Im Alter von 90 Jahren ist Simon „Sy“ Waronker, Gründer des Labels Liberty Records, in Los Angeles gestorben. Waronker machte musikalisch schon ganz früh als Wunderkind an der Geige auf sich aufmerksam. Nach seinem Studium in Philadelphia und Frankreich wollte er eine Musikerkarriere in Deutschland starten, verließ das Land aber wegen der Machtübernahme der Nazis. Von 1939 bis 1955 spielte Waronker auf zahllosen Film-Scores für die 20th Century Fox mit.
1955 gündete Waronker Liberty Records und machte die Plattenfirma zu einem der bedeutendsten unabhängigen Labels der späten 50er- und frühen 60er-Jahre. Den ersten Hit hatte Liberty mit der Single „Cry Me A River“ in der Interpretation der Sängerin und Schauspielerin Julie London. Die R&B-Veteranen Dominoes gehörten ebenso zum Roster von Liberty wie Filmusikkomponist Henry Mancini oder Exotica-Bandleader Martin Denny. Große Erfolge feierte das Label in der Rock’n’Roll-Ära mit Künstlern wie Eddie Cochran, Johnny Burnette, Tennie-Idol Bobby Vee und dem Surf-Duo Jan & Dean. Aufgrund gesundheitlicher Probleme verkaufte Waronker das Label 1963 für 12 Mio. Dollar an den Elektronik-Konzern Avnet. Heute verfügt EMI Music über den Liberty-Katalog.
Simon Waronker ist auch als der Patriarch eines der bekanntesten Familienclans im amerikanischen Musikgeschäft bekannt. Sein Sohn Lenny Waronker erwarb sich als Produzent legendären Ruhm unter anderem durch seine Arbeit mit Randy Newman und Rickie Lee Jones. Zudem leitete er die Plattenfirmen Warner Bros. Records und DreamWorks Records. Auch Simon Waronkers Enkel mischen kräftig im Musikbusiness mit: Joey Waronker ist gefragter Schlagzeuger und war unter anderem schon für Beck, The Smashing Pumpkins und Elliott Smith aktiv. Anna Waronker war Mitglied der Rockband That Dog und gründete das Indie-Label Five Foot Two Records mit. Und Steve Berman, ein weiterer Enkel von Sy Waronker, ist Head of Sales & Marketing bei Interscope/Geffen/A&M.





