Recorded & Publishing

Mit Kate und Bob zum neuen Job

Der im Juli könnte personelle Lücken bei Universal Music hinterlassen. Doch der Musikkonzern baut vor: Mit einer ungewöhnlichen Recruiting-Kampagne will das Unternehmen drohende Engpässe vermeiden.

“Der Sinn des Umzugs von Hamburg nach Berlin ist das optimale Environment, nicht der Abbau von Arbeitsplätzen“, versichert Tim Renner, President & CEO des Majors. „Über 60 Prozent unserer heutigen Mitarbeiter gehen mit nach Berlin, was mich persönlich sehr freut, da hierdurch auch Kontinuität im Hause gewahrt wird. Was die personellen Wechsel betrifft, arbeiten wir wegen eines reibungslosen Übergangs bereits heute teilweise mit doppelter Besetzung oder verstärken uns bei Kündigungen sofort wieder.“

Trotz aller erhoffter Stabilität muss Renner jedoch 40 Prozent seiner Belegschaft erneuern. Dass eine Firma wie Universal dabei nicht nur zu konventionellen Recruitment-Methoden greift, überrascht. Kern der Job-Kampagne sind die TV-Spots mit den Protagonisten Kate & Bob: Nach dem Vorbild schlecht synchronisierter US-Dauerwerbesendungen, in denen für gewöhnlich „amazing discoveries“ à la 57-Funktions-Küchen-Maschine oder völlig nutzwertfreie Fitnessgeräte angepriesen werden, verkaufen Kate & Bob ihre „amazing jobs“. Von Finanzbuchhaltung über Copyright Accounting bis hin zu Radio-Promotion – alles ist bei Kate & Bob im Angebot. In gewohnt überzeichneter Manier und nur selten im Einklang von Bild und Ton. Angekündigt wurden die TV-Spots bereits auf den Programmseiten Berliner Printobjekte wie „Tip“, „Zitty“, „Flyer“, „Sergej“, „Events“ oder „030“. Dort war dann jedoch von skurrilen TV-Verkäufern die Rede, die in Übersee bereits erfolgreich eine Show namens „Kaufvergnugen“ präsentieren. Alles Schwindel freilich. Wahr ist hingegen, dass Universal die TV-Spots gezielt im „unseriösen“ Umfeld einsetzt: Zu nächtlicher Stunde nämlich – zwischen Clips, in denen dürftigst bekleidete Damen die Dienste von 0190-Telefonnummern stönend loben; oder in den Werbepausen echter Homeshopping-Shows sowie der Sun-TV-Shows „Blondes Gift“ und „Formel Eins“.

Die Entscheidung für dieses Werbeumfeld fiel bewusst: „Das ist sicher nicht die klassische Recruiting-Kampagne“, weiß Jacob Bilabel, Vice President New Business & Corporate Communications bei Universal. „Soll es auch nicht. So wie auch in der Musik die wirklich aufregenden Ideen rechts und links vom Mainstream zu finden sind, haben wir auch mit unserer Kampagne versucht, andere Wege zu den besten Mitarbeitern zu finden.“ Mit dem gewählten Umfeld soll es gelingen, „genau die abzuschrecken, denen das alles zu unseriös scheint“. Mit dieser Art von Außenkommunikation definiere sich auch das Image des Unternehmens, so Bilabel. „Seit die Kampagne regional in Berlin läuft, haben wir am Tag zwischen 100 und 250 Bewerbungen. Und die Besten haben wir natürlich schon eingestellt.“