Recorded & Publishing

Lyor Cohen bekräftigt YouTubes KI-Kurs

Der Global Head Of Music bei YouTube und Google, Lyor Cohen, stellt mit seinem ersten Rundbrief des Jahres die strategischen Prioritäten im eigenen Haus klar: Im Mittelpunkt des Schreibens an die Musikwirtschaft stehen die verstärkte Integration von generativer KI, die Rolle des Musikvideos, aber auch YouTubes Anspruch, sich als „Leuchtturm“ in einem zunehmend unübersichtlichen Musikmarkt zu positionieren.

Im auf dem YouTube-Blog veröffentlichten Schreiben betont Lyor Cohen die zentrale Bedeutung des Musikvideos für die Plattform: „Das Musikvideo stirbt nicht aus, es floriert als wichtigster Treiber der Fanbindung“, und das bei Milliarden an monatlichen eingeloggten User:innen auf YouTube.

In dem Mitte März 2026 geposteten Schreiben heißt es weiter, dass sich YouTube zu einem „umfassenden visuellen Storytelling-Ökosystem“ entwickelt habe, in dem Artists tiefe und dauerhafte Verbindungen zu ihrem globalen Publikum aufbauten. Als Belege nennt Cohen unter anderem Bad Bunnys Halbzeitshow beim diesjährigen Super Bowl mit über 120 Millionen Aufrufen sowie den Grammy-Auftritt von Rosé und Bruno Mars, dessen Musikvideo zu „Apt.“ selbst bis dato mehr als 2,3 Milliarden Klicks verzeichnet.

Einen erheblichen Teil seines Rundbriefs widmet der Global Head Of Music von YouTube und Google der Integration von generativer KI. So bekräftigt er die Linie von YouTube-CEO Neal Mohan, wonach KI „ein Werkzeug für künstlerischen Ausdruck bleibe, kein Ersatz“ für menschliche Kreativität. Zudem verweist Cohen auf ein KI-gestütztes Musikvideo zu Lewis Capaldis „Something in the Heavens“, das in Zusammenarbeit mit Googles eigener Videoplattform Flow entstanden ist.

Zugleich kündigt Cohen an, bestehende Systeme wie Content ID weiterzuentwickeln, um neue Schutzmaßnahmen zur Erkennung von Persönlichkeitsrechten zu schaffen und die Verbreitung qualitativ minderwertiger KI-Inhalte einzudämmen. „Wir können dem nicht davonlaufen – wir müssen es verantwortungsvoll, kreativ und gemeinsam gestalten“, schreibt Cohen.

Mit Blick auf Music Discovery räumt Cohen ein, dass Fans weiterhin mit einer „Flutwelle der Auswahl“ konfrontiert seien. YouTubes Ziel sei es, „der Leuchtturm zu sein, der ihnen hilft, durch den Lärm zu navigieren“. Er schreibt: „In den Kisten zu stöbern, um einen Song zu finden, der das Leben verändert, oder die Lieblingsband zum ersten Mal live zu erleben – das sind prägende Erlebnisse. Auch wenn sich der Weg dorthin verändert hat, bleibt das Gefühl, wenn es einen trifft, dasselbe.“ Um nachhaltige Künstler:innenkarrieren zu fördern, sei es wichtiger denn je, Fans die „visuelle Welt eines Acts“ näherzubringen. Denn: „Gemeinsam müssen wir uns darauf fokussieren, eine treue Fangemeinde aufzubauen, die jedes Album rauf und runter hört und Tickets für jede Tour kauft.“

Zur Monetarisierung wiederholt Cohen die bereits im Oktober bekannt gegebene Zahl: YouTube hat der Musikindustrie zwischen Juli 2024 und Juni 2025 mehr als acht Milliarden Dollar – also rund 6,93 Milliarden Euro – ausgezahlt. Lucian Grainge, Chef der Universal Music Group, zitiert er in diesem Zusammenhang mit folgenden Worten: „Das sind erst die ersten acht Milliarden Dollar für YouTube; die Welt steckt voller Möglichkeiten, die nächsten acht zu erschließen!“

Abschließend formuliert Cohen ein „mission statement“ für 2026. So wolle er Künstler:innen und Songwriter:innen dabei unterstützen, „die Kraft des visuellen Storytellings zu nutzen, um ihr globales Publikum und langfristige Karrieren aufzubauen“.