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Michael Russ: „Ziel ist es, Sensibilität zu wecken“

Am 17. September diskutieren im Münchner Literaturhaus im Rahmen des MBA-Seminars „Musik am Fördertropf“ über die Musikwirtschaft und die öffentliche Subventionspolitik. Unter anderem mit dabei: Verbändechef Gerd Gebhardt und Michael Russ, Präsident des Verbands deutscher Konzertdirektionen. musikwoche sprach mit dem Veranstalter-Experten über die Konkurrenzsituation zwischen den Veranstaltern und der öffentlichen Hand.

mw: Wie beurteilen Sie die aktuelle Konkurrenzsituation zwischen der privaten Musikwirtschaft und der öffentlichen Hand? Michael Russ: Die Zukunft wird zeigen, ob sich die Öffentliche Hand bei immer geringeren Ressourcen weiteres Konkurrenzdenken leisten kann und ob sie zu den Ursprüngen der Subventionspolitik zurückfindet: Dort nicht mit subventionierten Konzerten auf den Markt zu drängen, wo der privatwirtschaftliche Markt funktioniert.

mw: Haben Sie den Eindruck, dass sich die Politik für die Thematik zunehmend interessiert? Russ: Der Hauptansatz für das Symposium ist ja gerade, die Aufmerksamkeit der Politik zu gewinnen. Bisher findet dieses Hinsehen nur regionalbezogen statt, und auch da nur sehr gering. Leider lassen sich mit den Problemen der klassischen, aber auch der Unterhaltungsmusik zu wenig Wählerstimmen holen.

mw: Wie beurteilen Sie die Chancen, per Gesetzgeber fuer eine klarere und restriktivere Regelung, welche Konzerte die öffentliche Hand organisieren darf, zu erreichen? Russ: Wir haben uns mit genügend Gesetzen zu beschäftigen. Denken Sie nur an die Steuergesetzgebung, die für ausländische Künstler sehr schwer zu verstehen ist. Nein, das kann nicht das Ziel sein. Ziel ist es, bei den Verantwortlichen Sensibilität für unsere Probleme zu erwecken. Wenn uns dies gelingt, wird es ohne Gesetzgeber ein gutes Nebeneinander geben. Kulturpolitik funktioniert im Zweifel nie mittels Gesetzen, sondern durch das Gespür für Kreativität in einem offenen Markt. Das Seminar wird zeigen, ob wir – und seien es nur Ansätze – diesbezüglich positiv in die Zukunft schauen können.

mw: Was versprechen Sie sich vom Seminar „Musik am Fördertropf“? Russ: Wir wollen auf das Ungleichgewicht zwischen der privat veranstalteten und der öffentlich subventionierten Kultur aufmerksam machen. Ein Aufbereiten der gegebenen Situation, um Lösungen für die Zukunft, insbesondere bei der Vergabe von Veranstaltungsorten, zu finden: Dies als Ergebnis des Seminars wäre der nicht zu erwartende Idealfall.

Infos und Anmeldung: www.m-mba.de