Die jüngsten Marktforschungsergebnisse zur Absatzentwicklung im iTunes Store haben weltweit zu Meldungen geführt, die vom angeblichen „Kollaps“ der Downloadverkäufe berichten. Doch bei näherer Betrachtung sind die Abgesänge auf das Musikgeschäft von Apple reichlich verfrüht. Zwar kommt das Weihnachtsgeschäft mit CDs – vor allem in den USA – nicht in Schwung, doch nun sollte die Branche auch das noch verkraften: Die Marktforscher von Forrester hatten ermittelt, dass der Downloadabsatz im iTunes Store weit hinter den Erwartungen zurückbleibt (MusikWoche berichtete).
Seit Januar sei der monatliche Umsatz um 65 Prozent gefallen, hatte Analyst Josh Bernoff erklärt, der sich bei seiner Studie auf die Auswertung von 2791 US-Kreditkartenkunden stützt. Die Forrester-Untersuchung legt nahe, dass das Wachstum im iTunes Store massiv abgeflaut ist und auch bis Ende des Jahres keine Zuwächse mehr zu erwarten seien. Laut Bernoff hätten in diesem Jahr nur drei Prozent aller US-Haushalte bei iTunes eingekauft und dabei durchschnittlich lediglich 35 Dollar ausgegeben. Bernoffs Schlussfolgerung: „Selbst bei 99 Cent pro Song sind die meisten Konsumenten immer noch nicht davon überzeugt, dass digitale Musik einen Wert hat.“
Doch obwohl die Forrester-Studie für ein deutlich vernehmbares Rauschen im internationalen Blätterwald sorgte, gibt es inzwischen Zweifel an der Richtigkeit der Daten: Apple-Sprecherin Natalie Kerris erklärte, Bernoffs Schlussfolgerungen seien „schlichtweg falsch“, iTunes-Downloads machten inzwischen sechs Prozent aller US-Musikverkäufe aus. Detaillierter wurden ihre Angaben zwar nicht, doch iTunes gilt mittlerweile als viertgrößter Onlinehändler, der täglich knapp drei Millionen Songs verkauft.
Auch die Anlageberater von Piper Jaffray reagierten mit Unverständnis auf die Forrester-Studie und präsentierten eigene Zahlen: Von Januar bis September habe iTunes 695 Millionen Songs verkauft – 18,5 Millionen wöchentlich. Das seien 78 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Jahres 2005.
Einig sind sich wohl alle Beobachter, dass das rasante Wachstum der letzten Jahre im Downloadsektor etwas abflacht, unklar bleibt jedoch, ob die aktuelle Entwicklung eine saisonale Schwankung oder ein Trend ist. Von einem Kundenschwund bei iTunes – wie manche Medien dichteten – kann indes kaum die Rede sein. Im zweiten und dritten Quartal lagen die Downloadabsätze in den USA tatsächlich niedriger als im ersten Quartal, doch dies liegt vor allem daran, dass sich der Weihnachtsboom im Digitalgeschäft in Form von Downloadgutscheinen inzwischen massiv in Richtung Januar und Februar verlagert hat, wenn die Beschenkten ihre Prepaid-Guthaben einlösen.





