Recorded & Publishing

Musikindustrie will Streaming Fraud auf Vertriebsebene eindämmen

In einer konzertierten Aktion über Major- und Indie-Grenzen hinweg gab die Recorded-Branche nun den Startschuss zur sogenannten „Streaming Integrity Initiative“. Diese internationale Initiative hat sich die gemeinsame Bekämpfung von Betrügereien im Musikstreaming zum Ziel gesetzt.

Der IFPI-Branchenverband trat am 14. September 2026 die „Streaming Integrity Initiative“ (SII) los. Im Schulterschluss mit an Bord sind unter anderem der europäische Indie-Dachverband Impala und die Lizenzplattform Merlin, die Musikmajors Universal Music, Sony Music und Warner Music, deren Vertriebsdienstleister ADA, AWAL, Fuga, The Orchard und Virgin Music sowie Indie-Vertriebsfirmen wie Absolute Label Services, IDOL, Redeye oder Secretly Distribution.

„Streaming Fraud ist ein zentrales Problem für die gesamte Musikwirtschaft und bekanntermaßen eine zentrale Priorität des BVMI“, sagte Florian Drücke als Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie bei der Vorstellung des Projekts: „Manipulation und Betrug im Streamingbereich verzerren den Wettbewerb und entziehen Künstlerinnen und Künstlern sowie ihren Partnern Einnahmen und untergraben das Vertrauen in das Streaming-Ökosystem.“

Zugleich macht Drücke klar, was den Schulterschluss der Musikindustrie über Länder- und Binnengrenzen hinweg angeschoben hat: „Da Streaming-Plattformen globale Akteure sind, muss dieses Problem auch auf globaler Ebene entschlossen angegangen werden, um die betrügerischen Aktivitäten erfolgreich einzudämmen.“ Die Streaming Integrity Initiative setze genau dort an: „Gemeinsame Mindeststandards, wirksame Prävention und Erkennung sowie der Austausch von Informationen sind wichtige Voraussetzungen, um Betrug wirksam einzudämmen. Es ist wichtig, dass alle beteiligten Akteure über Länder- und Unternehmensgrenzen hinweg hier gemeinsam Verantwortung übernehmen.“

Um Streaming Fraud zu verhindern, aufzudecken und darauf zu reagieren fixiert die Initiative eine Reihe von Maßnahmen und Selbstverpflichtungen, die branchenweit auf der Ebene der Musikvertriebe ansetzt. Teilnehmende Vertriebspartner verpflichten sich demnach in einem Fünf-Punkte-Programm zu einer Überprüfung der Rechteinhaberschaft und der Kundenidentitäten und zu einer Überprüfung von Inhalten, um Rechtsverletzungen, betrügerische Aktivitäten und KI-bezogene Risiken zu erkennen. Darüber hinaus will man Betrugsverdachtsfälle erkennen und eindämmen und gegen mögliche Wiederholungstäter vorgehen, und dazu unter anderem und soweit im rechtlichen Rahmen möglich auch Informationen untereinander austauschen. Schließlich soll eine kontinuierliche Bewertung und Stärkung von Systemen zur Betrugsbekämpfung dazu beitragen, neuen Bedrohungen entgegenzuwirken.

„Wir rufen alle Vertriebspartner dazu auf, sich zu diesen fünf Maßnahmen zu verpflichten. Gemeinsam können wir das in Ordnung bringen“, heißt es dazu auf den Onlineseiten zur Initiative. „Diese Verpflichtungen zielen darauf ab, die Prävention zu stärken, die Aufdeckung zu verbessern, Durchsetzungsmaßnahmen zu unterstützen und die branchenweite Zusammenarbeit zu intensivieren“, ergänzt zudem eine Mitteilung zur SII aus Berlin.

Die Initiative knüpft an die bereits im Frühjahr vorgestellte Kampagne „End Streaming Fraud“ an. Auf Nachfrage von MusikWoche hatten IFPI-CEO Victoria Oakley und BVMI-CEO Florian Drücke das Problem mit Streaming-Manipulationen wenig später eingehend analysiert.