Recorded & Publishing

Manfred Schütz: „Imagekampagnen sind nicht der geeignete Weg“

Manfred Schütz ist als streitbarer Kopf in der Musikbranche bekannt. Im Gespräch mit musikwoche.de nimmt der Geschäftsführer von SPV Schallplatten kein Blatt vor den Mund und geht mit Tonträgerfirmen und ihren Verbänden hart ins Gericht.

musikwoche.de: SPV wirkt wie eine Insel der Seligen inmitten der Rezession der Branche. Welchen Weg muss die Branche einschlagen? Manfred Schütz: Es ist zwingend notwendig, die Ursachen zu analysieren. Image- oder Kopierschutzkampagnen sind sicherlich nicht der geeignete Weg und werden kein Ergebnis erzielen. „Phononauten“ sind kein Ersatz dafür, einmal zu analysieren, warum unsere Branche international fast ein Jahrzehnt lang zugesehen hat, wie weltweit die Moral betreffs unseres Eigentums in breitesten Schichten der Bevölkerung fast vollständig zerstört wurde. Es sollte sehr zu denken geben, dass fast die gesamte Öffentlichkeit die viel zu späten und viel zu zaghaften Versuche, unser Eigentum zu schützen, damit abstraft, dass sie Computerzeitungen kauft, die zum Diebstahl aufrufen.

mw: Muss die Branche in die Offensive gehen? Schütz: Das Kulturgut „Musik“ wurde auf dem Altar der Konzernumsätze geopfert. Wer sich heute noch hinstellt und etwas anderes behauptet, der erklärt alle am musikalischen Schaffen und Verwertungsprozess Beteiligten für dumm. Wir müssen endlich auf die Barrikaden gehen und der Politik klarmachen, dass es nicht angehen kann, dass der Schutz des Eigentums gesetzlich und gesellschaftlich unangetastet von jedermann befürwortet wird, aber ausgerechnet das Wirtschaftsgut Musik zum sozialistischen Gemeingut wird, zu dem alle freien Zugang haben.

mw: Welche Position nehmen Sie in der Diskussion um die Höhe der CD-Preise ein? Schütz: Jeder aus unserer Branche, der diese Diskussion führt, hat sich schon auf die Rutschbahn begeben, die uns die Kultursozialisten ausgelegt haben. Die sinkende Kaufbereitschaft hat nichts damit zu tun, dass der Preis nicht angemessen ist. Es war einer der größten strategischen Fehler unserer Branche, dass jeder A&R- und Produktmanager sich in Interviews berufen erklärte, die Hose bis zum Anschlag runterzuziehen und die Kalkulation der CD-Herstellung bis auf die dritte Stelle nach dem Komma genau der Öffentlichkeit zu erläutern. Also: Wenn wir über Preise als Lösungsweg diskutieren, bitte auf diesem Weg: keine GEMA mehr, keine Lizenzen an Künstler mehr, keine Vorschüsse mehr. Wir geben als Tonträgerhersteller die CD zum Rohlingpreis plus 35 Prozent Marge an den Handel ab!