Das Bietergefecht zwischen der EMI Group und der Warner Music Group (WMG) sorgt auch bei professionellen Beobachtern für Stirnrunzeln. Während sich eine Fraktion von Analysten und Investmentbankern darüber wundert, wie sehr sich die Inhabergruppe der WMG ziert, fürchten andere wiederum, dass EMI in seinem Bemühen, die Kontrolle und die Oberhand bei dem Deal zu behalten, ein gutes Angebot für seine Aktionäre ausschlagen könnte.
Noch vor wenigen Wochen lag das erste Gebot der EMI für die WMG bei 28,50 Dollar je Aktie, inzwischen liegt die Offerte bei 31 Dollar – in bar. Und Warner hat seinerseits mit je 320 Pence versucht, die EMI-Aktionäre zu überzeugen. Doch keine der beiden Seiten will sich zu diesem Preis übernehmen lassen. Alle Experten sind sich einig: Es geht um die Machtfrage eines fusionierten Majors. Und um Geld.
Während die meisten Insider in den letzten beiden Jahren fest damit gerechnet hatten, dass die Finanzinvestoren, die Edgar Bronfman jr. mit ihrem Risikokapital die Übernahme der WMG vom Time-Warner-Konzern ermöglichten, ein bestenfalls mittelfristiges Engagement im Sinn hatten, scheint es nun, als verfolgten Thomas H. Lee Partners, Bain Capital und Providence Equity nicht zwangsläufig eine schnelle Exit-Strategie. Zudem gilt Bronfman als äußerst ehrgeizig und würde der Branche wohl nur zu gern beweisen, dass er den Großmajors Universal und Sony BMG Paroli bieten kann.
Andererseits will sich EMI nach diversen gescheiterten Fusionsversuchen nun nicht das Ruder aus der Hand nehmen lassen. Patrick Wellington, Analyst bei Morgan Stanley in London, ist überzeugt: „EMI will nicht fusionieren, sondern kaufen. Dort geht man davon aus, dass man die besseren Manager zur Leitung der verschmolzenen Firma hat.“ Für ihn scheint es daher auch wahrscheinlicher zu sein, dass EMI letztlich zum Zug kommen wird. Läge Warner tatsächlich ernsthaft daran, Käufer zu sein, hätten Bronfman & Co. ihr Angebot für EMI noch höher angesetzt.
Patrick Yau von Bridgewell Securities ist sich da allerdings nicht so sicher: Ich vermute, dass Warner am Ende den Zuschlag erhalten wird, weil sie dank der Privatinvestoren mehr Finanzkraft haben und weil EMI momentan zu viel Schulden hat.“ Für Henk Potts von Barcleys ergibt das erbitterte Bietergefecht jedoch wenig Sinn: „Es wäre für beide Seiten besser, wenn man die Sache friedlich aushandelt.“
Ungeachtet dessen kletterten die EMI-Aktien am 28. Juni um 8,37 Prozent auf 307,5 Pence und verliehen den Briten damit eine Marktkapitalisierung von 2,42 Mrd. Pfund (4,39 Mrd. Dollar). Die WMG-Papiere zogen um 3,23 Prozent auf 28,11 Dollar an und machten die US-Firma auf dem Kursblatt 4,18 Mrd. Dollar schwer.





