Recorded & Publishing

Marktanalyse des Prognose-Kreises im Bundesverband Phono (zweiter Teil)

Die Untersuchungen der Prognosegruppe belegen es: Der Tonträgermarkt steckt mittendrin im Umbruch. Während die Umsätze mit CDs weiter schrumpfen, gewinnt das Marktsegment der Musik-DVD immer mehr an Bedeutung.

Vor achtzehn Jahren prognostizierte die Marktforschergruppe des Bundesverbands Phono erdrutschartige Einbrüche für das Vinyl-Format: „1995 ist die LP tot“, hieß es damals. Auch wenn sich die LP als Nischenprodukt tapfer allen technischen Errungenschaften widersetzt: Marktrelevanz fehlt ihr mittlerweile fast komplett. Darum spricht einiges für die Stichhaltigkeit der diesjährigen Prognose der Expertenrunde: „Impulse für den Markt kommen von der DVD. Sie wird sich als zukunftsfähiges Musikformat etablieren“, so der Auszug aus dem Report 2002. Und im ersten Halbjahr 2002 wurde erstmals auch für Zweifler richtig deutlich, in welche Richtung sich der Musikmarkt entwickelt.

100.000 Exemplare der Formate DVD-Audio/SACD und 900.000 Einheiten Musik-DVD (als Bild-Tonträger) setzten die Firmen ab – mehr als eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Ein Ende des Wachstums ist wohl kaum zu befürchten: Bis nach Weihnachten werden erst 15,7 Prozent der deutschen Haushalte über die nötige Hardware verfügen; für 2003 rechnet die GfK mit einer Player-Penetration von 21 Prozent. Das sollte die Kassen der Anbieter klingeln lassen: Bereits im ersten Halbjahr setzten sie 19,2 Millionen Euro (nach Endverbraucherpreisen) um, bis Jahresende prognostiziert die GfK über 70 Millionen Euro. Über 27 Prozent dieser Erträge fließen übrigens aus den Geldbeuteln weiblicher Käufer in die Kassen. Das ist deshalb bemerkenswert, weil noch im Jahr 2001 erst elf Prozent der Musik-DVD-Käufer Frauen waren. Und weit über die

Hälfte der Musik-DVD-Kunden ist im besten „Sleeper“-Alter – zwischen 30 und 49 Jahren. Für Tim van Dyk, Marktforscher und New-Media-Chef bei Warner Music Germany, eine klare Aufforderung, mehr Angebot zu erstellen: „Aus den GfK-Erhebungen wissen wir, dass Kunden, die den CD-Kauf fast ganz aufgegeben haben, ihr Medienportfolio nun direkt mit DVDs ausstatten“, erklärt er im Gespräch mit musikwoche.de und zieht einen unmissverständlichen Schluss für die Musikbranche: „Nun liegt es an uns, das Angebot an attraktiven Musik-DVDs weiter auszubauen.“

Der Prognose-Kreis im Bundesverband Phono existiert nach Informationen von Thorsten Hansen, Leiter des Referats Wirtschaft im Bundesverband Phono, seit weit über zehn Jahren. Im Rahmen der diesjährigen Popkomm. stellte der Prognose-Kreis einem kleinen, aber interessierten Publikum eine dreiteilige Studie vor, die sich mit der derzeitigen Marktsituation, dem Themenkreis Brenner und Kopierschutz sowie der DVD als Hoffnungsträger beschäftigte. Die Auswertung des präsentierte musikwoche.de in Heft 37.

Auf der Popkomm. referierten Dr. Carl Mahlmann (EMI Recorded Music), Christoph Freier (GfK), Michael Puetz und Tim Völker (beide Sony Music) sowie Sylvia Schröder und Frank Vogel (beide Warner Music). Weiterhin gehören Marktforscher und Fachleute von Plattenfirmen, Dienstleistern und vom Bundesverband zum Prognose-Kreis: Barbara Saring (BMG Entertainment), Tim van Dyk (Warner Music), Christian Neumann und Jörg Nickl (beide Universal Music), Renate Rohde und August Katern (beide Sonopress), Dietmar Schlumbohm (PhonoNet) sowie Thorsten Hansen.

Bei seinen Analysen und Prognosen greift der Kreis vor allem auf Daten der Plattenfirmen zurück, außerdem ziehen die Mitglieder Erhebungen der Marktforscher der Nürnberger GfK hinzu. Bei den präsentierten Daten handelt es sich demnach nicht ausschließlich um GfK-Zahlen. Im Gespräch mit musikwoche.de erläuterte Hansen mögliche Differenzen zwischen den Zahlen des Bundesverbands und der GfK mit der unterschiedlichen Art der Erhebung: Während der Bundesverband Vollerhebungen unter seinen Mitgliedern durchführt, handelt es sich bei den GfK-Zahlen um Stichproben. So greifen die GfK-Forscher für ihre Panels auf Gruppen von 10.000 bis 20.000 Konsumenten zurück. Dies ermögliche seriöse Daten, lasse aber gleichzeitig Differenzen zur Vollerhebung zu.