Recorded & Publishing

Musikverlagsorganisationen starten Testlauf mit KI-Start-up

Am 29. Juli 2026 gaben IMPEL und IMPF bekannt, in Zusammenarbeit mit Sureel deren KI-System auf den Prüfstand stellen zu wollen. Bei dem Test soll es darum gehen, in einem geschlossenen System auszuprobieren, ob sich rückwirkend feststellen lässt, welche Musik wohl in den Trainingsdaten eines KI-Modells steckt.

Nein, mit OpenAI, Hugging Face oder gar Cyberdyne Systems hat dieser Testlauf nichts zu tun, und auch eine öffentliche Breitenwirkung wie der kürzlich kolportierte Ausbruch eines KI-Modells aus einer Testumgebung wird das Projekt kaum entfalten. Für die Musikwirtschaft aber dürfte diese Ankündigung dennoch ein Meilenstein sein: Denn hier schließen sich zwei Organisationen der unabhängigen Musikverlagslandschaft mit einem KI-Unternehmen kurz, um konkret auszutesten, was deren sogenannte AI Attribution Technology zu leisten imstande ist.

Denn das Start-up Sureel AI, das kürzlich von der Warner Music Group übernommen wurde, will mit Hilfe von KI-Tools dazu beitragen, Urheber- und Persönlichkeitsrechte zu wahren beziehungsweise zu monetarisieren. Dabei soll die Technologie des Unternehmens unter anderem eine Art „KI-DNA“ für Werke erstellen, indem sie diese in ihre Bestandteile zerlegt und nachverfolgt, wie KI-Modelle diese Elemente nutzen.

„Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit Sureel bei diesem Sandbox-Projekt“, formuliert Sarah Williams, CEO von IMPEL: Bei richtiger Handhabung könne KI neue Wertschöpfungsmöglichkeiten für die Musikwirtschaft schaffen, daher wolle man ich hier konstruktiv engagieren: „Wir bewegen uns jedoch auf unbekanntem Terrain und müssen alles daransetzen, sicherzustellen, dass Musik – und insbesondere das Lied – angemessen gewürdigt wird“, macht Sarah Williams klar. KI-Inhalte hätten eine Berechtigung, ergänzt sie, „solange die vielfältigen Formen menschlicher Kunstfertigkeit und Musikkultur, auf denen sie basieren, respektiert und vergütet werden“. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, „faire und skalierbare Präzedenzfälle“ zu schaffen und neue Mechanismen ins etablierte Lizenzgeschäft zu integrieren.

Mit Details dazu, wie genau der Test laufen soll, halten sich die Parteien zunächst noch bedeckt. Klar aber, dass so ein Vorstoß gewisse Einschränkungen und Haftungsausschlussfragen nötig macht: „Es werden keine Musikwerke für das KI-Training oder für eine Nutzung außerhalb des definierten Testrahmens zur Verfügung gestellt“, heißt es denn auch als Disclaimer in einer Mitteilung der beteiligten Parteien.

Auf der Basis des Tests, verspricht Tamay Aykut als Gründer und CEO von Sureel AI, wolle man IMPEL, IMPF und deren Mitgliedern „die nötige Transparenz an die Hand geben“, damit diese in Lizenzfragen fundierte Entscheidungen treffen können: „Unsere Aufgabe ist es, eine neutrale und vertrauenswürdige Berechnungsgrundlage zu schaffen, die jede Entscheidung – einschließlich eines Opt-outs – unterstützt. Attribution funktioniert nur, wenn die Rechteinhaber ihr auch vertrauen können.“

Das bestätigt auch Annette Barrett, President der IMPF: „Dieses Sandbox-Projekt bietet eine echte Chance, Attributionstechnologie gemeinsam in einer sicheren und kontrollierten Umgebung zu testen und wirklich zu verstehen, was sie leisten kann – und was nicht.“ Sie sei überzeugt, „dass die Lizenzierung im Bereich der generativen KI nur dann fair, transparent und evidenzbasiert gestaltet werden kann, wenn eine geprüfte Attributions-Engine zum Einsatz kommt“.