dossier.das bringt 2005 musikwoche-Jahreshoroskop München – Wie geht es weiter, was kommt im neuen Jahr auf uns zu? Schwere Fragen, leichte Antworten: Denn ausnahmsweise betätigt sich musikwoche einmal als Orakel der Branche und sagt, wo’s langgeht – alle Angaben natürlich ohne Gewähr, wie bei Horoskopen üblich. Was sich Branchenprofis von 2005 erwarten, verraten sie in der Umfrage auf den folgenden Seiten. 1+2/2005 2005 wird das Jahr, in dem musikwoche nach langer Pause wieder ein Who-is-Who-Poster der Majors auflegen kann. Denn nach all den Umstrukturierungen sind große Verwerfungen nun wohl nicht mehr zu erwarten; das längst fällige Update der Major-Galaxis in Form des Poster rückt in greifbare Nähe. Fragen bleiben allerdings. Zum Beispiel, wie die Konzerne mit reduzierten Teams neben dem Tagesgeschäft die in den Archiven schlummernden Kataloge für neue Vertriebswege erschließen oder neue Künstler finden wollen. majors Was die Zukunft br Foto: Mauritius das bringt 2005.dossier 1+2/2005 7 „Neue, aufregende Künstler“, sind laut Aussage von Branchenurgestein Heinz Canibol die größten Hoffnungsträger für das neue Jahr. Mit seiner Firma 105 Music und der Durchstarterin Annett Louisan, die auf ihrer ersten Tournee im Frühjahr abräumen wird, tritt er den Beweis dafür an, dass man auch als Indie ein breites Publikum erreichen kann, wenn die Koordinaten für ein neues Sternzeichen am Firmament der Stars stimmen. Gute A&RArbeit bleibt deshalb auch im kommenden Jahr die Basis der Musikbranche. Und dabei werden die Independents als Trüffelschweine wichtiger denn je zuvor. indies Der Wettlauf zwischen Hase und Igel geht weiter. Sobald ein illegales Loch gestopft ist, tut sich woanders ein neues auf. Doch daran wird man sich gewöhnen. Und da der legale Musikvertrieb über das Internet die Schwelle zum Massenmarkt schon überschritten hat, wird es 2005 weiter voran gehen. Denn die große Mehrheit der Musikliebhaber sieht sich lieber als ehrliche Kunden denn als Kleinkriminelle. Das Angebot muss halt stimmen – zum Beispiel mit kommerziellen P2P-Anwendungen wie dem Snocap-Modell von Napster- Erfinder Shawn Fanning. Auch der Wettlauf zwischen Musicload und iTunes wird auf dem deutschen Markt Freude bereiten. internet Den Schrumpfungsprozess der vergangenen Jahre bekamen auch die Verbände der Phonoindustrie zu spüren. Tröstlich deshalb, wenn auch im Grunde bedauerlich, dass es für 2005 wohl kaum noch Ballast gibt, von dem man sich trennen muss. Außer vielleicht von der opulenten Echo- Party. Die Lobbyarbeit in Berlin wird weiter Früchte tragen; das Exportbüro German Sounds AG wird noch besser Tritt fassen – und peu à peu wird sich wieder Hoffnung breitmachen, dass sich alles zum Guten wendet. Und da man in Zeiten der Not enger zusammenrückt, wird auch der Gedanke eines gemeinsamen Dachverbands der Verbände mehr Zuspruch finden. verbände Das Live-Erlebnis lässt sich auch künftig durch nichts ersetzen. Indes schreitet die Konzentration im Konzertgewerbe offenbar schneller fort als die Wachstumsraten. Ist es das Preisgefüge, das Wetter oder die sinkende Strahlkraft mancher Superstars? Sicher ist: Auch Konzertveranstalter und Ticketverkäufer sind von Künstlern und deren Anziehungskraft abhängig – genau wie die Plattenfirmen. Hier stehen die Zeichen für künftige Kooperationen günstig. live-entertainment Die No-Dialtone-Generation – also all die, denen das Freizeichen der Amtsleitung aus der Festnetzära dank intensiver Handynutzung bereits fremd ist – wird sich nach Realtones und Ringbacktones auch für Trackdownloads und eine zunehmend mobile Musiksammlung begeistern lassen. Aber Obacht: Mobile P2P-Anwendungen oder solche, die den MP3-Klingelton vom heimischen Rechner holen, könnten im Sommer die bisher beachtlichen Profite schnell dahinschmelzen lassen. mobile entertainment Das Verlagsgeschäft behauptet sich als Fels in der Brandung, auch wenn es in den kommenden zwölf Monaten stürmisch zugehen dürfte. „Pennies To Pounds“ könnte künftig als neues P2P-Modell eine wichtige Rolle spielen. So nennen die Briten ihr Geschäftsprinzip – auf gut deutsch: Kleinvieh macht auch Mist. Die Publisher sollten demnach sicherstellen, dass sie alle Zahlungen, die ihnen aus der immer vielfältigeren Musikverwertung zustehen, auch wirklich erhalten. Zudem steht der Tantiemenstreit zwischen IFPI und GEMA auch 2005 auf der Agenda. Und trotz aller Angriffe gegen die GEMA gilt weiter: Sie ist immer noch die beste, die wir haben. publishing Die Handelslandschaft steht auch weiterhin ganz im Zeichen des gewaltigen Fixsterns Media-Saturn. Die Umsätze mancher Vertriebsfirmen mit den Märkten haben inzwischen, so heißt es, bereits die Marke von 50 Prozent überschritten. Unschwer lässt sich voraussagen, dass die Abhängigkeit der gesamten Branche von den Ingolstädtern noch weiter wachsen wird. Hauptsache, die Anziehungskraft des Media-Saturns wird nicht so gewaltig, dass die Trabanten abstürzen. Wenigstens gewinnt nach Marktanteilen noch Amazon an Leuchtkraft. Für das stationäre Geschäft wird 2005 entscheidend sein, ob für den Fachhandel genug Spielraum in einzelnen Nischen oder unter dem Radar der Märkte bleibt und ob Karstadt seinen Platz am Handelshimmel halten kann. stationärer handel Die öffentlich-rechtlichen Sender sollen sich 2005 unter Druck von Pop und Politik freiwillig zur Quasi-Quote verpflichten. Sie werden es nicht tun. Neue, interessante Künstler aus deutscher Produktion werden es im Äther auch weiterhin schwer haben. Und die Quote bleibt in der Diskussion, wird aber garantiert nicht verwirklicht. Doch in der zweiten Jahreshälfte könnte die Forderung nach Abschaffung des Sendeprivilegs in den Vordergrund rücken. radio Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass die Musik-DVD auch 2005 weiterboomt. Denn im Bewusstsein der Fans wie auch auf den Stellflächen im Handel und in den Budgets der Marketingmanager hat sich das Format einen festen Platz erarbeitet. Auch die Befürchtung, dass die Archive irgendwann leer sein könnten, scheint angesichts bislang auf DVD unveröffentlichter Schätze wie dem Monterey-Festival von 1967 oder dem kanadischen Festival- Zug von 1970 unbegründet. Gleichzeitig wird die Entwicklung noch stärker dahin gehen, von herausragenden Konzerten gleich eine Live-DVD auf den Markt zu bringen; das klassische Live-Album wird mehr und mehr verschwinden oder sich zur Bonusbeigabe der DVD wandeln. Entscheidend wird hier die Kreativität sein, wie neue DVD-Inhalte generiert, aufbereitet und vermarktet werden. Auf diese Weise sieht die Zukunft der Musik- DVD auch weiterhin golden aus. dvd Bereits im Januar wird sich zeigen: Midem ist kein neues Insektenvernichtungsmittel gegen Parasiten, sondern nach wie vor die wichtigste Musikmesse der Welt. Aber im September wird Berlin zum Nabel der Branche, wenn die Popkomm an der Spree in ihre zweite erfolgreiche Runde geht. messen ingt, steht in den Sternen – und hier 8 1+2/2005 dossier.das bringt 2005 Jörg Heidemann Geschäftsführer MDM – Mutualism: Distribution & more 1. Teile davon: ja. 2. Ich setze auf gute Produkte und innovative Vertriebsarbeit. 3. Am meisten Hoffnung macht mir, dass es immer noch nicht wirklich funktioniert:-) Bernd Dopp Chairman & CEO Warner Music Group GSA 1. Ich glaube an einen wirklichen Aufschwung ab Ende 2005/Anfang 2006. So wie es im Moment aussieht, wird der Markt auch 2005 noch leicht zurückgehen, dann aber seine Talsohle erreicht haben. Die DVD wird weiter gut laufen, und die neuen Konfigurationen wie Download und Mobile werden sich weiterhin sehr positiv entwickeln. 2. Die größte Hoffnung setzen wir auf den Handel, und hier vor allem auf eine anhaltend breite Präsentation von Newcomern und die ständige Verfügbarkeit des Katalogs. Mit diesem Qualitätsanspruch und dem Fortbestand der vorhandenen Flächen wird der physische Tonträger weiter eine zentrale Rolle spielen. 3. Dass wir wieder eine Million Units bei Singles verkaufen – diesmal mit Mastertones, Ringbacktones, Downloads und physischen Singles zusammen. Frank Schreiner Managing Director Music Mail Tonträger 1. 2005 und 2006 werden extreme Jahre des Umbruchs vom physischen zum digitalen Vertrieb von Musik sein. Wobei weder das eine noch das andere als alleiniges Konzept überlebensfähig sein wird. 2. Die größten Hoffnungen im physischen Geschäft setze ich auf die Konsolidierung des Marktes aufgrund von Marktmechanismen und ökonomischen Überlegungen einiger Marktteilnehmer. 3. Im digitalen Musikgeschäft hoffe ich darauf, dass viele Anbieter merken werden, dass es doch nicht so banal ist, hierbei auch Geld zu verdienen. Mario Mendrzycki Gründer & geschäftsführender Gesellschafter Triple M Entertainment 1. Sollte das Live-Entertainment die Preisspirale nicht überdrehen, wird auch 2005 ein stabiles Geschäftsjahr. Für Recorded Music wird man in Bezug auf Wachstum wohl noch etwas Geduld mitbringen müssen. 2. Meine größten Hoffnungen setze ich auf wahrhafte Künstler der neuen Generation wie beispielsweise Alicia Keys, Coldplay, Schiller und Katie Melua. 3. Am meisten Hoffnung macht mir die Tatsache, dass „das“ Live-Konzerterlebnis auch im Zeitalter nach Mister Spock weder heruntergeladen noch gebrannt oder kopiert werden kann. Ossy Hoppe Geschäftsführer Wizard Promotions Konzertagentur 1. Für die Livemusik sehe ich positive Signale. 2. Diese Frage sollte besser von Plattenfirmen beantwortet werden. 3. Im digitalen Musikgeschäft hoffe ich auf die Förderung junger Künstler. Umfrage: Was die Branche vom Jahr 2005 erwartet Vorsichtiger Optimismus macht sich breit München (mw) – Richtig gute Prognosen für 2005 wagt noch keiner, aber bei den Branchenprofis wachsen Hoffnung und Zuversicht. Manche setzen auf die Attraktivität herausragender Künstler, andere erkennen immer stärkere positive Signale im Download-Geschäft und Chancen dank intelligenter Vermarktungsstrategien. Wieder andere propagieren eine Preisstaffelung oder verweisen auf den Reiz liebevoll gestalteter CD-Verpackungen. ausblick 2005 – die fragen Das wollte musikwoche wissen: 1. Wird sich die Musikbranche am Ende des Jahres 2005 wieder im Aufwind befinden? 2. Worauf setzen Sie die größten Hoffnungen im Geschäft mit physischen Tonträgern? 3. Was macht Ihnen am meisten Hoffnung im digitalen Musikgeschäft? 1+2/2005 9 das bringt 2005.dossier Dietrich Eggert General Manager V2 records 1. Ich würde noch nicht von Aufwind für 2005 sprechen, aber von einem kleinen Lüftchen, ausgelöst durch erhöhten Umsatz im Download- und Ringtone-Bereich. 2. Ich setze darauf, dass wir in Deutschland eine ähnliche Aufwärtsentwicklung bei Albumverkäufen – vor allem auch bei Newcomern wie Scissor Sisters oder Keane – haben könnten wie zur Zeit in England (but that’s only a dream). Ansonsten glaube ich, dass physische Verkäufe weiterhin rückläufig sein, sich aber relativ stabil halten werden, was Veröffentlichungen für ein erwachseneres Publikum angeht – siehe Katie Melua, Norah Jones, Carla Bruni etc. 3. Im digitalen Geschäft macht mir die explosionsartig steigende Anzahl verkaufter iPods und anderer Player Hoffnung. Heinz Canibol Geschäftsführer 105music.de 1. Ansatzweise ja – aber mal sehen, wie die Branche Ende 2005 aussieht. 2. Ich setze auf neue, aufregende Künstler. 3. Ebenso: neue, aufregende Künstler. Georg Roth Vertriebsleiter Q-Vertrieb 1. Voraussetzung für einen Aufschwung sind innovative Konzepte und langfristige Strategien, doch die sehe ich nur vereinzelt. Aber ich bin guter Dinge und „glaube“ an den Aufschwung. 2. Keine Frage, auf Qualität und Service. 3. Dass die schwarzen Schafe endlich verschwinden und wir langfristig wieder eine echte musikalische Vielfalt erleben und hören dürfen, da sich neue Chancen für Newcomer ergeben werden. Joachim Harbich General Manager edel media & entertainment und edel records 1. Ja, die Zeichen stehen gut. 2. Dass die angebotene Preisdifferenzierung von Basic für 9,99 Euro über Standard bis hin zur Premiumausstattung dem Konsumenten die spontane Kaufentscheidung am PoS erleichtert. Wie wir selbst bei unserer Künstlerin Jojo erfahren durften, führte dies zu zusätzlichem Umsatz. 3. Dass das Klingelton- und Download- Geschäft sich weiterhin so positiv entwickelt wie 2004. Peter Aleksander Geschäftsführer/ Head of A&R Superstar Recordings 1. Man muss es nehmen, wie es kommt. 2. Dass die CD einheitlich günstiger wird. 3. Das Handy – denn das wird unser Steuermodul in der Zukunft. Das einzige, was wir dazu brauchen, ist noch etwas Geduld. Rudy Holzhauer Geschäftsführer Musikverlag Progressive 1. Wenn es gelingt, im digitalen Bereich die Preise aus dem psychologischen Bereich von zum großen Teil 99 Cent für Neuheiten zu einem realistischen, auch von den Kunden akzeptierten Preis zu führen, sehe ich vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Und zweitens muss es uns gelingen, die branchenfremden Begehrlichkeiten von Seiten der Hardware-Hersteller bis hin zu TV-Produktionsfirmen einzudämmen. Offenbar sind viele von ihnen nicht in der Lage, ihre Produktionen profitabel zu gestalten, ohne sich bei der Arbeit der Kreativen beziehungsweise den Marketingleistungen der Verlage und Plattenfirmen zu bedienen. 2. Die größten Hoffnungen im physischen Geschäft setze ich darauf, dass es gelingt, die Wertigkeit der CD so zu steigern, dass es für den Käufer eine Freude ist, mehr als nur die Musik zu erwerben. Die älteren unter uns erinnern sich noch an die schönen Verpackungen der LPs, bei denen man keine Lupe brauchte, um die Texte zu lesen. Auf der einen Seite beklagt sich der Handel über die mangelnde Fantasie der Plattenfirmen. Stellen die aber gemeinsam mit ihren Künstlern kreative Verpackungen her, passen diese nicht in die Regale. Wie absurd ist das denn? 3. Meine Hoffnung heißt Mobile Business und UMTS. Die Vision, dass man sich im Bus oder in der Bahn Songs herunterladen kann, die dann daheim durch eine Dockingstation mit dem Computer oder der Stereoanlage synchronisiert werden – prima. Und noch weiter gedacht: Die berühmten „Sleeper“ müssen dann nicht mehr in einen Plattenladen gehen oder einen Computer bedienen können, um Musik zu kaufen. Ich stelle mir einfach vor, dass im „Musikantenstadl“ die Nummern zum Herunterladen der Lieder eingeblendet werden … eine klasse Vorstellung – wenn auch noch Zukunftsmusik. 10 1+2/2005 dossier.das bringt 2005 ausblick 2005 – die fragen Das wollte musikwoche wissen: 1. Wird sich die Musikbranche am Ende des Jahres 2005 wieder im Aufwind befinden? 2. Worauf setzen Sie die größten Hoffnungen im Geschäft mit physischen Tonträgern? 3. Was macht Ihnen am meisten Hoffnung im digitalen Musikgeschäft? Dieter Semmelmann Geschäftsführer Semmel Concerts 1. Es bleibt wohl weiter anstrengend, aber ein Licht am Ende des Tunnels ist zu erkennen. 2. Ich setze auf die Kreativität derjenigen, die Musik produzieren, auf großartige Komponisten und Texter – vor allem auch aus Deutschland. Da ist Potenzial vorhanden – und ein enormer Markt, wie Annett Louisan mit ihrem Album „Bohème“ beweist. 3. Das digitale Musikgeschäft ist nicht unsere Baustelle. Wir verkaufen Live- Erlebnisse – und die sind durch nichts zu ersetzen. Michael Reinboth CEO Compost Medien 1. Es wird aufwärts gehen. 2. Wir setzen auf weniger Masse, dafür aber mehr Klasse: mehr tolle Verpackungen, bessere Preise für die Endkonsumenten und mehr Kaufkraft. 3. Im digitalen Musikgeschäft macht mir unser Webshop Hoffnung, der im Januar oder Februar 2005 an den Start geht. Außerdem solide und integre Portale von Leuten, die aus der dot.com-Zeit Mitte der Neunziger gelernt und das weiterentwickelt haben. Und schließlich: dass es zwar noch sehr langsame, aber immerhin erkennbare Bestrebungen gibt, zu einer Vereinheitlichung von Metadaten und Formaten zu kommen. Kurt Thielen Zebralution 1. Die Branche wird sich auf dem niedrigeren Niveau stabilisieren, aber aufgrund des Aufschwungs im Digitalbereich wird die Zukunft besser sein. 2. Ich setze darauf, dass mutige Menschen neue Läden aufmachen. 3. Die größten Hoffnungen machen mir die von Monat zu Monat steigenden Umsätze im digitalen Bereich. Wingolf Mielke CFO/COO DEAG – Deutsche Entertainment AG 1. Ich denke nicht, dass es Ende 2005 schon wieder aufwärts geht. Aber der iPod weist den Weg: Da habe ich den größten Bedienkomfort, kann das Angebot zu jeder Tages- und Nachtzeit kaufen und habe meine komplette Musiksammlung immer zur Verfügung, ob mobil oder zu Hause, wo ich das Gerät an meine Anlage anschließen kann. iPod und iPod-Clones werden die Renner auch im Jahr 2005 sein. Die Musikbranche muss darauf achten, dass die technische Plattform standardisiert wird, sonst hat sie zu große Abhängigkeiten von Anbietern wie iTunes. Der traditionelle CD-Markt wird weiter rückläufig sein, weil man Kernzielgruppen verloren hat und sie durch den legalen Download-Markt erst wieder einfangen muss. Das kann gelingen, aber dafür muss man noch viele Änderungen vornehmen. Wenn diese Änderungen bei den Majors und dem Umfeld greifen, dann ist „der Himmel die Grenze“ für das erneute Wachstum. 2. Ich denke, der Markt wird eine Untergrenze haben, die noch nicht erreicht ist. Die Tonträgerindustrie hat genügend Erfahrung, den Markt weiter zu pflegen. Nur: Nachhaltiges Wachstum wird es von dieser Seite nicht geben. 3. Standardisiere die technische Plattform, stelle alles Material, das jemals aufgenommen wurde, auf die Portale, vermarkte dieses Material intelligent – und die Industrie wird wieder stark wachsen und auch wieder gut verdienen. Stefan Piendl Senior Vice President & COO Worldwide, BMG Classics 1. Ja, es wird aufwärts gehen. Manches spricht schon heute dafür, und ich gehe davon aus, dass diejenigen, die auch Ende 2005 noch in der Branche arbeiten, dann mit dem Jahr recht zufrieden sein werden und optimistisch auf das Jahr 2006 blicken können. 2. Da ich nicht an das eine „Ei des Kolumbus“ glaube, setze ich auch künftig weiterhin auf die Qualität und die Fähigkeiten großer Künstlerpersönlichkeiten und ihrer Musik in Verbindung mit ihren kompetenten, kreativen und verlässlichen Partnern in der Tonträgerbranche. 3. Der digitale Zug rollt und wird sich wie alle etablierten technischen Innovationen kontinuierlich weiterentwickeln – und wir werden auf vielfältige Weise davon profitieren, was aber nicht ausschließt, dass es dabei auch Risiken zu beachten gilt. 1+2/2005 11 das bringt 2005.dossier 1/2 Anzeige kiddinx elea Anzeige Michael Schuster Geschäftsführer Cargo Records Germany 1. Prognostizieren wir nicht schon seit Jahren, dass es wieder aufwärts geht? Ich hoffe es, vor allem für den Einzelhandel. 2. Bei all der Diskussion um Brennen und Laden gibt es auch immer mehr Personen, die wieder zurück zum Ursprünglichen gehen. Das Artwork und die Information sind geschätzter „Mehrwert“, nicht der digitalisierte Datensatz, der Musik erzeugt. Es gibt ihn, den sexy Tonträger. 3. Das digitale Geschäft wird derzeit größer gemacht, als es ist. Vieles ist ein momentaner Hype, über den in ein paar Jahren gelacht wird. Hoffnung macht mir, dass es auch in diesem Geschäft genügend Nischen geben wird. Fabian Hinte Geschäftsführer Chateau Disc Nürnberg Es gibt eine faire Chance, wieder zu einer positiven Branchenentwicklung zu kommen – wenn alle Beteiligten leidige Content-Debatten beenden und erkennen, dass der geforderte Inhalt in Form von spannender Musik und interessanten Künstlern reichlich vorhanden ist. Der physische Tonträger als Kulturgut und Musik und nicht einfach als digitaler Einwegartikel – das ist ein ungleich höherer Kaufanreiz, und der spezialisierte Einzelhandel kann da eine Wegweiserfunktion übernehmen. Eine Suchmaschine ersetzt halt nicht den persönlichen Kontakt und kann keine Umgebung schaffen, in der das Einkaufen wieder Spaß macht. Anke Fleischer Country Manager Germany OD2 – On Demand Distribution 1. Mit Verlaub, da hinkt schon die Fragestellung: Wer auf Antriebskraft von außen hofft, wird vermutlich auch Ende 2005 wenig Grund zum Jubeln haben. Auch im nächsten Jahr wird die Großwetterlage sicher noch von heftigem Gegenwind bestimmt, aber vielleicht ist die erkennbar positivere Grundstimmung schon die halbe Miete. 2. Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten. 3. Die Spannung steigt: Wie zu erwarten war, sind Musikdownloads längst nicht mehr die Domäne von in Bits und Bites denkenden Computerfreaks. Es entwickelt sich ein ernst zu nehmender Markt mit verschiedenen hochkarätigen Anbietern.
Musikwoche-Dossier: Das bringt 2005
Wie geht es weiter, was kommt im neuen Jahr auf uns zu? Schwere Fragen leichte Antworten: Denn ausnahmsweise betätigt sich musikwoche einmal als Orakel der Branche und sagt, wo’s langgeht – alle Angaben natürlich ohne Gewähr, wie bei Horoskopen üblich. Was sich Branchenprofis von 2005 erwarten, verraten sie in der Umfrage auf den folgenden Seiten.





