Im Alter von 90 Jahren starb am 1. Juli einer der Pioniere des modernen Musikgeschäfts. Irving Green war Mitbegründer der Plattenfirma Mercury Records und galt Afroamerikanern als Türöffner in die Branche.
1945 gründete er zusammen mit Berle Adams und Arthur Talmadge in Chicago das Label Mercury, das in den Folgejahren auch mit Tochterlabels wie EmArcy, Cumberland, Fontana oder Smash Erfolge feierte. Zu den Künstlern, die in der Frühphase den Ruhm der Firma begründeten, zählten u.a. Frankie Laine („Rawhide“), Patti Page („Tennessee Waltz“), Sarah Vaughan („My Funny Valentine“), Dinah Washington („What A Difference A Day Makes“), Vic Damone, Charlie Parker, Dizzy Gillespie, The Platters oder The Big Bopper.
Green wuchs in den 1930er-Jahren als Sohn eines weißen Anstreichers im sozial schwachen Westen Chicagos auf und kannte daher wenig Berührungsängste mit anderen ethnischen Gruppen. Schon früh bekannte sich Mercury also zu schwarzen Musikern und verhalf diesen zu Erfolgen jenseits der damals noch ausgeprägten Rassengrenzen. 1964 hatte man mit „Hello, Dolly!“, der ersten Nummer eins von Louis Armstrong, einen großen Hit. Im gleichen Jahr verpflichtete Green bei Mercury den ersten Afroamerikaner für eine Führungsposition in der Branche: Quincy Jones wurde Vice President A&R.
In dieser Zeit begann die Geschäftsbeziehung zwischen Mercury und der niederländischen Plattenfirma Philips, die im Zuge ihres Wachstums Anfang der 1970er-Jahre Mercury aufkaufte und zu einer Tochter der PolyGram-Gruppe machte. Seit der Fusion von PolyGram und MCA/Universal 1996 ist Mercury ein Label der Universal Music Group. Als einer der kaufmännischen Geniestreiche Greens gilt der Erwerb des Musikverlags Chappell, für den er im Jahr 1962 rund 42 Mio. Dollar bezahlt hatte. Zwölf Jahre später stieß er ihn für 110 Mio. Dollar wieder ab.





