Angesichts der zunehmend kritischen wirtschaftlichen Verfassung seines Konzerns erwägt Vivendi-Universal-Chef Jean-Marie Messier nun offenbar erneut einen Rückzug aus dem Wassergeschäft. Wie die Pariser Zeitung „Le Monde“ berichtet, wird der bei Anlegern umstrittene Konzernchef dem Aufsichtsrat voraussichtlich am Mittwoch vorschlagen, sich von 15 Prozent des Wasserversorgers Vivendi Environnement, an dem der Konzern derzeit noch 64 Prozent hält, zu trennen. Der Analyst Henri de Mortemart von Dexia Securities hält den Verkauf für sehr wahrscheinlich: „Es ist die letzte Chance für Messier, seinen Kopf zu retten und einen Zusammenbruch des Konzerns abzuwenden.“ In Investorenkreisen gilt eine Absetzung von Messier immer noch als möglich. Vivendi würde sich mit dem Teilverkauf noch weiter von dem Bereich entfernen, der seit 150 Jahren sein Kerngeschäft ausgemacht hat, und die Umwandlung zum reinen Entertainment-Unternehmen fortführen. Bereits Anfang April hatte Messier den Verkauf von Teilen des Wassergeschäfts in Erwägung gezogen, musste seine Pläne dann aber auf der Hauptversammlung auf Druck zahlreicher französischer Politiker, darunter Präsident Jacques Chirac, revidieren. Die Politiker hatten erklärt, sie würden den Verkauf an einen ausländischen Investor erschweren. Der Aktienkurs von Vivendi ist seit dem Kauf der Medienunternehmen Seagram und Canal Plus im Jahr 2000 um 77 Prozent gefallen, weswegen einige Analysten den Konzern bereits mitunter als Übernahmekandidaten bewerten, sollte die Aktie weiter an Wert verlieren.
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