Mit der Universal Music Group führt Grainge das weltweit führende Musikunternehmen bereits seit 2010. Interviews mit einem der mächtigsten Manager der Medienbranche sind rar gesät – das US-amerikanische Branchenmagazin „Hollywood Reporter“ bekam den Spitzenmanager allerdings jüngst vor das Mikrofon und befragte Grainge zu den drängendsten Themen der Musikbranche.
Grainges Position zu KI-Musik bleibt dabei ungebrochen. Er sieht Modelle à la Suno & Co. nicht als Bedrohung für menschengemachte Musik an und betont, dass fast alle Tech-CEOs, mit denen er gesprochen hat, das ähnlich sehen.
Allerdings steht der Spitzenmanager zu klaren rechtlichen Prinzipien in Bezug auf Suno: „Opt-in, faire Vergütung, Wertschätzung der Arbeit der Künstler:innen sowie Respekt gegenüber unserer Organisation und unserer Führungsriege“. Für ihn sei klar, dass Suno ohne gültige Lizenz mit urheberrechtlich geschützten Werken gearbeitet habe. Universal Music verfolgt gemeinsam mit dem Major-Kollegen Sony schon seit längerer Zeit einen Rechtsstreit mit dem KI-Unternehmen. Auch für die neue Version des KI-Modells, das „in Partnerschaft mit der Musikbranche“ entstanden sei, reichte der Musikkonzern eine Klage ein.
Über Bill Ackman, der in diesem Jahr versucht hatte, die Universal Music Group für rund 60 Milliarden Dollar zu übernehmen, schlussendlich aber am Vorstand scheiterte, hat Grainge nur positive Worte übrig: „Ich habe seine Gesellschaft immer genossen. Er ist ein kluger Kerl.“ Denn, so meint der CEO vorher im Interview: „Ich finde es großartig zu hören, dass er der Meinung ist, das Unternehmen sei unterbewertet. Ich bin schon lange genug im Geschäft. Ich bin aufgeschlossen genug, dass ich gerne höre, wenn jemand klare Vorstellungen davon hat, wie wir uns verbessern könnten.“
Und auch sein Sohn Elliot Grainge, der die Atlantic Music Group im Warner-Konzern verantwortet, bekommt zumindest auf privater Ebene nur Gutes mit auf den Weg: „Ich weiß, dass ich ihn liebe, dass wir uns sehr nahestehen und dass ich stolz auf ihn bin.“ Professionell sieht es allerdings anders aus: „Er konkurriert nicht mit mir. Ich leite ein globales Unternehmen. Ich leite das größte globale Unternehmen, das die Musikwelt je gesehen hat. Er arbeitet in einem Unternehmen, das mit anderen Labels und anderen Strukturen innerhalb meiner Organisation konkurriert.“
Auch Anekdoten über Familientreffen hat Grainge Senior parat: „Für Familientreffen musste ich mir einen Sichtschutz für mein Handy zulegen – ich will nicht, dass dieser kleine Fucker sieht, wer mich anruft oder was ich gerade so treibe.“ Und weiter: „Ich hoffe, dass er Warners Marktanteil äußerst erfolgreich und brillant auf null senkt. Wenn schon jemand ihren Marktanteil zerstören und auf null senken soll, dann möchte ich, dass er der Beste der Branche ist, der das jemals auf diese Weise geschafft hat.“





