Der „Geschmacksverstärker“, eine freistehende Computerstation mit einem Touch-Screen-Monitor, verbinde die Vorteile einer digitalen Vorspielstation mit den Möglichkeiten eines digitalen Verkaufsberaters, erläutern Christoph Hobein, Warenbereichsleiter Tonträger, Video & DVD der Münchner MediaMärkte, und Raphael Seelig, Director of Music Development der in Tel Aviv ansässigen Firma Music Genome. Hobein ergänzt: „Unser Ziel ist es, den Konsumenten auch Titel aus dem Backprogramm schmackhaft zu machen.“ Dazu können sich Interessenten innerhalb weniger Minuten über das System registrieren und ein individuelles Geschmacksprofil anlegen lassen.
Das System wählt über einen Zufallsgenerator zehn Titel in einer Länge von 30 Sekunden aus, die Kunden dann auf einer fünfstufigen Skala als gut oder schlecht bewerten können. Anschließend verfeinert der „Geschmacksverstärker“ die Kundenprofile mittels weiterer Bewertungen. Zudem besteht für Kunden die Möglichkeit, bestimmte Genres auszuschließen oder musikalisch ähnliche Titel durch das System auswählen zu lassen. Dazu greift der Rechner des Geschmacksverstärkers auf eine Datenbank von mehr als 150.000 CDs zu. Diese Titel analysierte Music Genome laut Seelig anhand von 150 unterschiedlichen Parametern nach wissenschaftlichen Kriterien und Künstlichen-Intelligenz-Algorhythmen. Innerhalb der ersten beiden Testwochen registrierten sich bereits 670 Nutzer für den anmeldepflichtigen Bereich des Systems.
Den aktuellen Test bis Ende Januar führt MediaMarkt nach Auskunft von Hobein zunächst mit acht Stationen in zwei Outlets durch. Bislang würden die Titel noch von Music Genome selbst in die Datenbank eingespeist, erläutert Seelig, allerdings liefen bereits Gespräche mit PhonoNet über die Nutzung der Songs vom PhonoNet-Soundserver. „Von unseren Kapazitäten her haben wir die Möglichkeit, MediaMarkt im kommenden Jahr komplett mit dem System auszustatten“, sagt Seelig.
Um den Kunden den zeitlichen Aufwand mit dem „Geschmacksverstärker“ zu versüßen, setzt MediaMarkt das System derzeit zusammen mit einem Coupon-Drucker ein. Für jeden Titel, den ein Kunde mit Hilfe der Plattform auswählt, erhält er eine Gutschrift in Höhe von einer Mark, die er beim Kauf des Titels an der Kasse einlösen kann.
Als erstes Handelshaus setzte die israelische Dependance von Tower Records seit März 2001 auf das neue System: Bereits mehr als zehn größere Häuser der insgesamt mehr als 40 Tower-Filialen seien dort mit dem Geschmacksverstärker ausgestattet, erläutert Seelig. „Bei Tower fanden die Mitarbeiter heraus, dass der Service mit gängigen Vorspielstationen ein gewisses Problem darstellt: CDs müssen von einem Mitarbeiter geöffnet und eingelegt werden und die Zahl der defekten Trays steigt erheblich.“ Außerdem, so erläutert Seelig, hörten die meisten Kunden viel länger in einzelne Titel hinein, als für eine Kaufentscheidung notwendig sei. Amerikanische Studien hätten gezeigt, dass sich Kunden meist innerhalb von 20 Sekunden entschieden haben, ein Stück zu kaufen.
Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen Music Genome hat seinen Firmensitz in Tel Aviv und eine US-Vertretung in Palo Alto. Laut Seelig ließ sich Firmengründer und CEO Dan Gang von Besuchen in einem Fachgeschäft zu seiner Entwicklung inspirieren. Dort hätte ein Verkäufer ihn wiederholt auf Titel hingewiesen, die ihm nach seinen bisherigen Käufen auch gefallen könnten. Aufgrund dieser Beratung fragte sich Gang nach den Regeln musikalischen Geschmacks und entwickelte eine Software mit „musikalischer Intelligenz“.
Music Genome will mit der mittlerweile patentierten Software sowohl den stationären als auch den Online-Handel ansprechen. „Wir waren zunächst mit verschiedenen deutschen Händlern im Gespräch“, erläutert Seelig. „MediaMarkt stimmte dem Test sofort zu, die anderen ließen sich dagegen zuviel Zeit zum Überlegen.“






