Betrügereien im Streaming seien eine „leise Bedrohung“, macht IFPI-CEO Victoria Oakley in einem Beitrag der Londoner IFPI-Zentrale bei LinkedIn klar. Schließlich blieben solche Manipulationen oft unentdeckt, würden jedoch längst und „in großem Ausmaß“ stattfinden, ergänzt die Verbandschefin. Unterm Strich würden diese Aktivitäten jenen Künstler:innen, die die Entwicklung der Musikwirtschaft antreiben, „lebenswichtige Einnahmen“ entziehen.
Um Manipulationen in diesem Ausmaß zu stoppen, müssten „Streamingdienste, Content-Aggregatoren und Distributoren gemeinsam handeln“, macht Oakley deutlich: „Sie müssen bestehende Instrumente kollektiv nutzen, um Informationen auszutauschen und bewährte Verfahren anzuwenden; auf diese Weise können wir es Betrügern tatsächlich schwer und kostspielig machen, ihre Machenschaften zu verfolgen.“
Auf eigens zur Kampagne eingerichteten Onlineseiten verweist der IFPI-Dachverband auf „Bot-Armeen“ und massenhaft generierte Abrufe von Tracks, mit denen versucht werde, Umsätze zu generieren und Tantiemen abzugreifen. Weil aber Streamingdienste ihre Lizenzzahlungen an die Musikwirtschaft aus einem endlichen Umsatzpool bestreiten, ist das Urteil des Branchenverbands klar: „Das ist Diebstahl. Ganz einfach.“
In Berlin springt der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) den Londonern zur Seite: Streaming-Fraud sei „aktuell die größte Herausforderung für die Musikbranche“, mahnt der Branchenverband ebenfalls via LinkedIn „Künstlich erzeugte und veränderte Inhalte und Abrufe oder Plays verzerren den Wettbewerb zulasten der Artists und ihrer Partner.“ Zudem würden diese Aktivitäten die Verlässlichkeit von Charts untergraben, „die für Branche und Fans gleichermaßen Orientierung bieten“.
Die Entwicklung im Bereich KI würde das Problem zudem „enorm“ verschärfen: „Immer mehr Inhalte fluten die Plattformen, während Bot-Netzwerke gezielt Streams generieren, um Einnahmen abzuschöpfen. Das Geld stammt aus einem endlichen Pool an Einnahmen – und fehlt am Ende genau denen, die die Inhalte geschaffen und finanziert haben und die den Markt überhaupt erst schaffen: den Kreativen und ihren Partnern.“
Um das Problem anzugehen, stellen die Branchenverbände einen Katalog an Maßnahmen auf und fordern über die Grenzen der verschiedenen Gewerke im Musikgeschäft hinweg „robuste Identitätsprüfungen“, „konsequente Inhaltskontrollen“, eine „intelligente Nutzung von Ökosystemdaten“ und einen „engen Austausch über Branchengrenzen hinweg“.
Mit Daten, die helfen würden, das Problem einzuschätzen, warten die Organisationen indes zunächst noch nicht auf. Spotify hatte bereits im letzten Herbst von 75 Millionen entfernten Spam-Tracks binnen zwölf Monaten berichtet und später weitere Maßnahmen angekündigt, um Kreative und Hörer:innen vor den Auswüchsen von KI-Spam zu schützen. Bei Deezer berichtete CEO Alexis Lanternier zuletzt von täglich knapp 75.000 KI-generierten Tracks unter den neu hochgeladenen Songs – 650 Prozent mehr als noch 15 Monate zuvor.








