Recorded & Publishing

Motivationsschub mit Dopp-Priorität

Mit einer kämpferischen Rede gab Bernd Dopp, President Warner Music Group, bei der Jahrestagung in Hamburg den Kurs für eine Firma vor, die sich selbstbewusst den Herausforderungen des Marktes stellt. www.musikwoche.de dokumentiert die Kernaussagen.

Wir haben unser Team für die Herausforderungen der Zukunft neu aufgestellt. Und das aus gutem Grund: Denn wenn sich Märkte derart schnell und radikal verändern, besteht die Gefahr, dass man dem „freien Spiel der Kräfte“ ausgesetzt wird, wenn man nicht rechtzeitig agiert. Um den heutigen Herausforderungen des Tonträgermarktes gewachsen zu sein, müssen wir unser Tun stetig hinterfragen und uns immer wieder neu definieren. Die Zeiten, in denen Strategien und Geschäftsmodelle über Jahrzehnte erfolgreich waren und ab und an nur geringfügig justiert werden mussten, sind endgültig passé. Die Konsumenten sind, und das gilt nicht nur für unsere Branche, entschieden unberechenbarer geworden.

2001 war für Warner Music Germany ein Jahr des Umbruchs, der Konsolidierung und der Neuorientierung. Wir mussten die Signale, die vom Markt her kamen, sehr ernst nehmen und schnellstmöglich in unser unternehmerisches Handeln einfließen lassen, um Schaden von unserer Company abzuwenden.

Wir haben die Company sowohl inhaltlich als auch qualitativ wesentlich verbessert. So wurden Hierarchien abgebaut und Kommunikationswege verkürzt. Wir haben seit November diverse neue Mitarbeiter eingestellt und zusätzliche neue Stellen kreiert.

Wir müssen feststellen, dass andere Major-Companies die Umstrukturierungen, die wir bereits hinter uns haben, gerade durchleben oder noch vor sich haben. Das bedeutet, wir haben einen ganz klaren Wettbewerbsvorteil: · Die Umstrukturierung liegt hinter uns. · Wir haben hervorragende neue Leute im Team. · Unsere Belegschaft besteht aus dem richtigen Mix aus Erfahrung und jungen kompetenten Menschen.

Wir haben unseren Album-Chartanteil von Januar bis April von 14,2 auf 18,6 Prozent gesteigert. Bei den Singles haben wir eine Steigerung von 8,3 auf 10,8 Prozent zu verzeichnen. Aber da geht’s jetzt erst richtig los. Der Markt ist auf das Jahr gesehen um 13,8 Prozent zurückgegangen; wir haben uns – gegen den Markttrend – positiv entwickelt. Unser Umsatz steigerte sich im ersten Quartal im Vergleich zum letzten Jahr um 18 Prozent. Unseren Marktanteil haben wir von 13,3 auf 15 Prozent erhöht. Damit sind wir unserem Ziel, die Nummer zwei in Deutschland zu werden, schon ein schönes Stück näher gekommen.

Im übrigen bin ich der Meinung, solange man A&R-Präsenz in den wichtigsten Kreativmetropolen vor Ort hat, ist die Frage des Standortes nicht von einer solchen Bedeutung, wie oft zu lesen ist. Wir haben mit Bands wie Deadline, Tok Tok, Cultured Pearls und Act, dem heißesten Berliner Act, ausgezeichnete Berliner Künstler unter Vertrag. Erfolgreiche Singles und Kontinuität beim Artist Development – das ist unsere Philosophie.

Die Top-Priorität unter unseren strategischen Geschäftsfeldern sind für uns DVD Video und DVD Audio – zwei Konfigurationen, die sehr schnell miteinander verschmelzen werden. Im Herbst wird es einen massiven Relaunch der DVD von Warner Music geben. Dieser wird dann auch Titel von aktuellen Superstars enthalten.

Es ist ein Skandal, dass einige Printmedien, allen voran die „ComputerBild“, öffentlich zum Raubkopieren auffordern und uns auf unverschämte Weise als maßlose Musikmanager diffamieren, die ihren Stars, trotz rückläufiger Umsätze, die Taschen mit Millionen vollstopfen. Das darf von der Politik nicht länger ignoriert werden. Wir brauchen mehr Unterstützung vor allem bei der Gesetzesänderung, die das Umgehen eines Kopierschutzes auf CDs verbietet. Man stelle sich vor, wie die Autoindustrie reagieren würde, wenn „AutoBild“ mit der Schlagzeile titeln würde: „Wegfahrsperren knacken – leicht gemacht. Wir zeigen Ihnen, wie“s wirklich geht“.

Wir werden uns nicht in den Chor der Lamentierer einreihen – es gibt keine A&R-Krise. Es gibt vielleicht einige Unternehmen, die eine A&R-Krise haben – Warner Music gehört nicht dazu.