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Musikbiz brach 2001 um 10,2 Prozent ein: Auch im Minus sind Lichtblicke erkennbar

Nach der Veröffentlichung der wichtigsten Eckdaten des Jahreswirtschaftsberichts 2001 am 21. März präsentierte der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft am 23. Mai sein umfassendes „Jahrbuch 2002“ mit allen relevanten Marktdaten der deutschen Tonträgerwirtschaft. musikwoche.de fasst hier die interessantesten Branchenfakten zusammen.

Die veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2001 können nicht wirklich erfreuen: Beim Umsatz erreicht das Minus 10,2 Prozent, die Absatzzahlen sanken um 8,4 Prozent. Angesichts der allgemeinen Preissteigerung von 2,5 Prozent schlägt beim Umsatz sogar ein realer Verlust von 12,7 Prozent zu Buche. Die Umsätze der an der Verbandsstatistik teilnehmenden Unternehmen beliefen sich im Jahr 2001 auf 2,235 Milliarden Euro – nominal 10,2 Prozent weniger als noch im Jahr 2000 (2,49 Milliarden Euro). Die Plattenfirmen lieferten 244,1 Millionen Tonträger an den Handel und die anderen Vertriebskanäle aus (minus 8,4 Prozent).

Besonders eklatant werden die Verluste bei Betrachtung der einzelnen Genrebereiche: Während einige Repertoire-Segmente beim Marktanteil zulegen konnten (Rock, Schlager, Volksmusik, Kinderprodukte), konnten die Plattenfirmen ihre Umsätze lediglich in zwei Kategorien verbessern. Das Nischengenre Instrumentalmusik konnte auf niedrigstem Niveau um einen halben Prozentpunkt zulegen; Star unter den Produktklassen ist das Segment Kindertonträger: Bei einem Marktanteil von 6,3 Prozent konnten sich die Firmen bei einem Umsatz von fast 150 Millionen Euro über ein Plus in Höhe von 18,8 Prozent freuen. Besonders gebeutelt wurden dagegen die Genres Pop, Dance, Klassik, Jazz, Soundtracks/Filmmusik und Country/Folk, die allesamt zweistellige Umsatzeinbußen verzeichneten. Am stärksten waren Funk- und TV-beworbene Compilations von der Absatzflaute betroffen: Statt 40,4 Millionen Einheiten wie 2000 verkauften sich nur noch 33,6 Millionen Hit-Kopplungen (minus 16,8 Prozent).

Ein großer Lichtblick in der Branche ist indes die Entwicklung beim Absatz von DVDs. Rund 1,3 Millionen Musik-DVDs konnten die Firmen absetzen – ein Zuwachs von 111 Prozent. Auch die hochauflösenden Trägermedien DVD-Audio und SuperAudio-CD seien im Kommen, erklärt Verbändesprecher Dr. Hartmut Spiesecke: „Diese neuen Formate sind das Beste, was die Musikwirtschaft heute an Qualität bieten kann: Näher war kein Tonträger je am Original.“

Die Umsatz- und Absatzverluste führt der Bundesverband fast ausschließlich auf die weiterhin zunehmende Brennerproblematik zurück: „Das massenhafte unkontrollierte Kopieren von CDs hat sich zu einer echten Bedrohung für die Musikwirtschaft entwickelt“, erklärte Verbändechef Gerd Gebhardt. „Wahrscheinlich wurde noch nie soviel Musik gehört wie heute, aber eben nicht gekauft, weil das Kopieren so einfach und kostengünstig ist.“ Das zeige, wie attraktiv die Musik trotz allem sei. Deshalb forderte er erneut eine Anpassung des Urheberrechtsgesetzes an „die rasanten technologischen Entwicklungen“. Die schwachen Absatzzahlen verschärfen auch die Lage im Tonträgerhandel zunehmend: Das massenhafte Kopieren von CDs habe Besorgnis erregende Folgen, erklärte Bundesverbands-Geschäftsführer Peter Zombik. Verkaufsflächen für Musik schrumpfen, die Breite des Angebots lässt nach, und Händler beschränken sich in ihrer Warenpräsentation auf die erfolgreichen Produkte. Das Risiko, neuer, noch unbekannter Musik Regalfläche freizuhalten, wollen nur noch wenige eingehen. Den größten Umsatzanteil am Handelsmarkt haben nach wie vor Großbetriebsformen, also die Megastores, Warenhauskonzerne und Elektromärkte mit 39,4 Prozent, sowie die Facheinzelhändler, Verbrauchermärkte und Filialunternehmen mit 35,1 Prozent. Leicht zulegen konnte der Bereich Direct Mailorder, der nun 19,9 Prozent der Handelsumsätze generiert. Internet-Mailorder-Firmen tragen dazu mit einem Anteil von 6,4 Prozent bei.

Dagegen liegt der Anteil derjenigen Konsumenten, die mit mehr als neun gekauften Tonträgern pro Jahr für die Branche so wichtig sind, nur noch bei 4,6 Prozent. Noch 1999 machten diese Intensivkäufer 6,0 Prozent der Musikkunden aus und sorgten dabei für 46,1 Prozent der Umsätze. Im Jahr 2001 waren es nur noch 37,5 Prozent Umsatzanteil. Parallel dazu steigt die Zahl der Nichtkäufer immer mehr an (52,7 Prozent), die sich laut den Erkenntnissen der GfK-Studie zunehmend im Internet oder per CD-Brenner mit Musik versorgen. Auch der theoretische Pro-Kopf-Umsatz des Durchschnittskunden sank erneut.

Die regressive Marktsituation hatte auch Auswirkungen auf die Zahl der Beschäftigten in der Tonträgerbranche: Arbeiteten im Jahr 2000 noch 13.000 Menschen auf Herstellerseite und 22.500 im Groß- und Einzelhandel, so sanken diese Zahlen im Jahr 2001 auf 12.200 beziehungsweise auf 22.000. Obwohl von einigen Verbraucherorganisationen immer wieder gefordert, scheint eine Senkung der CD-Preise mit dem Ziel der Marktbelebung für den Verband nicht nötig: Während die allgemeinen Lebenshaltungskosten in den letzten zehn Jahren um 25,7 Prozent anstiegen, verteuerten sich Tonträger nur um 5,3 Prozent – und dabei deutlich moderater als Vergleichbare Kultur- und Mediengüter.

Unterm Strich bleibt für die Musikwirtschaft die Zuversicht, dass sich mit Hilfe des flächendeckenden Einsatzes von Kopierschutzmechanismen bei CDs und dem damit verbundenen gesetzlichen Schutz vor Umgehungstechnologien eine Erholung der angespannten Marktlage einstellen wird. Zudem geht der Verband davon aus, dass es künftig nicht mehr allein der Verkauf von Trägermedien ist, der den Löwenanteil des Umsatzes von Musikfirmen ausmacht. Man produziere ja „nicht nur die kleinen bunten Silberscheiben, sondern vor allem die Musik, die darauf gespeichert ist“, so Verbändechef Gerd Gebhardt.