Recorded & Publishing

musikwoche-Dossier: Das war 2004

Das Jahr im Rückblick der Branche – Aufbruchstimmung, heimische Talente und Fusionsfragen

dossier.das war 2004 Umfrage: Das Jahr im Rückblick der Branche Aufbruchstimmung, heimische Talente und Fusionsfragen München (mw) – Lange Zeit herrschte das große Jammern. Doch zum Jahresende macht sich ein Stimmungsumschwung in der Branche bemerkbar. Die musikwoche-Umfrage beweist: Zwar war längst nicht alles golden, aber es ging endlich wieder bergauf. Wenn dann auch noch aufstrebende Newcomer wie Annett Louisan gleich die Herzen vieler Branchenprofis gewinnen, gibt das Anlass zu Hoffnung. rückblick 2004 – die fragen Das wollte musikwoche wissen: 1. Was war im Jahr 2004 das denkwürdigste Ereignis – für die Musikbranche, und für Sie persönlich? 2. Wie hat sich Ihr Geschäft im Vergleich zum Vorjahr entwickelt? 3. Was waren Ihre drei Lieblingsalben des Jahrgangs 2004? Mario Mendrzycki Gründer & geschäftsführender Gesellschafter Triple M Entertainment 1./2. Triple M Entertainment konnte dieses Jahr mit dem Rekordergebnis von 2003 gleichziehen. Dies ist umso bemerkenswerter, da der Casting-Bereich bekanntermaßen in sich zusammenbrach, der für uns bis dato doch ein umsatzträchtiges Segment darstellte. Mit Ausnahme von Schiller haben wir in 2004 fast nur internationale Acts veranstaltet. 3. Maroon 5 – Songs About Jane; Alicia Keys – The Diary Of Alicia Keys; Gavin DeGraw – Chariot/Stripped Dieter Semmelmann Geschäftsführer Semmel Concerts 1. Für die Musikbranche die Erkenntnis, dass deutschsprachige Musik attraktiver denn je ist. Die „neue“ Deutsche Welle läuft! Für mich persönlich: Auch 2004 wurden meine Familie, mein Team und ich von größeren Problemen und Krankheiten verschont – das ist immer wieder ein denkwürdiges Ereignis. 2. Nach dem Rekordjahr 2003 ist unser Geschäft leider etwas rückläufig, aber immer noch sehr positiv. 3. Stefan Gwildis – Neues Spiel James Last – They Call Me Hansi Annett Louisan – Bohème Michael Schuster Geschäftsführer Cargo Records Germany 1. Für die Branche: Der Untergang der EFA Medien als innovative Keimzelle unabhängiger Musikkultur. Für mich persönlich: Wie gut ein Urlaub tun kann. 2. Mit Ausnahme des Vorjahres das fünfte Jahr mit zweistelligem Zuwachs. 3. Epo 555 – Dexter Fox; Sophia – People Are Like Seasons; Flokati – He will Be Dead Heinz Canibol Geschäftsführer 105music.de 1. Die denkwürdigsten Ereignisse im Jahr 2004 waren für mich die beinahe gleichzeitigen Ablösungen der von vielen als unfehlbar angesehenen Kollegen Tim Renner und Thomas M. Stein. 2. Erfreulich positiv. 3. Brian Wilson – Smile U2 – How To Dismantle An Atomic Bomb Annett Louisan – Bohème Jörg Heidemann Geschäftsführer MDM – Mutualism: Distribution & more 1. Das denkwürdigste Ereignis 2004 war sowohl als auch unsere Firmengründung. 2. Es gibt noch keinen Vergleich, aber es läuft sehr gut. 3. Broken Social Scene – You Forgot It In People Telefon Tel Aviv – Map Of What Is Effortless Strassman – Playground 52+53/2004 7 das war 2004.dossier Michael Reinboth CEO Compost Medien 1. Das denkwürdigste Branchenereignis waren für mich die Konkurse von mindestens fünf Vertrieben allein in Europa. 2. Die Verkäufe sind schlechter, bedingt durch Pleiten und auch Stellenabbau draußen, aber dafür herrscht durchaus mehr Qualität allgemein. 3. Plantlife – The Return Of Jack Splash Alex Attias pres. Mustang – Back Home Mylo – Destroy Rock And Roll Georg Roth Vertriebsleiter Q-Vertrieb 1. Für die Branche war es der Durchbruch des Downloadgeschäfts, für meine Firma der Durchbruch im House-Segment mit hochklassigen Labeln und für mich ganz persönlich, meinen Sohn aufwachsen zu sehen. 2. Durch Neuzugänge konnten wir den Umsatz steigern. 3. Alicia Keys – The Diary Of Alicia Keys The Hives – Tyrannosaurus Hives Prince – Musicology Wingolf Mielke CFO/COO DEAG – Deutsche Entertainment AG 1. Für die Tonträgerbranche war sicherlich die Fusion Sony BMG ein wichtiges Ereignis. Für die Mitarbeiter beider Firmen ist es die Tatsache, dass durch die „Synergien“ viele den Arbeitsplatz verlieren werden. Und für die Mitbewerber ist es der Sachverhalt, dass Sony BMG bei dieser Fusion nicht sehr geschickt vorgeht, deshalb längere Zeit mit sich selbst beschäftigt sein wird und sich daraus Chancen für die Mitbewerber ergeben. Für mich selbst war es der Start bei der DEAG Ende Juni. Ich hatte mich im Frühjahr entschlossen, meine Erfahrungen und Kenntnisse nochmal einer Firma zur Verfügung zu stellen. Ich bekam einige Angebote und entschied mich für die DEAG. Live-Entertainment hat mich immer interessiert, und bei der DEAG konnte ich sofort helfen. 2. Die Live-Entertainment-Branche ist stabil auf hohem Niveau und übertrifft dabei die Tonträgerbranche deutlich. Bei der DEAG war 2004 ein Übergangsjahr. Nach dem schwierigen Jahr 2003 und der erfolgreichen Entschuldung und Kapitalerhöhung Ende 2003 galt es in diesem Jahr, die Firma auf das Kerngeschäft zu fokussieren und innerhalb dieses Kerngeschäftes neue Felder zu erschließen. Das ist uns gelungen, wir machen gute Fortschritte und sehen mit Optimismus dem Jahr 2005 entgegen. 3. Ich freue mich über den Erfolg der vielen neuen deutschen Künstler wie Wir sind Helden, Silbermond, Juli, Annett Louisan und anderer. Ein Album, das ich immer noch viel höre, ist „Neues Spiel“ von Stefan Gwildis. Rudy Holzhauer Geschäftsführer Musikverlag Progressive 1. Erstens: Dass wir nur noch vier Majors haben, von denen zwei – also 50 Prozent – von Holländern geleitet werden. Aber die sind wohl die heutigen Verkaufszahlen aus ihrer Heimat schon aus alten Tagen gewohnt. Zweitens: Dass sich die Politik beim Thema Radioquote schneller bewegt als die gebührenfinanzierten Pensionsberechtigten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. 2. In zwei unterschiedliche Richtungen hat sich das Geschäft entwickelt. Im Produktionsbereich aufgrund mangelnder Nachfrage seitens der Plattenfirmen negativ. Im Verlagsbereich durch das Signen neuer Partner mit entsprechenden Chartpositionen positiv. 3. Annett Louisan – Bohème (Liebe Radioleute, es geht also doch, einen Song nur mit Akustikgitarren und Mandoline ins Format zu bekommen!) Michel van Dyke – Bossa Nova (Das immer noch unentdeckte Genie. Radioleute, schämt euch – wie kann man einen Song wie „Herbst“ überhören?) Jet – Get Born (Krachende Gitarren und Party – wunderbar.) Peter Aleksander Geschäftsführer/ Head of A&R Superstar Recordings 1. Das denkwürdigste Ereignis war, dass Dance Anfang des Jahres totgesagt wurde und sämtliche Dance-Abteilungen bei Majors geschlossen wurden, weil Dance ja keine Tonträger mehr verkaufte. Die Ironie an dem Ganzen: Nur wenige Monate später dominieren Dance-Tracks wie von O-Zone, Haiducci, Danzel oder Eric Prydz die oberen Charts- Regionen und verkaufen Hunderttausende von Tonträgern. 2. Im Ausland konnten wir uns zum Vorjahr noch einmal klar steigern. Im Inland konnten wir das Niveau halten. 3. Depeche Mode – Remixes 81-04 Mylo – Destroy Rock And Roll Robbie Williams – Best Of 8 52+53/2004 dossier.das war 2004 Stefan Piendl Senior Vice President & COO Worldwide, BMG Classics 1. Für die Branche war das denkwürdigste Ereignis der Siegeszug des iPod sowie der Merger von Sony Music und BMG. Dass uns in diesem Jahr Carlos Kleiber und Sir Peter Ustinov für immer verlassen haben, hat mich persönlich sehr betroffen gemacht. 2. Dank unseres seit 2003 stark intensivierten Engagements im Klassikbereich, des großen und nicht enden wollenden Erfolgs unserer Rilke-Projekt-Trilogie und unseres Vertriebspartners helikon harmonia mundi liegen wir sowohl deutlich über Vorjahr wie auch besser als die Entwicklung im Klassikmarkt. 3. Nikolaus Harnoncourt und seine Enkel Maximilian und Laya lesen aus Briefen der Mozart-Familie in Verbindung mit den so genannten „Kinder-Sinfonien“ Mozarts, bravourös gespielt vom Concentus Musicus Wien Der großartige Bariton Christian Gerhaher und seine „Dichterliebe“ von Schumann, nicht zuletzt auch wegen der kongenialen Begleitung des Pianisten Gerold Huber „2004 Grammy Nominees“, das Kontrastprogramm für Klassik-Ohren mit Eminem, Outkast & Co. Januar · Tim Renner und Thomas M. Stein sorgen gleich zu Beginn des Jahres für einen Paukenschlag. Wegen Differenzen mit dem internationalen Management des Majors kehrt Renner Universal den Rücken. Kurz danach räumt auch Stein seinen Posten bei BMG: Maarten Steinkamp übernimmt das BMG-Regiment und kündigt an, dass er einen radikalen Sparkurs durchsetzen will. · Auch für Wolfgang Praetz geht eine Ära zu Ende. Nach 13 Jahren bei Universal und der früheren PolyGram sowie fünf Jahren im Dienste der EMI verlässt der Chief Financial Officer die Major-Welt. · Reiner Machauer, Vertriebsleiter bei der Kölner Alive AG, beendet Anfang des Jahres ebenfalls seine Tätigkeit und wechselt später zu den Soundtrack-Spezialisten von Colosseum nach Nürnberg. März · Nach Tim Renners Abschied bei Universal werfen auch einige Weggefährten das Handtuch. Neben Petra Husemann-Renner geht Joachim Kirschstein neue berufliche Wege. Indes sorgt Frank Briegmann für Wirbel. Er wechselt überraschend von BMG in die Chefetage von Universal. · Bei Sony kündigen sich ebenfalls einschneidende Veränderungen an. Bereits im März verlassen Dance-Experte Dirk Dreyer und Epic-Chef Volker Neumüller das Unternehmen. Neumüller kehrt im Sommer mit einem eigenen Label, 313 music, zurück. · Bei EFA Medien gehen 2004 endgültig die Lichter aus. Die beiden Chefs des Indie-Vertriebs, Horst Lewald und Ulrich Vormehr, treten den Weg zum Amtsgericht an und beantragen Insolvenz. Alleine in Hamburg verlieren 100 Mitarbeiter ihren Job. · Noch vor der Übernahme der Viva Media durch Viacom verzeichnet das Kölner Medienunternehmen seine ersten prominenten Abgänge. Die langjährige Unternehmenssprecherin Katrin M. Mehler widmet sich zukünftig neuen Aufgaben. April · Bei EMI absolviert Virgin-Chef Gregor Stöckl seine letzten Arbeitstage. Inzwischen ist er unter anderem als A&R-Berater für das Münchner Label Pirate Records tätig. · Horst Blume scheidet nach drei Jahren als Geschäftsführer von PhonoNet aus dem Unternehmen aus. Für eines seiner Kinder, die Plattform PhonoLine, kommt im Oktober das Aus. · Bei den deutschen Ablegern von V2 records und Ministry Of Sound will man die Kräfte bündeln. Die ausgeschiedenen Mitarbeiter Daniela Leubner, Head Of Promotion, Sibylle Brühn, Production/Special Marketing, Elena Nehrmann, Presse- und Onlinemanagement, Thomas Zimmermann, Finance und Human Resources, und Carsten Schilkowski, Product Management, wollen ihre Fähigkeiten für neue Aufgaben bündeln. rückblick 2004 – die fragen Das wollte musikwoche wissen: 1. Was war im Jahr 2004 das denkwürdigste Ereignis – für die Musikbranche, und für Sie persönlich? 2. Wie hat sich Ihr Geschäft im Vergleich zum Vorjahr entwickelt? 3. Was waren Ihre drei Lieblingsalben des Jahrgangs 2004? Fabian Hinte Geschäftsführer Chateau Disc Nürnberg 1./2. Das denkwürdigste Ereignis war es zu sehen, dass das von Sunny Moon 2003 gegründete Chateau Disc in Nürnberg sich über das Jahr 2004 gegen jeden Trend konsequent positiv entwickelt hat. Die Nische lebt, und es ist offensichtlich möglich, in dieser Nische auch wieder zu wirklicher Zusammenarbeit mit allen Beteiligten zu kommen. Man kann also auch heute noch sehr altmodisch – das heißt: fair für alle Partner – gute Geschäfte machen, die vor allem dem Kunden das Gefühl vermitteln, dass der kulturelle Aspekt auch im Handel nicht zu kurz kommen muss. 3. Fini Höstrup – So Gentle; Wolfgang Haffner – Zooming; Lars Danielsson – Libera Me personalkarussell 2004 52+53/2004 9 das war 2004.dossier Dietrich Eggert General Manager V2 records 1. Das denkwürdigste Ereignis für die Musikbranche ist die Tatsache, dass sich in diesem Jahr die Tonträgermärkte in UK und USA tatsächlich stabilisiert haben und sogar wieder Zuwächse verzeichnen. Persönlich war mein denkwürdigstes Konzerterlebnis in diesem Jahr der Auftritt von Tom Waits im Theater des Westens in Berlin. 2. Die Geschäftsentwicklung hat trotz des schwierigen Marktumfelds positive Tendenzen. Dies resultiert zum einen aus unserer Umstrukturierung und unserer gut funktionierenden Kooperation mit Ministry Of Sound, die uns einen entspannteren Kostenrahmen einbringt, zum anderen aus einer Verbesserung des Repertoiremixes bei V2 im Allgemeinen. 3. Phoenix – Alphabetical Morrissey – You Are The Quarry Franz Ferdinand – Franz Ferdinand Joachim Harbich General Manager edel media & entertainment und edel records 1. Die denkwürdigsten Ereignisse sind für mich – Gott sei dank – positiv: Nämlich, dass die deutsche Popmusik 2004 erfolgreicher denn je ist, und vor allem, dass die Neuentdeckungen in diesem Bereich wie Silbermond, Juli, Mia oder Annett Louisan, um nur einige zu nennen, sich hinter den Veteranen keineswegs verstecken müssen. Darüber hinaus entwickeln sich unsere digitalen Umsätze bei edelNET viel besser als geplant. Das denkwürdigste Ereignis für mich persönlich war, dass gefühlte und gemessene Geschwindigkeit beim Autofahren in keinster Weise übereinstimmen. 2. Unser Geschäft hat sich im Vergleich zum Vorjahr sehr positiv entwickelt, da wir es mit edel records und edel media & entertainment geschafft haben, in einem stagnierenden Markt das beste Geschäftsjahr seit Jahren abzuliefern. 3. Silbermond – Verschwende deine Zeit Incognito – Adventures In Black Sunshine Arrested Development – Among The Trees Mai · Wie der Aufwärtstrend bei edel music im Frühjahr belegt, hat Sanierer Michael Baur seinen Job bei den Hamburgern erfüllt. COO und CFO Baur stellt daher seinen Posten wieder zur Verfügung. Edel-Chef Michael Haentjes ernennt Gabi Grube zum neuen CFO, Timo Steinberg fungiert als neuer COO. · Währenddessen setzt bei BMG eine Abwanderungswelle ein. Regine Hofmann, die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, macht den Anfang. Danach folgen Katharina Aliaga, die als Director A&R/Marketing fungiert hatte, und Julia Rübsamen, die Leiterin des Bereichs Neue Medien. · Nach acht Jahren im Dienste von Universal scheint auch für Tim Dobrovolny, A&R Director Polydor und Zeitgeist, die Zeit reif für eine Veränderung. Er wechselt zum Berliner Virgin-Team. · Statt einer Jubiläumsfeier steht bei eastwest- Chef Markus Bruns der Abschied auf dem Terminplan. Er verlässt nach zehn Jahren Warner Music. Juni · In der Schweiz geht die Zeit für Chris Wepfer als Warner-Chef zu Ende. Mit Eric Kramer und Reto Lazzarotto gründet Wepfer das Label gadget records, das schweizerischen Acts aus dem Hause Warner eine Heimat bieten will. September · Nachdem die Fusion von Sony und BMG auch formell vollzogen ist, kommen die Umstrukturierungsmaßnahmen in den obersten Chefetagen an. Dr. Balthasar Schramm gehört nicht zum Team des neuen Majors. Die Leitung von Sony BMG GSA übernimmt Maarten Steinkamp. In der Presse kursiert das Gerücht, dass rund ein Drittel der Stellen bei Sony BMG in Deutschland durch die Umstrukturierungen wegfallen werden. · Bei der Deutschen Phono-Akademie zeitigt der Sparkurs personelle Konsequenzen. Geschäftsführer Oliver Schulten übergibt sein Amt an Gerd Gebhardt. Oktober · Zum zweiten Mal kehrt Chefredakteur Jürgen Bruckmaier der „Bravo“ des Heinrich Bauer Verlags den Rücken. · Bei Viva Media dreht sich nach der ViacomÜbernahme das Personalkarussell. Dr. Ludwig Bauer und Christian Gisy nehmen den Hut. November · Der Viva-Betriebsrat sieht 290 Jobs gefährdet. Und ein prominentes Viva-Gesicht verlässt – zumindest vorerst – den Bildschirm: Charlotte Roche ärgert sich über die Absetzung von „Fast Forward“ und tritt in den Streik. Dezember · Boris Löhe gehört nicht zum neuen Team von Sony BMG. Auch für André Selleneit und Paul Kölbl ist nach dem Merger wohl kein Platz mehr. · Bei Universal hatte Jacob Bilabel ab September 2003 als Director Creative Concepts die TVAbteilung neu aufgebaut. Nun sagt er Goodbye. Frank Schreiner Managing Director Music Mail Tonträger 1. Das denkwürdigste Branchenereignis war für mich, dass die Popkomm 2004 bildhaft deutlich machte, wie es um die deutsche Musikindustrie steht. Persönlich war es mein erster Marathon in New York unter vier Stunden. 2. Grundsätzlich stabile Umsätze, jedoch bei erheblich erhöhtem Aufwand. 3. Havanna Boys – H.B. Source Francesco Diaz – An Exciting House Mix For A Lovely Springwalk Mario Winans – Hurt No More personalkarussell 2004 10 52+53/2004 dossier.das war 2004 most wanted in musikwoche.de Das sind die wichtigsten Personen, Firmen, Tonträger und News des Jahres: Sie machten vom 1. Dezember 2003 bis 30. November 2004 bei www.musikwoche.de Schlagzeilen und sammelten Clicks. people 1. Frank Briegmann President & CEO Universal Entertainment 2. Tim Renner Geschäftsführer Motor Music 3. Maarten Steinkamp Chairman & CEO Sony BMG GSA 4. Nathalie Heinrich ehemals Managing Director EMI Music Catalogue Marketing 5. Tom Bohne Managing Director Universal Music Domestic Division 6. Jörg Hellwig Senior Vice President Music Division BMG Records 7. Boris Löhe Managing Director Sony Music Domestic 8. Markus Wenzel Managing Director Universal Music Publ. 9. Christof Ellinghaus Co-Managing Director Virgin-Labels-Mute/ EMI Music Germany 10. Christopher Gersten Managing Director Universal Strategic Marketing firmen 1. Universal Entertainment GmbH 2. BMG Ariola München 3. Sony Music Entertainment (Germany) 4. BMG Records GmbH 5. Universal Music Domestic Division (UDD) 6. Virgin Music Germany 7. Capitol Music Germany 8. EMI Music Germany 9. Sony Music Domestic 10. Warner Music Group Germany tonträger 1. Scooter – Mind The Gap (Sheffield Tunes/ Kontor/edel) 2. Norah Jones – Feels Like Home (Blue Note/Capitol/EMI) 3. Dragostea Din Tei – O-Zone (Time/Polydor/UDD/Universal) 4. Sick And Tired – Anastacia (Epic/SMI/Sony Music) 5. Can’t Wait Until Tonight – Max (Rare/Warner) 6. Mia. – Stille Post (R.O.T./Columbia/SMD/Sony Music) 7. Prince – Musicology (Columbia/SMI/Sony Music) 8. Obsesión – Aventura (Hit Mania/Mach 1/edel) 9. Lebt denn dr alte Holzmichl noch…? – De Randfichten (Electrola/Capitol/EMI) 10. Du hast mein Herz gebrochen – Yvonne Catterfeld (Hansa/BMG National Berlin/BMG) news 1. BMG bestätigt Abschied Steins 2. Universal bestätigt: Tim Renner geht 3. Larsen baut Universal um 4. Briegmanns Bruch mit BMG: „We’ll make him fly economy!“ 5. EMI zieht Virgin aus München ab 6. Warner Music streicht 100 Stellen 7. Thomas M. Stein verlässt BMG 8. Sony BMG lässt Berlin fallen 9. Universal holt Briegmann an die Spitze 10. Sony BMG klärt Standorte Anke Fleischer Country Manager Germany OD2 – On Demand Distribution 1. Aus digitaler Perspektive betrachtet haben sich Aufstieg und Fall von PhonoLine einen dauerhaften Platz in den Annalen gesichert. Mein persönlich denkwürdigstes Ereignis bleibt persönlich, wenn es gestattet ist. 2. Der Umsatzanstieg verlief noch rasanter und steiler als in 2003. OD2 ist nun in 20 Ländern vertreten, ein stolzes Ergebnis. 3. Feist – Let It Die Wir sind Helden – Die Reklamation Die Fantastischen Vier – Viel Kurt Thielen Zebralution 1. Ich denke, der BMG-Sony-Merger und der Fortschritt im Download-Bereich. Für mich persönlich natürlich die Gründung meiner Firma Zebralution. 2. Zebralution ist ja ein neues Geschäft, aber es hat sich von Monat zu Monat hervorragend entwickelt. 3. The Streets – A Grand Don’t Come For Free Franz Ferdinand – Franz Ferdinand The Libertines – The Libertines rückblick 2004 – die fragen Das wollte musikwoche wissen: 1. Was war im Jahr 2004 das denkwürdigste Ereignis – für die Musikbranche, und für Sie persönlich? 2. Wie hat sich Ihr Geschäft im Vergleich zum Vorjahr entwickelt? 3. Was waren Ihre drei Lieblingsalben des Jahrgangs 2004? Ossy Hoppe Geschäftsführer Wizard Promotions Konzertagentur 1. Das denkwürdigste Ereignis war, subjektiv gesehen, das Comeback von Simon & Garfunkel. 2. Da Wizard Promotions erst seit Januar 2004 besteht, waren wir mit dem ersten Jahr sehr zufrieden. 3. Kings of Leon – Aha Shake Heartbreak Jamie Cullum – Twentysomething U 2 – How To Dismantle An Atomic Bomb 52+53/2004 11 das war 2004.dossier Zwischenruf von Gerd Gebhardt „Musik ist begehrter denn je“ Berlin – Was hat das Jahr 2004 gebracht? Wie geht es weiter? Auch Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, macht sich zum Jahresende seine Gedanken. Seine Bilanz fällt verhalten optimistisch aus. Das Jahr 2004 war für die Musikwirtschaft ein weiteres Jahr des Umbruchs, es weist aber auch einige Perspektiven in die Zukunft: Musik ist – und das ist sicher die beste Nachricht – für viele Menschen noch immer die wichtigste Ausdrucksform der Unterhaltung. Die Begeisterung für Musik hat eher noch zugenommen – Musik, die so attraktiv, so nachgefragt und so begeisternd ist, wird auch in Zukunft ihr Publikum finden, unabhängig vom persönlichen Geschmack. Internetvertrieb zeigt wachsende Stärke Nach längerer Vorbereitung hat sich der Musikmarkt im Internet in diesem Jahr etabliert. T-Online und OD2, iTunes und AOL stellen die größten Angebote. Finetunes ist als Initiative einiger deutscher Independents am Markt, und auch das PhonoLine-Projekt war ein wichtiger und erfolgreicher Schritt zur Etablierung des Marktes; sein Ende war eher technisch als wirtschaftlich begründet – schließlich hatte PhonoLine im Sommer rund 150.000 Downloads pro Monat. Im August, als erstmals mehr als eine Million legale Downloads im Monat gezählt wurden, war das größte Ziel erreicht: Musikfans nutzen legale Onlinedienste genauso selbstverständlich wie Plattenläden. In Stückzahlen erreicht der Internetvertrieb vielleicht schon im nächsten Jahr den Singlesabsatz – eindrucksvolles Zeichen für die Stärke des Marktes und seiner Akteure. Im Jahr 2004 startete auch in Deutschland das rechtliche Vorgehen gegen illegale Musikanbieter in so genannten „Tauschbörsen“. Rund 200 Personen wurden von der Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Rasch in unserem Auftrag wegen solcher illegalen Musikangebote angezeigt. Hieß es noch im Januar von kritischen „Fachleuten“, das ginge sowieso nicht, so hat sich hier schnell gezeigt, dass die Branche notfalls ihre Rechte auch wirksam verteidigen kann. Strafverfahren machen keine Freude Die Fälle eines 23-jährigen Cottbussers und eines 57 Jahre alten Lehrers aus dem Raum Stuttgart wurden sogar international bekannt. Strafverfahren sind auch für uns keine Freude, aber sie machen deutlich: Bis hierher und nicht weiter – wer wider besseren Wissens illegale Musikangebote ins Netz stellt, der muss mit Folgen rechnen. Aber auch die Diskussion um das Urheberrechtsgesetz geht weiter, und sie geht in eine entscheidende Runde: Eine neue Gesetzesnovelle steht an, die noch vor der Sommerpause vom Deutschen Bundestag beschlossen werden soll. Kampf um ein besseres Urheberrecht Dabei fragt sich: Ist es denn nicht ganz logisch, dass man Privatkopien zum eigenen privaten Gebrauch nicht durch andere herstellen lassen dürfte, weil sonst Missbrauch droht? Ist es nicht richtig, dass Internetprovider Namen und Anschrift von Personen, die Urheberrechte verletzen, an die Rechteinhaber weiterleiten sollten, damit die sich dagegen wehren können? Leuchtet es nicht ein, dass Internetradios und intelligente Aufnahmesoftware – wie von den Verbänden seit Jahren vorgetragen – ein neues Kopierproblem bieten, das gesetzlich eingegrenzt werden muss? Diese Fragen soll das neue Urheberrechtsgesetz beantworten. Die Bundesjustizministerin war nach einer Vorführung der technischen Möglichkeiten jedenfalls ziemlich beeindruckt. Wir arbeiten dafür, im Gesetzgebungsverfahren nun auch die Bundestagsabgeordneten für diese Fragen zu sensibilisieren. Unser wichtigstes Anliegen dabei: Kein Anspruch auf die Privatkopie! Für eine Lösung des Radioproblems Für das nächste Jahr erwarten die Marktforscher eine stagnierende Entwicklung. Die Talsohle scheint erreicht. Und was erwarten wir für das Jahr 2005? Unter anderem eine Musikauswahl im Radio, die die Bezeichnung Vielfalt wieder verdient. Nach meinem Eindruck begreifen die Programmverantwortlichen im öffentlich- rechtlichen Rundfunk allmählich, dass die gesamte Musikwirtschaft, aber auch hunderte von Künstlern und der Deutsche Bundestag eine Lösung dieses Problems erwarten. Außerdem sind wir gerade am fliegenden Start eines boomenden mobilen Musikmarktes – ob MP3-Player oder Handy: Alles wird in Zukunft genutzt werden. Und es gibt immer wieder neue Musik, die alle Emotionen anspricht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine frohe Weihnacht und ein gutes neues Jahr! Moment mal! Exklusiv in musikwoche: Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, nimmt in unregelmäßigem Turnus Stellung zu Themen, die der Musikbranche am Herzen liegen. Zuletzt erläuterte er in Heft 45 die Argumente der Verbände für eine Radioquote; hier lässt er das Jahr 2004 noch einmal Revue passieren.

Neugierig?

Jetzt als Abonnent anmelden und weiterlesen.

Du hast noch kein Abo? Dann hol dir jetzt das Digitalabo für nur 39,90 Euro pro Monat.

Anmelden