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Musikwirtschaft startet bislang größte Klagewelle

Der Branchenverband IFPI setzt weiter auf Abschreckung und reicht erneut Klagen gegen Filesharer ein. Erstmals sind auch P2P-Nutzer in der Schweiz, Schweden, Argentinien, Hongkong und Singapur betroffen.

Der Branchenverband IFPI setzt weiter auf Abschreckung und reicht erneut Klagen gegen Filesharer ein. Die vierte Klagewelle der IFPI ist mit 2100 Klagen die bislang größte ihrer Art. „Dadurch erfahren unsere Aktionen gegen Personen, die urheberrechtlich geschützte Musik illegal im Internet zur Verfügung stellen und tauschen, eine wichtige Stärkung“, erklärt John Kennedy, Chairman und CEO der IFPI. Die jüngste rechtliche Offensive richtet sich gegen P2P-Nutzer in Europa, Asien und Südamerika. Die Organisation nimmt erstmals auch Privatpersonen in der Schweiz, Schweden, Argentinien, Hongkong und Singapur ins Visier. Den Löwenanteil machen jedoch die 1486 in Deutschland eingereichten Strafanzeigen aus. Danach folgen u.a. Dänemark mit 200 Klagen sowie Großbritannien mit 97 und Österreich mit 75 Klagen. Deutschland ist der IFPI-Statistik zufolge mit inzwischen 2055 Fällen hinter den USA mit 15.597 der zweitaktivsten Markt in der Anti-Piraterie-Offensive.

„Wir verbreiten heute die Botschaft, dass von Schweden bis Hongkong und von Singapur bis Argentinien keine Zufluchtsorte für den Diebstahl von Musik im Internet mehr existieren“, betont Kennedy. Die Klagen der IFPI summieren sich inzwischen außerhalb der USA auf über 3800. Betroffen sind Nutzer der P2P-Börsen Fasttrack (Kazaa), Gnutella (Bearshare), eDonkey, Direct Connect, BitTorrent, WinMx und SoulSeek in 16 Ländern. Dazu zählten bereits vor der aktuellen, vierten Klagewelle Dänemark, Deutschland, Frankreich, Finnland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Japan, Österreich und die USA. Einzig in den Niederlanden, in denen bereits früher Filesharer verklagt wurden, wurden keine neuen Fälle eröffnet. Die Beschuldigten müssen sich der IFPI zufolge auf Schadensersatzzahlungen von mehreren tausend Dollar gefasst machen. Die bisherigen Verfahren seien durchschnittlich mit einer Schadenersatzsumme von 3000 Dollar (rund 2600 Euro) abgeschlossen worden. Zusätzlich zu den Klagen verschickte der Verband bislang in 17 Ländern über 52 Mio. Instant Messages mit Warnungen an P2P-Nutzer.

Laut Angaben der IFPI nahm die Zahl der unautorisierten Musikdateien im Internet im ersten Halbjahr 2005 kaum ab und belief sich auf 900 Mio. Die Abschreckungstaktik zeige dennoch Wirkung. So habe sich die Zahl der legalen Downloads im Vergleich zum Vorjahr in den ersten sechs Monaten auf 186 Mio. Tracks verdreifacht, mobile Downloads und Abodienste nicht mit eingerechnet. Insgesamt stünden derzeit rund zwei Mio. Tracks in über 300 legalen Diensten zur Verfügung. „Heutzutage gibt es keinerlei Entschuldigung dafür, Musik im Internet zu stehlen,“ betont Kennedy. Neben der Klageoffensive kündigte die IFPI eine Ausweitung ihrer gemeinsam mit der Wohltätigkeitsorganisation Childnet ins Leben gerufenen Informationskampagne zur Musiknutzung im Internet an. Bislang bietet der Verband in sechs Ländern seine kostenlose Broschüre und die Software Digital File Check an, mit der Internetnutzer unerwünschte P2P-Anwendungen auf ihrem Computer entdecken und löschen können.

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