Recorded & Publishing

musikwoche-Dossier: Digital Rights Management

Das digitale Musikgeschäft bietet beste Zukunftsperspektiven – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Auf diesen Nenner lassen sich zwei Gesprächsrunden zur „Zukunft des Digital Rights Management“ bringen, zu denen Musicload, das Download-Portal von T-Online, eingeladen hatte. Musikwoche dokumentiert die Diskussion der Experten.

dossier.digital rights management 6 10/2005 dossier.digital rights management Downloadgeschäft muss kundenfreundlicher werden Hamburg/München – Das digitale Musikgeschäft bietet beste Zukunftsperspektiven – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Auf diesen Nenner lassen sich zwei Gesprächsrunden zur „Zukunft des Digital Rights Management“ bringen, zu denen Musicload, das Downloadportal von T-Online, eingeladen hatte. Musikwoche dokumentiert die Diskussion der Experten. Ritt auf der digit Foto: Mauritis Images; Montage: musikwoche digital rights management.dossier 10/2005 7 digital rights management.dossier Musicload weiß inzwischen recht genau, was die Kunden wollen. In ihrer einleitenden Keynote zur Expertenrunde über die Zukunft des Digital Rights Management (DRM) wies Susanne Peter, Director Marketing & Sales Musicload, zum Beispiel darauf hin, dass 49 Prozent aller Käufer von Downloadtracks diese auch auf CD brennen wollen. Und dass es den Kunden darauf ankommt, mit den gekauften Dateien möglichst flexibel und ohne Restriktionen umgehen zu können. Aus Kundensicht gilt deshalb: Der Downloadshop muss so nutzerfreundlich wie möglich funktionieren, Interoperabilität dank einheitlicher Datenformate und Kompatibilität der Geräte müssen gewährleistet sein. Aber wie lässt sich das mit den Interessen der Rechteinhaber und Urheber vereinbaren? Zum Beispiel mit Digital Rights Management (DRM). Thorsten Rothmann, Director New Media bei Sony BMG, betonte, dass es aus Sicht der Musikindustrie keine Alternative zu DRM gebe, um digitale Inhalte zu schützen; auch erlaubtes CD-Brennen müsse letztlich mit einem entsprechenden Schutz versehen werden. Dabei müsse das Motto lauten: „So nutzerfreundlich wie möglich, so sicher wie nötig.“ Das beste DRM sei allemal eines, von dem der Kunde überhaupt nichts mitbekomme, so lange er sich an die Spielregeln halte. Dem stimmten letztlich alle Diskussionsteilnehmer zu. Cyrill Glockner, Business Manager Microsoft Deutschland, machte sich zudem für die Interoperabilität verschiedener DRM-Modelle stark und appellierte dabei an die Musikbranche, die Nutzungsrechte zu vereinheitlichen. Außerdem verwies er auf Abomodelle für Musikdownloads als Zukunftschance. Nahezu uneingeschränkte Nutzungsrechte für den User forderte hingegen Tim Renner, Geschäftsführer motor entertainment. Er plädierte dabei für das mp3-Format als Standard. Allerdings räumte er ein, dass man auch Dateien mit DRM erfolgreich vermarkten könne und dies vielleicht auch tun müsse. In diesem Zusammenhang verwies Dr. Matthias Runte (Runte Consulting) auf den Mehrwert legaler Tauschbörsen – P2P mit geschützen Files. Ekkehard Kuhn, Referatsleiter Recht beim Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft, gab zu bedenken, dass die verschiedenen Businessmodelle erst durch den Einsatz von DRM ermöglicht würden. alen Welle 3 8 10/2005 dossier.digital rights management Die Rechteinhaber müssten indes selbst entscheiden, wie sie ihre Musik vermarkten wollen. Einigkeit herrschte schließlich bei der von Musicload ausgerichteten Expertenrunde, als deren Moderator am 22. Februar im Hamburger Hotel Le Royal Meridien musikwoche-Chefredakteur Manfred Gillig-Degrave fungierte, dass der Kunde auch im digitalen Musikhandel König sein muss. Noch wartet er häufig auf seine Krönung – nicht zuletzt wegen der vielen digitalen Endgeräte, die für Verwirrung sorgen, weil sie, wie Susanne Peter anmerkte, nicht mit allen Musikformaten harmonieren. Aber da will Musicload ja bereits zur CeBIT mit einem eigenen Abspielgerät Abhilfe schaffen (siehe Seite 10). Zudem sickerte am Rand der Veranstaltung durch, dass Musicload auf der CeBIT am 11. März auch erstmals eine legale P2P-Anwendung vorstellen werde, um zu zeigen, dass Superdistribution für die Branche eine bahnbrechende Weiterentwicklung sei. Auch auf diese Zukunftschance für das Geschäft mit digitalen Downloads hatten die Experten bereits in der Diskussionrunde hingewiesen. Im Folgenden dokumentiert musikwoche die wichtigsten Statements. Tim Renner: Wenn ich Piraterie bekämpfen will, muss ich immer mindestens so gut sein wie der Pirat. Die Musikindustrie sollte diese Lektion eigentlich gelernt haben. In Thailand, Indien und allen möglichen Schwellenländern muss sie sich noch immer mit physischer Piraterie auseinandersetzen – dort käme sie überhaupt nicht auf die Idee, mit Cassetten oder CDs anzutreten, die schlechter sind als die Piratenware. Erstaunlicherweise ist es in der Welt des Downloads anders: Hier wird es bei legalen Angeboten für den Kunden schwieriger als bei illegalen. Hier wehrt sich der Produzent, der dringend den Händler braucht, dagegen, dass der Händler seine Produkte verkauft – eine historisch absurde Situation, die aus der Angst heraus entstanden ist. Matthias Runte: De facto gibt es zwei Möglichkeiten, sich Musik aus dem Internet zu beschaffen. Da wäre zum einen der legale Weg über Downloadplattformen wie iTunes oder Musicload, zum anderen der über unkontrollierte, illegale Filesharing- Netzwerke. Aber dabei sollten wir gleich mit einem Missverständnis aufräumen – nämlich mit dem, dass ein Filesharing- Netzwerk prinzipiell nicht legal ist. Es ist durchaus möglich, das auf eine legale Stufe zu heben; man kann in Verbindung mit einem DRM-System zu sauberen Lösungen kommen. Wenn wir die Urheberrechte beachten, können wir das Beste aus beiden Welten haben. Mal abgesehen davon, dass es dort Content for free gibt: Filesharing- Netzwerke sind einst deshalb groß geworden, weil sie wirklich eine Community sind. Gerade diese Mechanismen, die zum Erfolg und zur Verbreitung von Filesharing- Netzwerken beigetragen haben, kann man nutzen, wenn man die neuen, legalen Netzwerke verwendet. Das könnte den zentralen Downloadplattformen noch einmal zu neuem Schub verhelfen. Lässt sich das mit DRM koppeln? Absolut. Die legalen Filesharing-Modelle funktionieren sowohl mit DRM als auch ohne. DRM ist überhaupt kein Hindernis, denn P2P ist zunächst einmal nur eine Distributionsform. Ob ich einen per DRM geschützten File von einem zentralen Server runterlade wie bei Musicload, oder ob ich es via P2P tue, das ist für DRM nicht von Belang. Renner: Mit Download haben wir enorme Potenziale. Aber wenn ich höre, dass „DRM-fähig“ noch lange nicht heißt, dass es auch funktioniert, dann finde ich es sehr schwierig für den Kunden, der beim digitalen Kauf eigentlich nur ein Erfolgserlebnis haben will. Der ältere Kunde definiert sich nicht mehr dadurch, dass er sich etwas illegal besorgt – er will eher das Gefühl haben, etwas Vernünftiges gemacht zu haben, sich eben seine Musik, die er liebt, besorgt zu haben. Der Industrie fehlt der Mut zu erkennen: Da draußen sind Leute, die zahlen wollen. Sie werden ja heutzutage schon bedient, und sie wünschen sich so sehr, ehrlich bezahlen zu können, dass sie sich all den Schwierigkeiten beim Japan Deutschland Frankreich Großbritannien Niederlande USA

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