den Trend, zu expandieren, sagte Clement. „Aus meiner Sicht ist die Zeit reif für eine Mittelstandsoffensive im Musikbereich. Ich würde eine solche Offensive gern mit organisieren und, wenn Sie wollen, auch initiieren“, ergänzte der Politiker, der drei Tage vor der Wahl sein Herz für Indies entdeckt hatte. Ob diese Zusage das Abschneiden der SPD noch beeinflusst hat, muss dahingestellt bleiben. Ebenfalls muss offen bleiben, ob der Entschluss von Verbändechef Gerd Gebhardt, sein Redemanuskript auf wenige Grußworte zusammenzustreichen, bereits von einer gewissen Amtsmüdigkeit begleitet war. Genug geredet wurde dennoch: Schließlich kamen inklusive Clement und Gebhardt neun verschiedene Sprecher zu Wort, was das traditionelle Messevorspiel zu einer Geduldsprobe für die Zuhörer machte und für zunehmend lichte Reihen im Palais unter dem Funkturm sorgte. Wohin all die Leute verschwanden, blieb zunächst unklar: Großes Gedränge herrschte am Vormittag der Messeeröffnung nirgends. Erste böse Stimmen sprachen bereits von einem Flop, bevor sich die Stände und Gänge ab Mittwochmittag doch noch füllten. Auch am Freitag herrschte Aufbruchsstimmung, allerdings weniger im wirtschaftlichen Sinne denn vielmehr im Hinblick auf die vielen Reisetaschen und die nur luftig gefüllten Gänge. Viele Aussteller und Messebesucher ließen sich davon aber nicht irritieren und berichteten im Gespräch mit MusikWoche von ordentlichen Geschäften und erfolgreichen Meetings. Allerdings gab es auch hier kritische Stimmen. Auf branchenpolitischer Seite setzte der Bundesverband Phono mit seiner Initiative „Freitag ist Musiktag“ ein symbolträchtiges Zeichen, das – so die Hoffnung von Verbands-, Firmen- und Handelsseite – das Musikgeschäft weiter beleben soll. Einen größeren Andrang von Medienvertretern erreichte die Phonowirtschaft mit einer Pressekonferenz unter dem Motto „Deine Stimme gegen Armut“. Hier war Herbert Grönemeyer Garant für einen mächtigen Medienaufmarsch und sorgte so für die vermutlich bestbesuchte Pressekonferenz im Rahmen der Popkomm. Das Kongressprogramm hatte dagegen nur selten einen vollen Saal: In den Räumen jenseits von Messegeschehen und Labelcamp war für Zuhörer immer noch ein Plätzchen frei, und meist nicht nur eines – ein Zustand, den es zumindest an solchen Tagen nicht gibt, an denen sich die Konkurrenz von der Midem den Themenkomplexen Mobile und Digitalgeschäft widmet. Vor diesem Hintergrund dürfte die Entscheidung der Popkomm-Macher richtig sein, im kommenden Jahr einen Tag den mobilen Geschäften zu widmen. Knut Schlinger Dirk Darmstädter, Tapete Records: Die Popkomm macht für uns wegen der Kontaktaufnahme Sinn, die wir vorab mit dem Popkomm-Buch und der Webseite vorbereitet haben. Laufkundschaft gibt es nicht. Das Labelcamp ist super. Leider ist die WLAN-Verbindung mit 150 Euro zu teuer. 20 Euro pro Tag fände ich angemessen. Nächstes Jahr sind wir trotzdem wieder dabei. Michael Hosp, Vorstand kdg Me- diatech AG: Die Atmosphäre ist toll, sehr lebendig. Wir haben gute Geschäfte gemacht. Jetzt ist es eine Messe, das letzte Jahr war dagegen ein Trauerspiel. Allerdings hätte ich gern die Konzerte etwas näher an der Messe. Wir sind nächstes Jahr definitiv wieder dabei. Schade ist nur, dass man nicht genau weiß, was im Kongressbereich läuft. Mary Vrantsidis, internationale Messekoordinatorin des kanadi- schen Branchenverbands Cirpa: Die Messe ist sehr gut organisiert. Die Musikindustrie war letztes Jahr nicht so begeistert, aber das Popkomm-Management war offen für Änderungswünsche. Die Lounge- Area finde ich beispielsweise großartig. Schwierig ist es, Konzertorte außerhalb der Kulturbrauerei zu finden. Auch der Katalog ist schwer zu lesen. Die Zugangsregelung mit den Bändern ist zu kompliziert. Die Popkomm 2005 aus Sicht der Teilnehmer Berlin (jög/ks) – Zur Halbzeit der aktuellen Onlineumfrage von MusikWoche ist die Stimmung gespalten, die Branche steuert auf ein Popkomm-Patt zu: Jeder zweite Umfrageteilnehmer fühlte sich auf der Messe gut aufgehoben, schloss Geschäfte ab oder verfolgte zumindest interessiert das Konzertprogramm. Aber auch die Fraktion der Unzufriedenen ist stark: Ebenfalls rund 50 Prozent machten bis zum 21. September gegen Mittag ihrem Unmut Luft, gut die Hälfte von ihnen stellt gar eine erneute Teilnahme an der Messe in Frage. MusikWoche fragte Messebesucher nach ihrem Fazit. Neue Ideen für „Freitag ist Musiktag“ Berlin (ks) – Im Rahmen der Popkomm läutete die Branche die Charts-Umstellung unter dem Motto „Freitag ist Musiktag“ ein. „In Zukunft werden die Musikfans den Freitag kaum noch erwarten können: An diesem Tag werden Neuerscheinungen im Laden stehen“, erklärte Verbändechef Gerd Gebhardt. Außerdem erscheinen auch die neuen Charts am Freitag. Der Starttermin für die Neuerscheinungen ist der 23. September. „Die neuen Charts werden dann erstmals am 7. Oktober veröffentlicht“, kündigte MediaControl-Geschäftsführerin Ulrike Altig an. Der Rhythmus der Charts-Erhebung werde entsprechend vorgezogen. „Der Handel begrüßt diese Maßnahmen ausdrücklich“, betont HAMM-Mitglied Frank Pagenkemper. Gerade der Versandhandel profitiere vom neuen Musiktag. „Ein Trailer, der an jeden TV-Spot für Musikwerbung angehängt werden kann, ist das Herz unserer Kampagne“, sagte Alexander Maurus, Vorsitzender des Charts- und Marketingausschusses des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft. Auf die Nachfrage, ob auch im Bereich Live-Entertainment eine Umstellung denkbar sei, betonte Maurus, dass man auf jeden Fall für eine Zusammenarbeit offen sei und vorgezogene Ticketverkaufstarts befürworte. Kündigten den Musiktag gemeinsam an (v.l.n.r.): Alexander Maurus, Ulrike Altig, Gerd Gebhardt und Frank Pagenkemper 39/2005 11 popkomm 2005.dossier Nachgefragt bei Popkomm-Geschäftsführer Ralf Kleinhenz „Brasilien ist ein Glücksfall“ Berlin (jög) – Die Popkomm 2005 ist Geschichte. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert Ralf Kleinhenz, Geschäftsführer der Popkomm GmbH, den Stellenwert der Messe. MusikWoche: Waren Sie wirklich ausgebucht? Ralf Kleinhenz: Wir haben die Fläche des Labelcamps verdoppelt. Noch größer soll es nicht werden. Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir zusätzliche Flächen frei gemacht. Die Hallen waren voll. MW: Das Partnerland 2006 steht bereits fest. Wie beurteilen Sie Brasilien als Popkomm- Partner? Kleinhenz: Brasilien ist wirklich ein Glücksfall für uns. Für die Brasilianer ist es ganz wichtig, der Welt neben ihren Fußballern auch ihre Künstler zu präsentieren. Hinzu kommt, dass Kulturminister Gilberto Gil selbst ein weltberühmter Musiker ist. Das wird eine Riesensache. MW: Sie wollen im nächsten Jahr zudem einen Tag für Mobile Music reservieren. Gibt es schon Pläne dafür? Kleinhenz: Wir haben festgestellt, dass Mobile Music das zentrale Thema der nächsten Jahre sein wird. Der Bereich ist aus der akademischen Phase herausgetreten. Viele Handys sind heute mobile Jukeboxen. In den nächsten Wochen werden die Details zum Auftritt von Mobile Music auf der Popkomm 2006 geklärt. Auf jeden Fall wird dieser Bereich ein thematischer Schwerpunkt der Messe werden. MW: Planen Sie auch Änderungen im Kongressbereich? Kleinhenz: Nach meinen ersten Eindrücken glaube ich, dass die räumliche und quantitative Konzentration der richtige Weg ist. Sie ist von den Besuchern sehr gut angenommen worden. Diese Größenordnung werden wir beibehalten. MW: Eine der Neuerungen 2005 war der Klassik-Fokus – hat der Zuspruch hier Ihre Erwartungen erfüllt? Kleinhenz: Uns war klar, dass dies nur ein erster Schritt sein kann. Ich denke, darauf können wir aufbauen. Um es endgültig beurteilen zu können, müssen wir noch die Rückmeldungen der Aussteller abwarten. MW: Wäre es nicht besser gewesen, noch ein paar große Namen im Festivalprogramm zu präsentieren? Kleinhenz: Das ist immer ein Balanceakt. Natürlich wäre es für das allgemeine Medieninteresse gut, noch ein, zwei Kracher dabei zu haben. Der Glamoureffekt ist nun mal nicht zu unterschätzen. Auf der anderen Seite sind wir eine Arbeitsmesse, und es ist der massive Wunsch der Aussteller, Neues zu entdecken. Im Übrigen waren die Clubs und unser Festival- Center in der Kulturbrauerei durchgängig voll. Wahrscheinlich war es die letzte Gelegenheit, jemanden wie James Blunt in so einem intimen Rahmen spielen zu sehen. MW: Waren Sie mit dem Medieninteresse generell zufrieden? Kleinhenz: Wir haben keinen Grund, uns zu beschweren. Die Mappen mit Clippings sind voll. Wir haben es sogar wiederholt in den Wirtschaftsteil großer Zeitungen geschafft. Kritische Stimmen des Vorjahres sind fast gänzlich verstummt. … ausführliche Informationen finden Sie unter www.mediabiz-jobs.de wir bieten mehr sucht Junior Produktmanager (m/w) Anzeige Martin Talbot, „Mu- sic Week“: Ich bin positiv überrascht. Ich war seit vier Jahren nicht mehr auf der Popkomm und habe viel Schlechtes gehört. Die Atmosphäre und das Gebäude gefallen mir gut. Auf den Panels waren interessante Leute. Ich habe von Vielen gehört, dass sie zuerst nur Tagespässe hatten und dann verlängert haben. Der britische Stand war zeitweise so voll, dass man kaum hineinkam. Problematisch sind allerdings die weiten Wege zu den Panels – da sind wir wohl von kleineren Messen etwas verwöhnt. Die Popkomm ist zurück. Wolfgang Petters, Hausmusik: Wir haben die Möglichkeit, unsere Geschäftspartner und Vertriebe auch einmal in einer größeren Runde zu treffen und uns in Ruhe zu unterhalten. Das Labelcamp, das letztes Jahr eine Katastrophe war, bietet dafür die idealen Voraussetzungen. Wichtiger ist für uns allerdings die Midem, weil mehr Partner aus Japan und den USA dort sind. Wir sind nächstes Jahr aber wieder dabei. Urs Zumbühl, CEO Digital World AG: Die Preise sind gut. Die Messe ist fair, sauber, freundlich, deutsch. Nicht so aufgeblasen wie die Midem. Allerdings sieht man kaum noch Musikschaffende. Es ist mehr eine Hightech-Messe. Wir sind hier nur zum Testen, haben aber drei Geschäftsabschlüsse gemacht. Und nächstes Jahr wollen wir wahrscheinlich einen viermal so großen Stand. Planen die Popkomm 2006: Kleinhenz (l.), Messe-Direktorin Katja Bittner und Brasiliens Vertreter Erlon José Paschoal 12 39/2005 dossier.popkomm 2005 Diskussionen über Trends des digitalen Musikgeschäfts Aufwärtskurve mit Knick Berlin – Das diesjährige Konferenzprogramm der Popkomm stand mit Panels zu mobilen Downloads und Abomodellen im Zeichen der digitalen Revolution. Erstmals mischten sich jedoch auch kritische Stimmen in die Diskussion. „Es gibt keine Garantie, dass der Full- Track-Download im Mobile-Bereich ein Geschäft wird“, warnte James Kyllo, General Manager der britischen Firma AIM-Digital, in der Runde „3M Drives 3G? The Mobile Music Market As Motor To UMTS?“ am ersten Popkomm-Tag. Dagegen legte Sascha Lazimbat, Geschäftsführer Zebralution, Optimismus an den Tag. Denn obwohl erst sehr wenige Menschen ein so genanntes 3G-Handy hätten, seien die Verkaufszahlen „schon erstaunlich gut“. Zufrieden zeigte sich auch David P. Williams von Nokia Multimedia, weil die neuen Handys eine Speicherkapazität für 3000 Songs hätten. „Damit ist endlich die Qualität erreicht, mit der Musikhören über das Handy Spaß macht“. Zuversicht verbreitete auch Brad Duea, General Manager Napster Europe, in Bezug auf die Verbreitung von musikfähigen Handys, deren Anzahl er bis Ende des Jahres auf weltweit 70 Millionen schätzte. Skeptisch blieb indes Stefan Schulz, Managing Director Universal Music Mobile. Er merkte an, dass die Aufwärtskurve im mobilen Geschäft im letzten Quartal einen Knick erhalten habe. Zudem würden noch immer 95 Prozent des mobilen Geschäfts mit Klingeltönen erzielt. Zwar wollte er Jamba und Konsorten nicht verurteilen, da sie den Markt wachgerüttelt hätten. Der Kunde sei aber mit „verrückten Abo-Angeboten überfordert“. Dem widersprach Lazimbat, da man die Klingeltonanbieter nicht für Enttäuschungen beim Full-Track-Verkauf verantwortlich machen könne. „Für den Kunden ist es schwer, das zu bekommen, was er haben will“, erwiderte Schulz. Desinformation herrsche bei den deutschen Endverbrauchern auch noch beim Thema Abomodelle im Downloadbereich. „Die Kunden haben die Vorteile der Abomodelle noch nicht verstanden“, urteilte Christoph Bornefeld- Ettmann, Marketing Manager Musicload, auf dem Panel „All You Can Eat – Für wen lohnen sich Abomodelle“. „Die Etablierung derartiger Angebote wird in Deutschland noch ein bis zwei Jahre dauern“, erklärte Bornefeld-Ettmann. Dave Goldberg, Vice President & General Manager Yahoo! Music USA, stellte sich demonstrativ auf die Seite von Abomodellen. „Downloads für 99 Cents waren der falsche Start für den digitalen Musikbereich. Wir glauben an Abomodelle, weil man so die Leute zum Bezahlen bringen könnte.“ So werde in Südkorea bereits mit Abomodellen mehr Geld verdient als mit CD-Verkäufen. Bei der Podiumsdiskussion „Die digitale Marketingherausforderung“ standen die Distributoren von digitaler Musik im Mittelpunkt, die laut Susanne Peter von Musicload vor allem für kleinere Labels wichtig sind. Jörn Geipel Vorkämpfer der digitalen Revolution (v.l.n.r.): Paul Brindley (CEO MusicAlly), Simon Ashcroft (MD Motion Group), Achim Fehlau (MD star4you), Scott Cohen (Vice President Orchard), Susanne Peter und Scott Hughes (Senior Vice President of Marketing Passalong.com) Jean Singellos, Managing Diector der schweizerischen Firma SGG: Die Organisation hat sich seit Köln und dem letzten Jahr enorm verbessert. Für uns ist es grandios gelaufen. Wir haben sehr gute Geschäfte gemacht. Schön wäre es, wenn zwischen den Ständen kurze Konzerte stattfinden würden. Das würde Spaß machen. Überhaupt sind die Konzerte zu weit weg. Auch eine Personalisierung der Ausweise wäre gut. Sho Iwase und Mamoru Fukumitsu vom japa- nischen Unternehmen Rightsscale: Wir haben als Fachbesucher gute Kontakte für unsere Firma bekommen. Im Gegensatz zur Midem ist es hier nicht zu laut, um Geschäfte zu machen. Ich würde vorschlagen, dass jeder Stand eine Mailbox hat, und die Namen auf den Messeausweisen sollten größer geschrieben werden, damit man sie auch lesen kann. Schade ist, dass Asien nicht vertreten ist. Wir wollen versuchen, über die japanische Botschaft einen Stand zu organisieren. Vielleicht kommen wir dann nächstes Jahr wieder. Anna Safary von der Berliner Agentur Mix- tool: Die Eintrittspreise sind mit 145 Euro für ein Tagesticket absolut überteuert. Das drückt die Einstellung der Branche aus, niemanden hineinzulassen. Die Firmen müssten mehr kommunizieren und kooperieren. Ein Übersichtsplan über den Standort der einzelnen Aussteller wäre hilfreich. Positiv fand ich die vielen Sitzgelegenheiten und die gute Versorgung. Hans-Jürgen Ploenes, Bera- ter der spanischen Verwer- tungsgesellschaft SGAE: Am Mittwoch und Donnerstag war es in unserem Stand brüllend voll. Labelmacher hatten zum Teil 20 Termine. Das große Plus der Popkomm ist die Konzertseite: Im Gegensatz zum strengen Ablauf der Midem kann man hier Neues entdecken. Schlecht ist, dass die Journalisten nicht automatisch zu den Konzerten zugelassen sind. Wenn deutsche Journalisten zu den spanischen Konzerten nicht hineinkommen, ist das kontraproduktiv. Inger Dirdal, Managing Director des norwegi- schen Musikexportbüros: Das Schöne an der Popkomm ist, dass sie nicht so stressig ist. Wenn sie sich in diese Richtung weiterentwickelt, wäre das super. Deutschland ist für uns der größte Markt. Wir haben gute Geschäfte gemacht. Die Kulturbrauerei finde ich sehr gut. Leider sind die Distanzen unglaublich groß. Die Popkomm 2005 aus Sicht der Teilnehmer 39/2005 13 popkomm 2005.dossier Celia Gillio, Koordinatorin beim brasilianischen Branchenverband BMA: Mir gefällt es sehr gut. Alles ist wunderbar organisiert. Die Messe ist für brasilianische Musik sehr wichtig. Leider waren aber am dritten Tag kaum noch Leute da. Claudia Kempf, Kommunikation Suisa: Unsere Verlage sind sehr zufrieden. Ihre Geschäfte laufen sehr gut. Wir haben mit 22 Ausstellern so viele wie im Rekordjahr 2000. Ich habe von Vielen gehört, dass sie es besser finden als im Vorjahr. Mich stören aber die vielen Gadgetsucher, die dem Geschäft nichts bringen. Man sollte die Eintrittskarten personalisieren. David Alexander, Vertreter der südafrika- nischen Musikmessemacher Moshito: Die Messe war für uns sehr erfolgreich, und die Südafrika-Nacht war gut besucht. Ich liebe die Kulturbrauerei und habe mich auf die Abschlussveranstaltung im E-Werk gefreut. Leider sind die Hotels so weit weg, und es ist nicht alles so eng zusammen wie auf der Midem. Dafür ist es nicht so hektisch wie in Cannes. Schade ist, dass nicht so viele Amerikaner hier sind. Nächstes Jahr kommen wir auf alle Fälle wieder. Vielleicht werden wir ja Partnerland 2007 oder 2008. Präferenzen für One-Stop-Shop Berlin (jög) – Im Mittelpunkt der Diskussionsrunde „Enter Restart: Die EU und die Verwertungsgesellschaften“ stand die Neuordnung der europäischen Verwertungsgesellschaften. In seiner kurzen Einführung erklärte der Direktor des Erich Pommer Instituts, Oliver Castendyk, den massiven Umsatzrückstand Europas gegenüber den USA im Downloadbereich mit den großen Länderunterschieden und den rechtlichen Barrieren innerhalb Europas mit seinen 25 Verwertungsgesellschaften. So gäbe es zum Beispiel in Frankreich die Möglichkeit, CDs entgeltlich zu leihen, was in Deutschland unbekannt und somit auch nicht verwertungsrechtlich geregelt sei. Als Lösungsmöglichkeit käme nach Ansicht von Jürgen Becker, dem stellvertretenden GEMA-Vorstandsvorsitzenden, der so genannte One-Stop-Shop in Betracht, wie ihn die „Option 2“ der Europäischen Kommission vorsieht (MusikWoche berichtete in Heft 32/2005). „Ein One-Stop-Shop ist absolut notwendig, da ansonsten Chaos ausbricht und nicht klar ist, wer das Geld verteilen soll“, forderte Becker. Im Gegensatz dazu bevorzugte Peter Zombik, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, die Option 3. „Es wird einige große Verwertungsgesellschaften und einige Nischenverwertungsgesellschaften geben“, erklärte Zombik. Zufrieden mit dem US-Modell und „seinen zweieinhalb Verwertungsgesellschaften“ zeigte sich Ralph Peer II, CEO Peermusic. Diese Begeisterung wollte Horst Weidenmüller, Managing Director IMPALA, nicht teilen, da in den USA nur die Shops profitierten, aber viele Kleine ohne Geld blieben. „Für Europa wäre eine One-Stop-Shop- Lösung mit nationalen Niederlassungen am besten. Das wäre zwar ein kompletter Bruch mit dem bisherigen System. Europa ist aber Brüche gewöhnt, wie man an der Währung sieht“, stellte Weidenmüller fest. Unterhielten sich über Zukunftsoptionen (v.l.n.r.): Peter Zombik, Jürgen Becker, Wes Himes (Direktor EDIMA), Rechtsanwalt Johannes Kreile, Ralph Peer II und Horst Weidenmüller 14 39/2005 dossier.popkomm people Ehrung für einen verrückten Frosch: Für den weltweiten Erfolg der Single „Axel F.“ von Crazy Frog erhielten (v.l.n.r.) Henning Reith und Reinhard „Voodoo“ Raith (beide Bass Bumpers), Crazy Frog, Sigfrid Söderberg (Kaktus Film) und Wolfgang Boss (Mach 1) zahlreiche Edelmetall-Auszeichnungen Vertieft sich ins Livepaper von Musik- Woche: EMI-Chef Niel van Hoff Fröhliche musicload- Troika auf der MusikWoche-Couch (v.l.n.r.): Christoph Bornefeld-Ettmann, Susanne Peter und Joachim Franz Bienvenu: GEMASprecher Hans Herwig Geyer begrüßt seine französischen Kolleginnen Sophie Duhamel (SACEM, l.) und Marianne Rollet Vertraten den DMV: Geschäftsführer Heinz Stroh und Birgit Böcher Live (v.l.n.r.): Michael Schacke (Undercover), Jens Michow (idkv), Roland Forster (Forster Künstleragentur), Dirk Wink-Hartmann (Undercover), Dieter Semmelmann, Matthias Baumann (beide Semmel) und Uwe Trefz (ASA) EMI-Team: Vertriebschef Wolfgang Hanebrink (l). und Dirk Ewald Erhoben ihre „Stimme gegen Armut“ in einer viel beachteten Veranstaltung (v.l.n.r.): Verbändechef Gerd Gebhardt, Dr. Ulla Mikota (VENRO) und Herbert Grönemeyer Um eine Nasenlänge: Gerd Gebhardt (IFPI, l.) und Dieter Gorny (MTV) Wie immer eine Bank der Gastfreundschaft und guten Laune: die Austria-Delegation mit (v.l.n.r.) Andy Zahradnik (Media Control Austria), Standorganisator Mario Rossori, Journalist Hannes Hochstöger, Elfriede Rossori (GEMA) sowie Musikfonds-Macher und MusikWoche-Österreichkorrespondent Harry Fuchs 39/2005 15 popkomm people.dossier Das komplette Team von Superstar Recordings feierte den Gold-Erfolg für die Single „The Sound Of San Francisco“ von den Global DeeJays bei McDonalds in der Kantstraße mit einem Superstar-Dinner (v.l.n.r.): Frank Fenslau, Frank Klein, Stefan Dabruck, Markus Tembrink, Katja Dörr, Desiree Rössler, Superstar-Chef Peter Aleksander und die drei Mitglieder der Global DeeJays, Konrad Schreyvogel, Florian Schreyvogel und Mikkel Christensen Vereint (v.l.n.r.): Kurt Thielen (Zebralution), Sebastian Kahlich (RTL Enterprises), Konrad von Löhneysen (MoS) Sicherheit zertifiziert (v.l.n.r.): Wolfgang Geisel und Axel Sparnicht (PhonoNet) mit Reinhard Witzke (DQS) Feierten den Relaunch von musicline (v.l.n.r.): Chris Bornefeld-Ettmann (Musicload), Stefan Betzold (AOL), Bent Stroehmann (Music And Me), musicline-Projektleiter Daniel Müllensiefen und Boris Rogosch (AOL) Berlin (mw) – Das Team der edel music AG um CEO Michael Haentjes veranstaltete auch in diesem Jahr wieder einen Business-Treff im Hyatt Hotel am Potsdamer Platz. Abgerundet wurde das gesellschaftliche Ereignis von einer Unternehmenspräsentation über die Stärken des Unternehmens im Vertriebsbereich. edel music lud zum Branchenbrunch am Potsdamer Platz und alle kamen Beim edel-Brunch erwies sich Michael Haentjes als perfekter Gastgeber (v.l.n.r.): André Selleneit (DEAG Music), Haentjes, Produzent Leslie Mandoki (Red Rock) und Verleger Ulrich Scheele (Entertainment Media Verlag) – zu diesem Zeitpunkt wussten nur wenige, dass sie nicht nur mit dem edel-Chef, sondern auch mit dem Nachfolger von Verbändechef Gerd Gebhardt sprachen Brachte den neuen kleinen iPod nano mit zum Brunch: iTunes-Manager Steffen Meister (r.) mit Achim Harbich (edel records/edel media & entertainment) Kids-Entertainment: Andrea zum Felde (edelkids) und Dirk Schmidt (Super RTL) Bitte lächeln: Kiddinx-Macher Wolfgang Otterstein und edel-CFO Gabi Grube Hyatt-Gäste (v.l.n.r): Sören Janssen (Head of edel media & entertainment), Achim Harbich und Leslie Mandoki Verlagsprofis: Tom Glagow (Global, l.) und Tommy Richter (tj) Zählen inzwischen zu den Brachenurgesteinen: SPVChef Manfred Schütz (l.) und Gastgeber Michael Haentjes (Vorstandsvorsitzender edel music AG) 16 39/2005 dossier.popkomm people Berlin (mw) – Im Haus des Rundfunks direkt gegenüber vom Haupteingang der Popkomm stellte der Hamburger Major Warner Music Group zahlreiche Künstler vor – das Spektrum der Showcases reichte vom aktuellen Topseller James Blunt über die Newcomerin Diane bis hin zu Weltstars wie Madonna, Herbie Hancock und The Corrs live oder zumindest im Gespräch mit Moderator Alan Bangs: „Unsere Bilanz fällt durch die Bank positiv aus“, bestätigt denn auch Bernd Dopp, Chairman & CEO Warner Music G/S/A. „Unser Konzept, die Popkomm als Forum für Künstler- und Albumpräsentationen für Handel und Medien zu nutzen, ist auch in diesem Jahr wieder voll aufgegangen. Die ausgezeichnete Resonanz aus dem Handel belegt dies auf eindrucksvolle Weise.“ Was Dopp da erzählt, das stimmt, meint zum Beispiel Bernd Mai von der Ingolstädter MediaMarkt-Zentrale: „Es war eine geniale Präsentation, die mit Sicherheit maßgeblich zur Umsatzmaximierung unseres Saisongeschäftes mit Warner Music beitragen wird. Davon können sich andere ein Scheibchen abschneiden.“ Auch HAMM-Geschäftsführerin Nina Krogmann lobt die Warner-Aktivitäten: „Die Händlerpräsentation von Warner Music auf der diesjährigen Popkomm war mal wieder State Of The Art. Warner Music versteht es hervorragend, den Handel präzise, umfassend und äußerst unterhaltsam zu informieren.“ Auch MediaMarkt-Manager Bernhard Widmann zeigte sich beeindruckt: „Die Warner-Präsentation für den Handel war für mich wirklich der einzige Grund, zur Popkomm zu fahren. Die Veranstaltung war auch in diesem Jahr wieder sehr informativ und hat vor allen Dingen Spaß gemacht.“ Warner Music nutzte Popkomm erfolgreich als Präsentationsplattform Zeigt sich stolz auf seinen aktuellen Topseller James Blunt (3. v.l.): das hochmotivierte Warner-Team mit (v.l.n.r.) Benedikt Lökes, Manfred Lappe, Blunt, Alexander Maurus, Julia Hendewerk, Bettina Krings, Kerstin Eggert, Bernd Dopp und Thorsten Luth Zwischenstopp beim Messerundgang: Warner-Chef Bernd Dopp (l.) empfängt (v.l.n.r.) Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, MTV-Manager Dieter Gorny und Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit Beim Universal-Empfang (v.l.n.r.): Christian Wolf (Na klar!) und Bernd Hoffmann (Geschäftsführer Text & Töne Musikproduktion), Tom Bohne (UDD), Holger Strecker (RTL Enterprises) und Johannes Cordes (UDD) sowie der Gastgeber, Universal-Chef Frank Briegmann, und Marcus Adam (MTV) Sonopress erhielt Gold für Nightwish (v.l.n.r.): Marius Kopec (Artepublica), Ingo Kleimann (Sonopress) und Sebastian Eckardt (Drakkar) Digitalgipfel am Stand von German Sounds: Anke Fleischer (OD2) mit Oke Göttlich (finetunes, l.) und VUT-Justiziar Stephan Benn Auf der Couch: Monja Bedke (NSL TV) und Händler Willi Wagner (Einklang) Herzlich: Manfred Gillig (MusikWoche), Juanes-Promoter Robert Larasser Modisch: Stefan Friedrich (SF 1, l.) und Volker Putzmann (New Yorker) Lächeln für musicload: Marion Kotterba (Product-PR), Sweelin Heuss (r.) 39/2005 17 popkomm people.dossier Motto: „Sony BMG Wants You“ Kulinarische und kreative Highlights Berlin (gil) – Sony BMG war zwar nicht mit einem Stand auf der Popkomm. Chairman & CEO Maarten Steinkamp nutzte aber dennoch die Gelegenheit, um den Handelspartnern im Rahmen eines exklusiven Dinners im Club- Restaurant „Felix“ einige erlesene Schwerpunkte der Saison vorzustellen. Sängerknabe: Darren Hayes, früher beim Duo Savage Garden, machte den Mund wässrig auf sein neues Soloalbum Hahn im Korb: Helmut Schnittke (Jack White Productions) mit Elke Johannsen (l.) und Brigitte Zibis von der Alpha Tonträger Vertriebsgesellschaft Handelspartner: Manny Schulz (2.v.l.) und André Mühlhausen (2.v.r.), flankiert von Michael Wehlitz (l.) und Michael Belitz (r.) von der Kaufhof Warenhaus AG Bezauberte mit filigranen Songs: Jem Betreuung: Barbara Halm (Sony BMG Sales) mit Frank Mayer (Verlagsgruppe Weltbild) Frisch vermählt: COO Rolf Gilbert, Fitz Braum (Geschäftsführer Four Music) und André Mühlhausen (Senior Vice President Sales) Die neue Soul-Hoffnung am Klavier: John Legend Ehrengast: Four-Music-Künstler Max Herre (M.) mit Tessy Schulz (Director Domestic Berlin) und Philip Ginthoer (BMG Records) Schlagkräftige Truppe (v.l.n.r.): Matthias Lumm (Director Rock/Alternative International), Gaby Bartolomeo (Senior Director Promotion), Mitch Bräu (Director Trade Marketing), Wolfgang Funk (Chairman Gun Label Group), Barbara Steinhagen (Director Columbia/RCA/Zomba), Arno Hartfiel (Gun) Beim Meet & Greet vor dem Dinner (v.l.n.r.): der neue President Germany Edgar Berger, Willy Ehmann (Senior Vice President International), der internationale CEO Andrew Lack, John Legend und Gastgeber Maarten Steinkamp 18 39/2005 dossier.popkomm 2005 Keynote von DJ Bobo beim A&R-Panel der Popkomm „Learning by doing the job“ Berlin (mw) – Zum Abschluss eines in der Regel zu schwach besuchten Popkomm-Kongresses zog der Schweizer Jungunternehmer René Baumann, besser bekannt als DJ Bobo, am Freitagnachmittag noch einmal viel Publikum an. MusikWoche dokumentiert seine Keynote zum A&R-Panel. Mein Name ist René Baumann, auf meinen CDs jedoch steht DJ Bobo. DJ Bobo ist eine starke Marke, die den glorreichen Tagen des Eurodance entsprungen ist und sich in den vergangenen Jahren in vielen Ländern mit einem großen Bekanntheitsgrad etabliert hat – in Deutschland liegt dieser laut GfK-Studie bei 96 Prozent. Meine Karriere habe ich zusammen mit einem guten Jugendfreund, Oliver Imfeld, begonnen, der heute immer noch als Geschäftsführer meiner Firma meine wichtigste Stütze ist. Wir bildeten 1990 ein Team, das heute neun Festangestellte hat. 1993 gingen wir auf Tour, um unsere Platten zu promoten – heute hingegen veröffentliche ich meine CDs, um die Tour und die restlichen Aktivitäten zu promoten! Der Umsatz des „Unternehmens“ DJ Bobo beziehungsweise unsere Wertschöpfungskette stellt sich wie folgt dar: Ich bin der Einladung zum Panel „Managers – Tomorrow’s Majors“ gern gefolgt, denn allein schon der Titel klingt verlockend einfach, und um dieses Thema ranken sich viele abenteuerliche Geschichten. Leicht zu erklären ist die Notwendigkeit eines Managers für Künstler jedweder Größenordnung, wenn man versucht, die verschlungenen Wege der vielen verschiedenen Abteilungen eines internationalen Schallplattenunternehmens zu durchdringen. In diesem Problemfeld definiert sich die Aufgabe des Managements nicht als diejenige, auf Teufel komm raus die Meinung des Künstlers durchzusetzen, sondern als diejenige, in jedem Einzelfall den Weitblick für die Karriere des Künstlers im Auge zu behalten und zu versuchen, am Ende des Tages eine vernünftige Entscheidung für alle Beteiligten umzusetzen. „Learning by doing the job“ sollte auch heute die Devise aller Künstler und Verantwortlichen der Musikindustrie sein. Uns ist es nur durch unermüdlichen Einsatz gelungen, die Marke DJ Bobo auf- und auszubauen. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass es notwendig ist, eine leidenschaftliche Kreativzelle um sich zu haben, die das Ziel nicht aus den Augen verliert. Wie definiert sich dieses Ziel? Mein Ziel als Künstler heißt: Ich habe nur eine Karriere, also pflege ich diese mit größter Sorgfalt und richte alle Entscheidungen langfristig aus! Unser Ziel war vorrangig, gute Arbeit zu leisten, und dies mit Freude. Diese Motivation und Überzeugung, das Richtige zu tun, und das nach bestem Wissen, hat uns zum Erfolg geführt. Künstler, Management und Record Company müssen dieselbe Vision haben, um dauerhaften Erfolg zu erzielen und gemeinsam Gewinne zu machen. Jeder weiß um seine Stärken und muss bereit sein, harte Arbeit zu leisten. Gerade jetzt in dieser schwierigen Marktsituation müssen alle bereit sein, weniger Geld zu verdienen, angesichts eines möglichen Risikos nicht den Mut zu verlieren, Mensch genug sein, um zu wissen, dass Fehler gemacht werden, neue Finanzquellen zu finden und noch mehr zu leisten, damit wir das am Ende doch gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verlieren. Die Gefahr ist, dass man als erfolgreicher Künstler glaubt, man hätte die Weisheit – basierend auf Erfahrung – mit dem Löffel gefressen. Man denkt, man weiß und kann alles besser. Die kontinuierliche Arbeit, das Tägliche, die Abwicklung, die Strukturierung – das muss jemand anderes machen, das kann auch nicht das Management alleine sein. Nach meiner Erfahrung sind die Manager nicht die Majors von morgen, das wäre viel zu einfach, sondern eine unbedingt notwendige und wertvolle Schnittstelle zwischen Künstler und Plattenfirma, Sponsoren, Tourveranstaltern, um den Künstler auch in einem veröffentlichungslosen Zeitraum zu betreuen und mit ihm neue Pläne zu schmieden und Perspektiven zu eröffnen. Mehr denn je sitzen heute Künstler, Manager und Plattenfirma im selben Boot. Denn wenn ein Sturm aufkommt, kann man ihn nur mit gemeinsamer Anstrengung überstehen. Aus dem Manager ist schnell eine Record Company gemacht. Woran soll es liegen, dass dem Manager so viel mehr zugetraut wird als einer Major-Company oder einer Independent-Company? Woher sollen die Manager kommen, die die Labels ablösen wollen? Aber ob Manager, Major, Independent oder Künstler: Tun Sie, was Sie tun, mit Freude und Herz! Sprach aus Erfahrung: René Baumann (DJ Bobo)
MusikWoche-Dossier: Popkomm 2005
Die zweite Musikmesse der Berliner Zeitrechnung zeigte zwei Gesichter: Während die Popkomm-Macher kräftig die Marketingtrommel in eigener Sache rührten und viele Gäste von guten Geschäften berichteten, boten Ausstellungsräume und Kongressbereich noch Platz für mehr.





