Recorded & Publishing

MediaOnline steht vor Einigung mit GEMA

Zum Start von Phonoline wartet auch MediaMarkt mit einem überarbeiteten Musikangebot im Internet auf. Was früher unter www.hotvision.de lief, präsentiert sich nach einem Relaunch unter dem Logo MediaOnline übersichtlicher und vielseitiger.

Früher konnte man den Eindruck gewinnen, die Ingolstädter wollten die Besucher ihrer Website in den nächsten MediaMarkt lotsen und Onlineverkäufe auf Sparflamme halten. Mit dem neuen Outfit von MediaOnline sieht das seit Januar anders aus: Auf der Startseite von www.mediamarkt.de führt ein deutlicher Link zum Shop. Und neben einer separaten Handyabteilung sowie der Dienstevermittlung (AOL, Tiscali, Jamba-Schutzbriefe, Fotoalbum) gibt es nun die Abteilung „Musikdownloads“. Dort stehen rund 200.000 Tracks mit Preisen zwischen 59 Eurocent (zum Beispiel für „Red River Rock“ von Mark Orlando) bis 1,79 Euro („Augen auf“ von Oomph!) zur Verfügung. Von den Majors ist bis jetzt nur Sony Music noch nicht dabei – aber das soll sich, so Martin Gläser, Geschäftsführer der Media Markt Online GmbH, bald ändern.

Bemerkenswert am neuen Downloadangebot von MediaOnline ist freilich ein anderer Aspekt: Während IFPI und GEMA noch miteinander streiten, weil die geforderten 15 Prozent Urheberanteil die Rentabilitätsgrenze für einzelne Downloads allzu sehr strapazieren, hat Gläser mit der Verwertungsgesellschaft einen Direktvertrag geschlossen: Rückwirkend ab 1. Januar 2004 zahlt MediaOnline den Urheberanteil direkt an die GEMA. Mit dem bisher üblichen Satz lässt sich beim Download kaum genug verdienen, wie eine Musterkalkulation der Wertschöpfungskette zeigt. Bei den gegebenen Konditionen liegt der Schluss nahe, dass alle Downloads, die weniger als 1,20 Euro kosten, für Internethändler nichts einbringen. Gläser findet indes etwas anderes wichtig: „Wir bieten mit unserem Shop ein Lieferantenmodell an, bei dem potenziell alles möglich ist.“ Mit Jamba existiert bereits eine Kooperation; mit Saturn wäre sie prinzipiell denkbar, auch wenn sich die Konzernkollegen zum Phonoline-Konzept bekennen.

MediaOnline-Projektmanager Joachim Mosthaf weist darauf hin, dass sich auch die technischen Gegebenheiten flexibel handhaben lassen: „Wir bekommen zurzeit die Files von OD2 im DMR-geschützten WMA-Format geliefert.“ Doch der Shop der Ingolstädter könne von MP3 mit Wasserzeichen bis hin zu AAC beliebige Dateiformate verarbeiten, sofern der Rechteinhaber damit einverstanden ist. Auch bezüglich des Digital-Service-Partners ist der Shop flexibel; er kann parallele Verbindungen zu mehreren DSPs verarbeiten. Ziel von Martin Gläser ist ein Höchstmaß an Flexibilität in diesem neuen Geschäftsfeld. Seit dem Relaunch Anfang Januar gab es pro Monat rund 2,5 Mio. Besucher im Downloadshop; insgesamt wurden rund 40.000 Downloads verkauft. „Mit dem Start von hotvision.de im Dezember 2002 waren wir in Deutschland der erste labelübergreifende Downloadshop“, betont Martin Gläser. „Und im Übrigen freuen wir uns“, ergänzt Joachim Mosthaf, „dass uns,ComputerBild‘ zum Testsieger bei den Musikdownloadangeboten kürte.“ Dafür gab es zwar trotzdem nur die Note „ausreichend“, doch Mosthaf meint augenzwinkernd: „Ich bin sicher, dass wir bald auf ein Gut kommen“.