Die Software-Firma StreamCast Networks, Entwickler der P2P-Applikation Morpheus, will sich auch nach dem Urteil des U.S. Supreme Court nicht geschlagen geben. Der oberste amerikanische Gerichtshof hatte StreamCast für schuldfähig befunden und der Firma eine Haftungspflicht für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer bescheinigt. Firmenchef Michael Weiss will nun vor Gericht die Unschuld von StreamCast/Morpheus beweisen. Weiss sieht sich nämlich im Recht: „Morpheus ist seit dem ersten Tag der Inbetriebnahme ein legitimes Angebot“, erklärt er im Gespräch mit MusikWoche. „Der Supreme Court hat unseren Fall zurück an die niedere Instanz verwiesen, wo nun aufs Neue ermittelt werden soll, ob unsere Firma zur Verletzung von Urheberrechten anstiftet.“
StreamCast hat bereits am 3. Oktober seine Anträge vor dem nun zuständigen Berufungsgericht eingereicht und muss am 7. November vor dem Richter erscheinen. Doch Weiss gibt sich zuversichtlich: „Wir glauben, dass StreamCast nie zu Rechtsverletzungen verleitet hat. Es dürfte schwer sein, uns das Gegenteil nachzuweisen.“ Unterdessen setzt StreamCast verstärkt auf gewerbliche Downloadangebote. Morpheus hat jüngst einen Contentdeal mit dem Digitalvertriebsdienstleister IRIS abgeschlossen. Mehr als 250 Independentlabels, die sich von IRIS vertreten lassen, werden ihre Musik künftig als Bezahlangebote über Morpheus verkaufen. StreamCast nennt dieses Geschäftsmodell für die Rechteinhaber Peer Response und spricht von „buchstäblich Millionen von autorisierten Files“, die über P2P vertrieben werden dürften. Neben dem Vertrag mit IRIS könne Morpheus auch Games der Firmen TryMedia Games und Softwrap anbieten.
Von Major-Musik fehlt jedoch bislang jede Spur, auch Anzeichen von Lizenzgesprächen sind nicht zu erkennen. „Selbst wenn die Majors nicht an Bord kommen sollten, sehe ich eine robuste Zukunft für P2P-Filesharing“, so Weiss. Seine Firma werde jedenfalls weiterhin Rechteinhabern attraktive Kooperationsangebote machen. Doch von einer Einschränkung des offenen P2P-Tauschs sagt Weiss nichts. Stattdessen hält er an seiner Überzeugung fest: „Jeder fragt sich: Wird irgendjemand für Musik bezahlen, wenn man gleichzeitig kostenlose Files und kommerzielle Downloads anbietet? Die Antwort ist ja, ja und noch mal ja.“
Mehr zur aktuellen Situation der P2P-Firmen lesen Sie im Dossier in MusikWoche, Heft 44.






