8 15/2005 Die ausführliche Würdigung aller Echo-Gewinner und weitere Infos zum Event finden Sie im Echo-Supplement, das diesem Heft beiliegt. Aufbruch zu neuen Ufern beim Deutschen Schallplattenpreis Echte Stars statt Superstars Berlin – Die 14. Echo-Verleihung war eine der besten, so lautet das Fazit vieler altgedienter Echo-Gänger. Das Konzept mit seinem Akzent auf heimischen Künstlern von Rammstein bis Annett Louisan kam bestens an. Und selbst das Estrel Convention Center im Neuköllner Kiez erwies sich als angemessener Rahmen, der Skepsis vieler Echo-Besucher im Vorfeld zum Trotz. 15/2005 9 Glückliche Gewinner aus Rumänien: Das Trio O-Zone erhielt den Echo für die Single des Jahres, „Dragostea Tin Dei“ Foto: Picture-Alliance / dpa 10 15/2005 dossier.echo 2005 „Wir haben keine Superstars mehr, wir haben jetzt echte Stars“ stellte Michael Mittermeier in seiner Laudatio auf die Söhne Mannheims als erfolgreichste Formation aus deutscher Produktion fest. In eine ähnliche Kerbe schlug auch Laudator Oliver Pocher, der das Ende des Castingshow- Wahns mit dem Witz dokumentierte, Preluders und Bro’Sis würden schon hinter der Bühne warten, um aufräumen zu können. Die von Oliver Geissen souverän und von Yvonne Catterfeld noch souveräner moderierte Award-Show ging zum ersten Mal im Estrel Convention Center an der Sonnenallee in Berlin-Neukölln über die Bühne und überzeugte mit einem präzisen und flotten Ablauf. Auf ein geteiltes Echo stieß hingegen die Formation Rammstein: Mit ihrem spektakulären Auftritt als Klone von Rainer Calmund animierten die Musiker einen Teil des Publikums sogar zu Standing Ovations, nur um die Begeisterung sogleich wieder mit allzu knappen Dankesworten zu dämpen. „Danke“, hauchte Sänger Till Lindemann beim ersten Echo in der Kategorie New Rock/Metal/Alternative ins Mikro, mehr nicht. Beim zweiten Echo für den Live-Act des Jahres kam er fast schon ins Plaudern: „Danke, die anderen ziehen sich schon um. Eigentlich wollten wir uns bedanken, aber eigentlich haben wir auch keine Lust.“ Oliver Geissen konterte: „Es ist doch immer wieder schön, wenn man einer Band eine Freude machen kann.“ Weitere herausragende Auftritte kamen von Katie Melua, die nur mit Gitarrenbegleitung für den intimsten Moment der Verleihung sorgte, und von Wir sind Helden. Die Dreifach-Sieger des Vorjahres traten gemeinsam mit Max Raabe und dem Palastorchester auf und spielten eine ungewöhnliche Version ihrer aktuellen Single „Gekommen, um zu bleiben“. Und letztlich hätten sie in diesem Jahr einen Spezial-Echo dafür verdient, dass sie den vielen neuen und guten deutschen Acts einen Markt erschlossen, von dessen Vorhandensein vor drei Jahren noch kaum jemand in der Branche überzeugt schien. Wie schnell jemand ganz klein anfangen und dennoch ganz groß rauskommen kann, zeigt das Beispiel der 152 Zentimeter großen Annett Louisan, die als Künst- Sido nachträglich mit Echo ausgezeichnet Berlin (ks) – Der Berliner Rapper Sido erhielt seine Auszeichnung erst auf der Echo-Aftershow: Der in der nationalen HipHop-Kategorie nominierte Künstler war bei der eigentlichen Verleihung leer ausgegangen, wurde aber anschließend von Thomas D. von den Fantastischen Vier inoffiziell mit dessen Award geehrt: Sido habe sich den HipHop- Echo wirklich verdient, meinte Thomas D. Die Fantastischen Vier hätten dagegen besser in die Pop-Kategorie gepasst, in der mit Gentleman immerhin ein Künstler des Fanta- Labels Four Music ausgezeichnet wurde. Sido und das Team von Aggro Berlin um Geschäftsführer Jens „Spaiche“ Ihlenfeldt sowie der Vertriebspartner Groove Attack um den Geschäftsführer Frank Stratmann akzeptierten die Auszeichnung durch Thomas D. Nahm doch noch einen Echo mit nach Hause: Rapper Sido (M.) mit Jens „Spaiche“ Ihlenfeldt von seinem Label Aggro Berlin (l.) und Frank Stratmann von Groove Attack dpa Man singt wieder deutsch – so lautete am Samstagabend das inoffizielle Motto der 14. Echo-Verleihung in Berlin. Noch nie in der Geschichte des Deutschen Musikpreises standen so viele einheimische Künstler im Rampenlicht. AP Nicht nur die Liste der Preisträger, auch die Show-Acts bei der Verleihung des Musikpreises waren hochkarätig. Nena trat mit ihrer Band und dem Song „Liebe ist“ auf. Marius Müller-Westernhagen stellte seine aktuelle Single „Eins“ vor. Die Söhne Mannheims, die gefeierten Newcomer Silbermond und Annett Louisan sorgten für Gänsehaut unter den 4.000 Zuschauern. Laut.de Oliver Geissen und Yvonne Catterfeld führten nordisch-unterkühlt durch den Abend. Für gewohnt berechenbare Programmuntermalung sorgte Michael Mittermeier mit Witzen aus der Comedy-Ursuppe, und auch die Berufsprovokateure Rammstein ordneten sich letztlich brav in den Konformitätsreigen ein. Bild.de Tja, der Echo 2005, DER deutsche Musik-Oscar, stand – mal abgesehen von großartigem Gedudel – im Zeichen der Liebe! Verschnuffelte, verknutschte, verschmuste Pärchen wählten das Ereignis, um sich erstmals in Germany auf den roten Teppich zu wagen. Spiegel Online Was von der diesjährigen Echo-Verleihung bleibt, ist das Aufatmen über die Kreativität der Branche. Es bleiben auch die skurrilen Momente. Yvonne Catterfeld hetzt zur Show- Bühne, um einer verdatterten Mariah Carey die Hand schütteln zu dürfen. Laudator Götz Otto steht neben Preisträgerin Annett Louisan – baumlang neben wurzelgroß, ein Bild wie aus Zirkus-Tagen. Der Tagesspiegel Echte Freude sah man nicht viel, schon fast abgebrühte Preisträger umso mehr – der 14. Echo-Preisverleihung im Estrel Hotel in Neukölln fehlte trotz ungeheurem Promiaufgebot der nötige Schuss Gefühl. Eine der wenigen Ausnahmen war die Nachwuchsband Silbermond. Presse-Echo 15/2005 11 echo 2005.dossier lerin des Jahres neben ihrem baumlangen Laudator Götz Otto ein unfreiwillig komisches Duo auf der Bühne abgab. Auch sie gehört neben Silbermond und Gentleman zu den neuen Gesichtern beim Echo und steht für die Erfolge junger deutscher Musik. Angesichts solch hervorragender Künstler vermisste niemand in Berlin die ausländischen Preisträger Robbie Williams, Green Day und Eminem, die durch Abwesenheit glänzten. Und Mariah Carey verkörperte mit ihrem Auftritt eher all das, was in den vergangenen Jahren in der Musikbranche aus dem Ruder lief und zum schlechten Ruf beitrug. Dafür kam der menschliche Aspekt der Show in diesem Jahr zum Tragen: So widmete Andrea Berg die Auszeichnung ihrem Produzenten Eugen Römer: „Du machst Musik für die Seele, und deshalb ist dieser Echo für dich.“ Der für sein Lebenswerk ausgezeichnete Textdichter Michael Kunze wies alle Vorwürfe an die Plattenbranche zurück, die manchmal als kalt und unfreundlich beschrieben werde: „Ich habe so viele Jahre in dieser Branche gearbeitet, die man die Haifischbranche nennt, dabei aber keinen einzigen Haifisch getroffen – höchstens ein paar größenwahnsinnige Makrelen.“ Bei der anschließenden Aftershow- Party ging es wegen des Todes von Papst Johannes Paul II.ungewöhnlich leise zu; die Musik lief bloß im Hintergrund. Der Kommunikation war das nur förderlich. Zu Beginn der Preisverleihung hatte Gerd Gebhardt als Vorsitzender der deutschen Phonoverbände das Wort ergriffen: „Früher haben wir immer eine Band spielen lassen, das können wir uns heute nicht mehr leisten“, kommentierte er die Bemühungen eines RTL-Mitarbeiters, das Publikum mit Klatschübungen in Stimmung zu bringen. Gebhardt, der das Jahr 2004 erneut als „ziemlich gut“ bezeichnete, bedankte sich bei Echo-Produzent Werner Kimmig, „ohne den diese Show so nicht mehr machbar wäre.“ Jörn Geipel/Knut Schlinger Der Echo im Spiegel der Branche: Viel Lob, aber auch Kritik Berlin (jög) – Die erste Echo-Verleihung im Berliner Estrel lebte von den Auftritten der vielen nationalen Stars. Das belegt zumindest eine Blitzumfrage von MusikWoche unter zahlreichen Gästen der Award-Show. Allerdings mischen sich auch kritische Stimmen ins Branchenecho. Gerd Gebhardt (Phono-Akademie): Ich bin sehr zufrieden. Ein Super- Event auf einer Super-Bühne. Das wichtigste ist die Show – und die hat funktioniert. Auch im ICC gab es anfangs ein paar Probleme. Markus Wenzel (Universal Music Publishing): Die Verleihung fand ich sehr gut. Am besten haben mir Rammstein gefallen. Die Party- Räumlichkeiten gefallen mir hingegen nicht. Curry-Wurst und Pizza halte ich für die Aftershow- Party für nicht angemessen. Susanne Peter (Musicload): Es war eine tolle Veranstaltung. Ich bin sehr begeistert. Das Estrel-Hotel war eine gute Wahl. Wir sind auch beim nächsten Mal wieder dabei. Holger Strecker (RTL Enterprises): Die Show hatte die richtige Länge. Allerdings hat mir das ICC besser gefallen. Yvonne Catterfeld war sehr gut. Es sollte mehr Kollaborationen wie die von Max Raabe mit Wir sind Helden geben. Peter Grazé (Sanctuary): Die Halle war zu warm und schlecht klimatisiert. Der Weg in die Halle war eine Katastrophe. Bei aller Euphorie fand ich die Veranstaltung ein bisschen zu deutschlastig. Die Party war sehr schön. Peter James (GermanSounds): Die Verleihung war besser als früher. Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden. Positiv waren die hohe deutsche Präsenz und die vielen Auszeichnungen für die Independents. Thorsten „Taucher“ Weßel (Universal Classics & Jazz): Die Verleihung war nicht so glamourös, aber ganz okay. Da könnte man allerdings noch mehr machen. Den Party- Raum fand ich zu klein. Michael Kunze (Echo-Preisträger): Es war eine der besten Echo- Verleihungen, wenn nicht sogar die beste überhaupt. Sie war sehr abwechslungsreich. Mir hat besonders der hohe Anteil deutscher Künstler gefallen. Ein großes Lob gebührt auch Yvonne Catterfeld. Frank Maass (DEAG): Es war der beste Echo aller Zeiten. Keine langen Umbaupausen. Die Bühnenbilder waren fantastisch. Auch das Moderatorenpaar war super. Den Rest kriegt man in den Griff. Wolf D. Gramatke (Great-Minds Consultants): Die Verleihung war super. Tolle Künstler. Allerdings war das Umfeld ein bisschen unkoordiniert. Die Party ist schön. Man trifft die Leute, die man treffen will. Thomas Wolf (Management Sasha): Die Veranstaltung war kompakt und schnell. Es gab eine Vielzahl von geilen Performances. Das Davor und Danach fand ich allerdings katastrophal. Man kam nur sehr langsam rein in die Halle und auch nur sehr langsam raus. Gregor Stöckl (freier A&R-Berater Pirate Records): Die Verleihung war okay, die Party hat allerdings neue Dimensionen nach unten erreicht. Dafür, dass keine Musik gespielt wurde, habe ich kein Verständnis. Jan Pelao (Oja Tunes): Die Verleihung war insgesamt okay. Der Party hat natürlich die Musik gefehlt, sie war aber ansonsten in Ordnung. Jörg Hackelbörger (Universal Strategic Marketing): Die Veranstaltung war besser als im Vorjahr. Es ging alles sehr flüssig und wirkte ausgereift. Im Vorfeld war es aber ein wenig unorganisiert. Die Stimmen zur Echo-Verleihung decken die ganze Bandbreite von guten Noten für die Award-Show bis hin zu Kritik an den Räumlichkeiten im Estrel ab (v.l.n.r.): Susanne Peter, Holger Strecker, Peter Grazé, Thorsten „Taucher“ Weßel, Michael Kunze, Gregor Stöckl und Jörg Hackelbörger 12 15/2005 dossier.echo 2005 Nachrichtenlage machte Quote zur Nebensache Berlin (dis/ks) – Der Tod von Papst Johannes Paul II. war das beherrschende Medienthema am 2. April. Das merkte man auch bei der 14. Echo-Verleihung. Medienpartner RTL unterbrach die Übertragung der Award-Verleihung aus aktuellem Anlass; die Aufzeichnung lief hingegen beinahe programmgemäß weiter. Die Quoten der Echo-Übertragung gerieten vor diesem Hintergrund fast schon zur Nebensächlichkeit: RTL erreichte mit dem Echo durchschnittlich 2,6 Mio. Menschen und eine Quote von 12,1 Prozent. Bei der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen meldet der Sender einen Anteil von 17,4 Prozent. Vor der ersten Unterbrechung der Aufzeichnung hatten noch 3,33 Mio. Zuschauer RTL eingeschaltet, was einem Marktanteil von gut zehn Prozent entspricht. In der werberelevanten Zielgruppe zählte RTL zu diesem Zeitpunkt 2,04 Mio. Interessenten und einen Marktanteil von 16,2 Prozent. Im vergangenen Jahr verfolgten noch 4,07 Mio. Zuschauer die Echo-Übertragung und verhalfen ihr zu einem Marktanteil von 16,5 Prozent. Und in der Zielgruppe der 14 bis 49 Jahre alten Zuschauer lag der Marktanteil im vergangenen Jahr mit 2,66 Mio. Zuschauern bei 24 Prozent. Zufrieden scheint RTL dennoch mit den Quoten der Nachberichterstattung zu sein: Um kurz nach Mitternacht schaltete der Sender zur Aftershow und erreichte damit fast zwei Mio. Zuschauer. Die 1,4 Mio. davon aus der werberelevanten Zielgruppe entsprachen einem Marktanteil von 21 Prozent. Wie viele davon noch auf den Einspieler mit Echo-Preisträger Robbie Williams warteten, ist nicht bekannt. Den hatten die RTL-Verantwortlichen angeblich wegen des Ablebens des Papstes ersatzlos gestrichen: Gerüchten zufolge soll Williams bei der Aufnahme rund zwei Wochen vor der Echo-Verleihung einen Hut getragen haben, der an die Kopfbedeckung kirchlicher Würdenträger erinnerte. Netzeitung.de Die unglaublich schlechte Stimmung des vergangenen Jahres war vergessen, als sich am Samstag in Berlin die deutsche Musikindustrie selbst feierte. Hamburger Abendblatt Trotz weniger Glamour war der Abend jedoch musikalisch abwechslungsreicher als in den Vorjahren, es gab keine technischen Pannen, die sympathische Yvonne Catterfeld überzeugte als Co-Moderatorin von Oliver Geissen. Den stärksten Eindruck hinterließen die vierfachen Vorjahressieger Wir Sind Helden. Zusammen mit Max Raabes Palastorchester spielten sie ihren Song „Gekommen um zu bleiben“ als mitreißende Charleston- Nummer. Berliner Morgenpost Mit großem nationalem und internationalem Staraufgebot wurde gestern Abend in Berlin der „Echo 2005“ verliehen. Als besondere Attraktion fuhr die diesjährige Echo-Show gleich zwei TV-Premieren auf. So spielten die für ihre spektakulären Bühnenauftritte bekannten Polterrocker Rammstein erstmals im Fernsehen. Das Pop-Quartett Wir sind Helden, Gewinner von vier Echos im vergangenen Jahr, war ebenfalls erstmals in ungewohntem Rahmen zu sehen: Ihre Single „Gekommen, um zu bleiben“ führten sie gemeinsam mit dem Max Raabe Palastorchester auf. Weitere Musikeinlagen sollten Nena, Marius Müller-Westernhagen, die Fantastischen Vier, Anastacia und Mariah Carey liefern. Welt Seit der Berlinale hatte die Stadt nicht ein solches Schaulaufen der Stars erlebt. Allen voran Anastacia. Erstmals auf Berliner Boden zeigte sich die US-Sängerin händchenhaltend mit ihrem Berliner Freund, MTV-Moderator Patrice Bouédibéla. Nordoff/Robbins sammelte 200.000 Euro Berlin (mw) – Die Stiftung zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie verbuchte nach ihrem diesjährigen Fundraising- Dinner Spenden in Höhe von 200.000 Euro – im vergangenen Jahr waren es knapp 300.000 Euro gewesen. Die Deutsche Phono-Akademie unterstützte die Arbeit des Instituts für Musiktherapie der Universität Witten/Herdecke mit einem Scheck über 50.000 Euro. Zu den Gästen der Benefizveranstaltung im Magazin der Arena in Berlin zählten Prominente wie Peter Maffay, Katja Ebstein, Eva Padberg und die Scorpions. Auf dem Programm stand unter anderem die Versteigerung eines Kochabends mit Fernsehkoch Tim Mälzer, den sich Mousse T. für 15.000 Euro sicherte. Ein auf der Bühne frisch flambiertes Rindercarpaccio ließ sich Jeanette Biedermann für 5000 Euro schmecken. Zudem brachte eine Nackenmassage von Model Eva Padberg 600 Euro für den guten Zweck ein. Für den musikalischen Teil des Abends zeichneten Orange Blue und Maximilian Hecker verantwortlich. Nach Dinner und Versteigerung feierten die Dinner-Gäste in der „Latenight Lounge“ mit Freunden und Geschäftspartnern weiter. Die Stiftung kündigte als nächste Fundraising-Aktivität eine Coke- Musik-Auktion auf eBay an. Außerdem soll am 19. September am Tegernsee mit dem „music & media cup“ ein Wohltätigkeits- Golfturnier zugunsten von Nordoff/ Robbins stattfinden. Presse-Echo Alle für den guten Zweck beim Nordoff/Robbins-Dinner: Minister of Sound Konrad von Löhneysen (2.v.l.) mit den Warners (v.l.n.r.) Lars Ingwersen, Bernd Dopp, Benedikt Lökes, Sylvine Maas und Markus Friedheim 15/2005 13 echo 2005.dossier Leserbrief an die „Süddeutsche Zeitung“ Wenn schon keine Ahnung, dann wenigstens eine Meinung München – Unter all den Medienreaktionen auf die diesjährige Echo-Verleihung fiel eine negativ aus dem Rahmen: Die „Süddeutsche Zeitung“ leistete sich einen Artikel, der nicht unwidersprochen bleiben darf. Manfred Gillig-Degrave, 55, macht seinem Unmut Luft. artig, inkompetent, beleidigend und nicht einmal witzig oder satirisch. Der Skandal ist, dass die „SZ“ diesen Text kommentarlos abdruckte – und offensichtlich auf redaktionelle Überarbeitung völlig verzichtete. Anastacia ist in Lottmanns Wahrnehmung ein „blutleerer Brüllelefant“, Yvonne Catterfeld hingegen die „einzige authentische junge Person“ (wegen ihrer Augenstellung, wie er schelmisch hinzufügt …), während Thomas Gottschalk laut Lottermann jung geblieben ist „wie 1972“. Ralph Siegel „ist kein schlechter Mann“ (wer wollte da widersprechen), „einer der wenigen über 60, bei denen ich gern einmal Gast beim Abendessen wäre“. Aber ob Siegel diese Aufforderung zur Einladung annimmt, ist fraglich. Denn Lottmann findet an Siegel gut, „dass er ein viel zu junges weibliches Sexualobjekt vor sich herschiebt, sozusagen Hand an die sexuellen Ressourcen des Landes legt, die Jugend beklaut, der alte Schlawiner“. Joachim Lottmann erkennt beim Echo „Industriedreck von alten Säcken“, „fette Hausmeistertypen wie Grönemeyer“, „speckige schwarze Kombinationen wie Blutwürste „Ich hatte Angst vor ihm. Alles spielte auf der Grenzlinie zum Fiktiven, nur Ausgedachten, absichtlich gestört. Alles war gestellt, erfunden, nur erzählt, behauptet, nur zurückgenommen als Lüge. Bei Joachim Lottmann war es das erste Mal, dass ich mir irgendwann dachte: Dieser Mensch ist wirklich böse.“ So schrieb der Schriftsteller Rainald Goetz vor einigen Jahren über seinen Kollegen Lottmann. Ein hartes Urteil. Aber kein Einzelfall. Dabei ist Joachim Lottmann wahrscheinlich nicht wirklich böse, sondern lediglich fehlgeleitet, inkompetent und verwirrt. Und er hat ein Problem mit seinem Alter. Joachim Lottmann, Popliterat im Schatten größerer Figuren, ist nämlich 48. Er hat kürzlich bei Kiepenheuer & Witsch seinen dritten Roman veröffentlicht, der angeblich „Die Jugend von heute“ zum Thema hat und auch so heißt. Da stehen jugendlich frische Sätze drin wie dieser: „Wenn ich jetzt mit ihr zusammenkomme, ist sie in zehn Jahren immer noch gut in Schuss. Zehn Jahre lang Spaß, und sie ist trotzdem erst 25. Von der hat man doch echt was!“ Das Buch, eher langweilig und konfus denn originell, stieß bei der Kritik, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf Ablehnung. Willi Winkler allerdings, Redakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“ und Vordenker einer Sekte, die sich blinde Anbetung von Bob Dylan auf die Fahnen geschrieben hat, war von Lottmanns Jugendstil-Opus ziemlich begeistert. So weit, so uninteressant und eigentlich nicht der Rede wert. Doch Lottmanns Probleme mit dem Älterwerden wachsen sich jetzt zum Problem der „Süddeutschen Zeitung“ aus. Denn was Lottmann als Nachberichterstattung zum Echo in der „SZ“ ablieferte, ist bösin der Pelle“, eine „verkommene Gesellschaft“ und „einen Knilch von mindestens 70, irgendeinen Musikindustrieknecht“, dessen Namen er sich anscheinend nicht merken konnte. Er meint Michael Kunze, der den Echo für sein Lebenswerk erhielt. All das ist sein gutes Recht; wenn schon keine Ahnung, dann wenigstens eine Meinung. Dass er die allerdings im Feuilleton der „SZ“ kundtut, lässt das Schlimmste für den Zustand von deren Redaktion fürchten. Kann es denn sein, dass die Sektierer von der Südkurve der deutschen Musikbranche schmollen, weil Bob Dylan noch keinen Echo abbekommen hat? Könnte es sein, dass sie wie Lottmann ein Problem mit dem Älterwerden haben und deshalb den Draht zur Realität verlieren? Willi Winkler ist 48, wie Lottmann. Beide sind einige Jährchen älter als Wir sind Helden, Silbermond, Annett Louisan, Gentleman und wie sie alle heißen – aber auch älter als Branchenmanager wie Frank Briegmann, Willy Ehmann, Niel van Hoff, Sylvia Kollek, Maarten Steinkamp, Christopher Gersten, Tom Bohne und und und … Wo also liegt das Problem? Sicher nicht bei einer Überalterung des Echo oder der deutschen Musikbranche. Wohl aber bei der „Süddeutschen Zeitung“, deren Feuilleton sowohl in der Literatur- wie in der Musikabteilung von Jahr zu Jahr mehr ins verschnarchte Sektierertum abgleitet. Und der erbärmliche Herr Lottmann? Schwamm drüber: „Buch, Erzähler und Autor sind aufgeblasen, inhaltsleer und nichts sagend – und wahrscheinlich auch noch stolz darauf.“ Das schrieb ein Rezensent über seinen ersten Roman, „Mai, Juni, Juli“, der 1987 erschien. Damals war Lottmann 40, irgendwie noch jung also. Die Jugend von gestern: Erfolgsautor Lottmann auf der Party zu seinem 45. Geburtstag 14 15/2005 dossier.echo people Neues Traumpaar in der Hauptstadt: Schnappi und Schrödi Erhörte sein Rufen: Enie van de Meiklokjes mit Eric Prydz, dem Dance-Sieger für „Call On Me“ Lob für den Laudator: H.P. Baxxter mit Freundin Simone Mostert Edel bei Nordoff/Robbins: Michael Haentjes und Simone Ricart Spitzenteam (v.l.): Maarten Steinkamp, Rolf Schmidt-Holtz und Michael Smellie (alle Sony BMG) Lächeln für musicload: Chefin Susanne Peter mit Anwalt Rüdiger Plegge (l.) und Christian Wolff (Na klar!) Demonstrierten, was Liebe ist: Warner-Act Nena mit ihrem Freund Phillipp Psalm Auch live toll: die mit Platin dekorierte Katie Melua (2.v.l.) mit Mario Mendrzycki (Triple M., l.), Stefan Güntner (Peter Rieger Konzerte) und Mike Batt (r.) Ausgezeichneter Single-Erfolg: Universal-Chef Frank Briegmann (l.) mit Tom Bohne (Managing Director UDD, 2. v.r.) und dem rumänischen Trio O-Zone Tochter Berlins und Sohn Mannheims: Tessy Schulz (Sony BMG) und Xavier Naidoo Gipfeltreffen der Branchenanwälte bei der Echo-Party (v.l.n.r.): Christoph John, Rüdiger Plegge, Jens Schippmann und Frank Brübach Trafen sich beim Branchen- Echo (v.l.n.r.): Content-Aufsichtsrat Udo Lange und Sylvia Kollek (Managing Director Capitol) sowie die Vertriebsprofis Jörg Peter (SPV), Dieter Burchert (EMI Music) und Marcus Friedheim (Warner Music) 15/2005 15 echo people.dossier Den Echo fest im Griff: Jeanette als Siegerin des Video-Awards mit ihren Universal-Chefs Frank Briegmann (r.) und Tom Bohne Versammelte fürs harmonische Gruppenfoto alte und neue Partner: Peter Aleksander (4. v.l., Geschäftsführer Superstar Recordings) mit (v.l.n.r.): Jörg Peter (SPV), Christian Fehlau (Discomania), Oliver Sommer (Produktionsfirma AVA), Markus Friedheim (Warner), Desiree Rössler (Superstar Recordings), Torsten Göbel und Jan Grantz (beide Warner) Fantastisches Team: Four-Music-Chef Fitz Braum (M.) und Michi Beck (Fanta 4, r.) mit ihrem Stylisten Sascha Ausgezeichnetes Lebenswerk: Michael Kunze (l.) mit Gwildis- Berater George Hildebrand Drei Universalisten (v.l.n.r.): Ute Fünfkirchler, Sänger Adel Tawil (Ich + Ich) und Michael Kucharski Echo-Junior: die kleine Joy mit Schnappi- Autorin Iris Gruttmann, Frank Briegmann (Universal, l.) und Comedian Elmar Brandt Feierten auch den Live-Act des Jahres: Gerd Gebhardt (Phonoverband) und Frank Maass (DEAG) Hielten sich mit Wasser frisch (v.l.n.r.): Manfred Lappe (Warner Music), Christopher Gersten (Universal Strategic Marketing) und Walter Gröbchen (monkey.) Feierten die Estrel-Premiere: Peter Zombik (Bundesverband, r.) mit Frau Sabine und Anwalt Martin Schaefer Einmal mit Maske, einmal ohne: Rammstein- Sänger Till Lindemann (l.) mit UDD-Promotionchef Michael Kucharski Party-Helden (v.l.n.r.): Christof Ellinghaus (City Slang), Produzent Patrik Majer, Ben Rodenberg (A.S.S. Concerts) und Judith Holofernes Großzügig (v.l.n.r.): Andy Y., Smudo, Thomas D. und Michi Beck (Fanta 4) hatten ihren HipHop-Echo Sido überreicht
musikwoche-Dossier: Echo 2005 – Echte Stars statt Superstars
Die 14. Echo-Verleihung war eine der besten, so lautete das Fazit vieler altgedienter Echo-Gänger. Das Konzept mit seinem Akzent auf heimischen Künstlern von Rammstein bis Annett Louisan kam bestens an. Und selbst das Estrel Convention Center im Neuköllner Kiez erwies sich als angemessener Rahmen, der Skepsis vieler Echo-Besucher im Vorfeld zum Trotz.





