Jean-Michel Baer, Direktor der EU-Kommission für Ausbildung und Kultur, beklagte eingangs der Diskussion, dass in der Vergangenheit der Dialog zwischen deutschen und französischen Musikexperten fehlte. Mittlerweile habe sich die Situation aber verbessert, es bestehe eine „Harmonie der Perspektiven“, wie Prof. Dr. Jürgen Becker, Mitglied des Vorstands der GEMA, erklärte. So waren sich die Teilnehmer einig, dass eine „große einzigartige Zusammenarbeit“ theoretisch schon vollzogen sei, die Umsetzung in die Praxis stehe jetzt auf der Tagesordnung.
Diese Umsetzung dürfte sich zwar noch eine Weile hinziehen, das Wunschkind hat aber immerhin schon einen Namen: Deutsches Musikexportbüro soll es heißen, analog dem bereits seit Jahren erfolgreich operierenden französischen Pendant, dem Bureau de la Musique Française (BEMF). Seine Aufgabe: Deutsche Produktionen im Ausland bekannt machen und für eine Öffnung ausländischer Märkte für deutsche Produkte sorgen. Peter James, als Präsident des VUT – Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Produzenten (VUT) die Stimme der Indies, wies darauf hin, dass Produkte aus dem Ausland zwar nach Deutschland gelangen, dass aber „die Deutschen nicht mit im Spiel sind, wenn es um die Zirkulation ins Ausland geht“. Angesichts von rund 3000 Musikproduzenten in Europa und rund 120 unabhängigen Vertrieben mangele es einigen Independent-Plattenfirmen schlicht an Know-How in Sachen Kontaktpflege, hinzu kommen zeitliche und finanzielle Hindernisse. Hier könne ein Musikexportbüro vielerlei Hilfestellung leisten. James plädierte für eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene, was den Export von Musik in den Weltmarkt angeht: „Es ist einfacher, als Europäer aufzutreten, als getrennt als Deutsche und Franzosen zu marschieren“. Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, stimmte den Thesen von James zu und wies mit eindringlichen Worten auf die CD-Brenner-Problematik hin. Illegale CD-Kopien würden letztlich auch die musikalische Kultur in Frage stellen. Gehe die Brennerei unvermindert weiter, sei die Finanzierung deutscher Musikproduktionen gefährdet, betonte Gebhardt und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die deutsche Gesetzgebung im Sinne der Musikbranche reagieren werde.
Michael Bisping, Vorstandsmitglied des idkv und Geschäftsführer von A.S.S. Concert & Promotion, brachte aus der Sicht der Konzertveranstalter neue Aspekte in die Diskussion ein. Im Rock- und Popbereich erlebt Bisping nach eigenen Worten ein „Europa der verschlossenen Türen“ – internationale Tourneen seien für noch nicht etablierte oder nicht von der Industrie unterstützte Bands nicht zu realisieren. Ohne Präsenz auf dem ausländischen Markt keine Tournee – auf diese Formel brachte der idkv-Vorstand die Misere und erklärte: „Eine Tournee generiert keine Nachfrage, sie befriedigt bereits vorhandene Bedürfnisse“. Selbstkritisch merkte er an, dass aber auch viele Veranstalter zu wenig über ihre ausländische Kollegen wüßten. Veranstaltungen wie die Fachmesse seien indes bestens geeignet, neues Repertoire kennenzulernen und neue Kontakte zu knüpfen. Wie der deutsch-französische Musikdialog in den kommenden Monaten weitergehen soll, blieb in Cannes noch unklar. In der Politik stehen die Anliegen der Musikbranche bereits im Februar wieder auf der Tagesordnung: Der Bundestag debattiert im Februar die Große Anfrage der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über den Zustand der deutschen Popmusik. Dessen Initiator, der CDU-Abgeordnete Steffen Kampeter, machte mit einer Presseerklärung, die während der Midem veröffentlicht wurde, noch einmal seinen Standpunkt in Sachen Musikexportbüro deutlich: Er forderte dessen Gründung und warf der Bundesregierung vor, dass sie die .






