Der Umbruch zeigt sich unter anderem an den Anteilen der verschiedenen Sparten am Medienbudget der Verbraucher: Während die Gesamtausgaben der Kunden im Mediensektor im Lauf der vergangenen neun Jahre stetig stiegen, sank gleichzeitig der Anteil für Tonträger: So gaben Konsumenten 1993 insgesamt 9,13 Milliarden Euro für Medien aus, von denen 2,62 Milliarden ins Tonträgergeschäft flossen. Der Anteil der gesamten Filmverwertungskette, also von der Erstverwertung im Kino über den Verleih- bis zum Kaufmarkt, lag dagegen nur bei 1,38 Milliarden Euro und somit nur bei gut der Hälfte der Ausgaben für Tonträger. Inzwischen hat sich dieses Bild deutlich gewandelt: Im Jahr 2001 lag das Medienbudget für Tonträger, Bücher, Kino, Leih- und Kaufvideos, Games und DVDs bei 9,86 Milliarden Euro. Davon entfielen nur noch 2,18 Milliarden Euro auf Tonträger. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben der Kunden im Segment der Filmauswertung auf 2,15 Milliarden Euro. Ein Vergleich der ersten beiden Quartale der Jahre 2001 und 2002 zeigt zudem, dass die Wertschätzung der Verbraucher nun zugunsten der Filmsparte kippt: Beide Bereiche lagen im ersten Quartal 2001 mit Umsätzen von 0,56 Milliarden Euro für Tonträger und 0,55 Milliarden Euro in Kinos, Videotheken und für Kaufvideos noch gleichauf; im ersten Quartal 2002 überholten nun die Ausgaben für Filme mit 0,64 Milliarden Euro die für CDs, die auf weniger als eine halbe Milliarde Euro sanken. Auch im Musikmarkt zeigen Videos und DVDs deutliche Zuwachsraten: Während die Zahl der verkauften Tonträger in den Vergleichszeiträumen Januar bis Juni seit 1997 von 113 Millionen Exemplaren auf nur noch 74 Millionen im Jahr 2002 fiel, verdoppelte sich gleichzeitig die Zahl der verkauften Musikvideos und -DVDs von rund einer halben Million auf 1,1 Millionen Einheiten. Noch deutlicher fallen die Verschiebungen beim Umsatz auf: Hier zeigt sich ein Anstieg der Ausgaben für DVDs und Videos von acht Millionen Euro (Januar bis Juni 1997) auf 22 Millionen im laufenden Jahr. Im Vergleich des ersten Halbjahrs 2001 mit den ersten sechs Monaten 2002 zeigen die Ergebnisse der Marktforscher einen Zugewinn von 25,7 Prozent im Kaufmarkt für Videos und DVDs, gleichzeitig brach der Teilmarkt für CD-Singles um 26,5 Prozent ein, das Compilation-Segment verzeichnet Einbußen von 18,6 Prozent, und der Albummarkt verbucht ein Minus von 14 Prozent. Allerdings umfasst der Markt für Musikvideos bislang nur rund ein Drittel des Singles-Segments mit Umsätzen von immer noch 67 Millionen Euro. Auf Compilations entfallen Umsätze von 100 Millionen und auf CD-Alben 564 Millionen Euro. Zum Teil sind diese Entwicklungen auf den Verlust von Kunden zurückzuführen: Die Käuferreichweite für Tonträger sank von 40,3 Prozent im ersten Halbjahr 1997 auf 31,2 Prozent im ersten Halbjahr 2002. Insgesamt verlor der Tonträgermarkt in diesem Zeitraum rund 5,5 Millionen Kunden. Und die verbleibenden Käufer greifen mit sinkender Regelmäßigkeit in die Regale: Nahm vor fünf Jahren jeder Kunde in sechs Monaten durchschnittlich 4,5 Tonträger mit nach Hause, so waren es in den ersten sechs Monaten 2002 im Schnitt nur noch 3,8 Exemplare.
Marktanalyse des Prognose-Kreises im Bundesverband Phono
Untersuchungen der Prognosegruppe im Bundesverband Phono belegen, dass der Markt für Ton- und Bildträger vor Veränderungen steht. Die Umsatz- und Absatzzahlen für CDs sinken, der Kaufmarkt für DVDs und Videos gewinnt an Bedeutung.






