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Merlin soll Indies auf Augenhöhe mit den Majors bringen

Mit der Labels und Märkte übergreifenden Lizenzagentur Merlin wollen die unabhängigen Musikfirmen vor allem eines klarmachen: Ohne Indies geht im Musikgeschäft des 21. Jahrhundert nichts mehr. Man wolle weg vom Image der „armen Verwandtschaft“, hieß es auf der Midem.

Mit der Labels und Märkte übergreifenden Lizenzagentur Merlin wollen die unabhängigen Musikfirmen vor allem eines klarmachen: Ohne die Independents geht im Musikgeschäft des 21. Jahrhundert nichts mehr. Man wolle weg vom Image der „armen Verwandtschaft“, hieß es auf der Midem, wo führende Vertreter der Indies am 20. Januar das gemeinsame Großprojekt vorstellten.

Die zentrale Anlaufstelle für die Erteilung globaler Nutzungsrechte von Indie-Repertoire werde den Marktzugang für alle Mitglieder verbessern und gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen – vor allem im Wettbewerb mit den Majors. Vorbei sollen nun bald die Zeiten sein, in denen unabhängige Firmen von Vermarktern im Online- und New-Media-Bereich entweder mit minderwertigen Deals abgespeist oder gar völlig ignoriert wurden. „Die gegenwärtige Form der Copyright-Apartheid, die oft für die Rechte der Independents zu gelten scheint, ist inakzeptabel“, erklärte Charles Caldas, der künftig die Rolle des CEO von Merlin übernimmt.

Der Australier bringt dabei den Anspruch seiner Auftraggeber prägnant auf den Punkt: „Gemeinsam sind wir größer als der größte Major.“ Und Martin Mills, als Chairman der Beggars Group und des Indie-Verbands Impala auch Vorsitzender des Steuerungskommitees von Merlin, blies ins gleiche Horn: „Merlin wird gebündelt all jene Lizenzen erteilen, die individuell gar nicht lizenzierbar wären. So werden wir vereint quasi zu einem fünften Major.“

Die Macher betonten jedoch, dass man mit dieser Initiative keineswegs in den Gefilden von Verwertungsgesellschaften wildern wolle. Vielmehr gehe es darum, eine Lücke zu schließen: Zwischen den Dienstleistungen, die Verwertungsgesellschaften ihren Mitgliedern anbieten können, und dem, was Labels, Aggregatoren und Digitalvertriebsdienstleister einzeln erreichen können. „Merlin wird es weltweit allen unabhängigen Firmen ermöglichen, schon vom Start weg auf neuen digitalen Diensten vertreten zu sein. Zudem werden diese Dienste mit Hilfe von nur einem Vertrag Zugang zum gesamten Repertoire erhalten. Was könnte man von so einem goldenen Plan mehr erwarten?“, befand !K7-Chef Horst Weidenmüller.

Auch erste Beobachter äußerten sich zuversichtlich zu den Ambitionen der Indies. Analyst Ted Schadler von Forrester Research schreibt Merlin das Potenzial zu, das Gleichgewicht im Musikmarkt zu Gunsten der Indies zu beeinflussen. Vorausgesetzt, dass die Lizenzagentur alle Prozesse rund um Verwaltung, Vertrieb, technologische Umsetzung und Tantiemenabrechnung effizient löst, würden künftig auch die kleinsten Labels auf Augenhöhe mit den Konzernen agieren können.

Das Merlin-Projekt wurde bereits von vielen Firmen und Verbänden in den entscheidenden Märkten ratifiziert. So haben u.a. die internationale Dachorganisation World Independent Network (WIN), der deutsche VUT, Impala, die britische AIM, die französische UPFI, die kanadische CIPRA, zahlreiche Mitglieder des US-Verbands A2IM sowie Labels, Vertriebe und Verbände aus Schweden, Norwegen, Dänemark, Australien, Japan, Brasilien, Spanien, Israel, Südafrika und Neuseeland der Gründung von Merlin zugestimmt.

Merlin wird als Schwestergesellschaft des WIN fungieren und sich als gemeinnütziges Projekt aus Mitteln der WIN-Mitglieder finanzieren. Firmensitz wird in London und in den Niederlanden sein.

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