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Das war der Milan Music Industry Exchange

Der Music Industry Exchange schlug eine Brücke zwischen jungen Nachwuchs­kräften und Studierenden der Musikbranchen aus Deutschland und ­Italien. Auch ­MusikWoche packte die Koffer nach Mailand.

Ziel der fünftägigen Reise war es, Einblicke in das Musikökosystem von Mailand und des italienischen Markts im weiteren Sinne zu gewähren und dabei neue Netzwerke zu stricken. 

Hinter dem Projekt steht die im Jahr 2018 gegründete Mailänder Organisation Butik, die den Austausch vom 28. September bis 2. Oktober 2026 gemeinsam mit Hamburg Music organisierte.

„Unsere Mission ist es, das Wissen über das italienische Erbe, die italienische Musikszene und die Livemusikszene zu vergrößern“, erklärt Alessia Naldini, Mitbegründerin sowie Grants & Funding Manager des Social Enterprise, gegenüber MusikWoche.

Die Wahl fiel dabei nicht zufällig auf „Amburgo“ als Austauschpartner: Eigene Recherchen hätten gezeigt, dass beide Städte viele Gemeinsamkeiten hätten, weshalb man eine Brücke zwischen jungen Fachkräften bauen wollte. Naldini spricht von einem „Humus“, einem gut vorbereiteten Boden, auf dem Beziehungen und gemeinsame Projekte wachsen könnten. Denn: In beiden Städten stehe Musik im Zentrum, was ein ideales Umfeld für Export und neue Möglichkeiten schaffe.

Leiten die Geschicke bei Butik (von links):
Alessandra Di Caro (Marketing Manager), Marialuisa
Rovetta (Creative Director & Commuication Manager) und Alessia Naldini
Grants & Funding Manager).

Da es in Italien nur wenige kostenlose Möglichkeiten für Auslandserfahrungen im Musikbereich gebe, wolle man mit der finanzieller Hilfe des Außenministeriums die Musik­internationalisierung in beiden Ländern auch für junge Menschen zugänglicher machen. Als willkommenen Nebeneffekt nennt Alessandra Di Caro, ebenfalls Mitbegründerin und Marketing Manager bei Butik, dass sich durch den Exchange auch Musikschaffende derselben Stadt kennenlernen und so eventuell künftig gemeinsame Projekte schmieden können.

Ein messerscharf getaktetes Programm führte die Delegation durch die verschiedenen Gewerke der heimischen Musiklandschaft. Jeder Tag war dabei einem eigenen Thema gewidmet: Music Export; Impact, Media & Recording; Heritage, Synch & Live Music; Policy, Innovation & Networking sowie ein Tag unter dem Motto Discovering The Milan Music Scene.

„Wir wollten ein 360-Grad-Bild des Musik-Ökosystems zeichnen – vom Verlagswesen bis zur Livemusik, von multinationalen Konzernen bis zum kleinen Nachbarschaftsradio“, so Naldini. Di Caro ergänzt, dass Unternehmen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung eingebunden worden seien, um eine sehr fragmentierte Realität abzubilden: Wer für einen Konzern arbeite, verfolge andere Ziele und Ansätze als jemand im Independent-Bereich, der vor ganz anderen Herausforderungen stehe.

Nach einem offiziellen Empfang durch das Assessorato alla Cultura, dem Kulturreferat der Stadt Mailand, gab Nur Al Habash, Gründerin des mittlerweile wieder eingestellten Italia Music Export, eine Einführung in die Strukturen des italienischen Musikmarkts sowie aktuelle Exportstrategien.

Addes Tesfamariam (Tischende) vom Mailänder Kulturreferat begrüßte die Runde beim ersten Stopp der Reise. Foto: Butik

In den darauffolgenden Tagen standen etwa Präsentationen zu den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Musikbranche beim Wirtschaftsprüfer Deloitte sowie eine Masterclass des „Rockol“-Gründers Giampiero Di Carlo über Medien, KI und neue Plattformen auf dem Plan. Zudem besuchte die Gruppe die Räumlichkeiten von Universal Music sowie den italienischen Phono-Verband FIMI.

Vortrag des italienischen Universal-Music-CFO Daniele Demartini (sprechend). Foto: Butik

Neben Stopps im historischen Archivio Storico Ricordi, das sich seit dem Jahr 1994 in Besitz von Bertelsmann befindet, und einer Sync-Masterclass beim Musikverlag Peer­music widmete sich ein Schwerpunkt dem Live- und Clubsektor. So berichteten im Kulturzentrum Arci Bellezza Speaker wie Omar Fulvio Bertoni, Alberto Molteni oder der Musikjournalist Damir Ivic über Clubkultur und Festivalbooking.

Pierluigi Ledda, Chef des Archivio Storico Ricordi (links), öffnete die Türen der von Bertelsmann aquirierten historischen Musiksammlung. Foto: Butik
Alberto Molteni (Mitte) führte durch das unabhängige Venue Arci Bellezza im Süden der Stadt. Foto: Butik

Aber auch die Herausforderungen im italienischen Livemarkt, die etwa durch die Vorherrschaft internationaler Livefirmen wie der deutschen Firma CTS Eventim, die dieses Jahr den Unipol Dome in Mailand eröffnete, oder dem amerikanischen Live Nation geprägt sind, kamen zur Sprache.

Zugleich standen europäische Kulturpolitik und Innovationen im Fokus: Im Kreativzentrum Base Milano referierten Silvia Tarassi und Anna Zo vom Music Innovation Hub über EU-geförderte Start-up-Projekte.

Zum Abschluss ging es für die Teilnehmer:innen auf einen Rundgang durch das aufblühende Szeneviertel North of Loreto, kurz NoLo, mit Clara Sistili von der Chullu Agency. Dort besuchte die Runde hybride, multikulturelle Zentren (circa jede fünfte Person in Mailand wurde nicht in der Metropole geboren) wie den Gemeinschaftsraum Leila mitsamt Radiostation.

Zwischenstopp in einer Kulturstätte während der Führung durch NoLo…
… sowiein einer Weinbar. Foto: Butik

Kontakte wie jener zur Chullu Agency hätten die Veranstalterinnen über Jahre aufgebaut, erklärt Di Caro. So stamme das Netzwerk für den Austausch teils aus persönlichen Beziehungen, teils aus Kontakten von Kontakten; über die Milano Music Week habe man zudem intensiv mit institutionellen Partnern und großen Verbänden zusammengearbeitet, etwa mit FIMI und der Stadt Mailand.

Im nächsten Schritt wird die italienische Delegation Mitte Oktober für mehrere Tage nach Hamburg reisen. Das Programm wird unter anderem vom italienischen Außenministerium sowie der Stadt Hamburg unterstützt.

Auf der Karte finden Sie eine kleine Übersicht an Playern des italienischen Musikmarkts, die Al Habash während ihrer Präsentation an Tag eins vorgestellt hat (reinzoomen zum Vergrößern).