“Guten Morgen, ich heiße Jorgen Larsen und werde in den nächsten 15 Minuten versuchen zu erklären, wie die jetzige Situation unserer Firma aussieht.“ So stellte sich der Interim-Chef der deutschen Universal-Dependance am 3. Februar um elf Uhr seinen neuen Mitarbeitern im Rahmen einer Betriebsversammlung vor. Er habe „überhaupt keine Karriereambitionen“ in Deutschland, räumte er gleich anschließend mit Spekulationen auf, nach denen er Gefallen an der Position in Berlin finden könnte: „Es stimmt also nicht, dass meine Frau, die Deutsche ist, mich gezwungen hat, endlich nach Deutschland zu ziehen. Die einzige Ambition, die ich habe, ist, dass es Universal Deutschland – und der gesamten deutschen Musikindustrie – besser gehen soll als heute.“ Sein Interregnum solle dem Unternehmen vielmehr eine Atempause verschaffen und aller Voraussicht nach zwischen vier und sechs Monate dauern.
Die „Tim-Renner-Situation“ wollte Larsen eigentlich nicht weiter kommentieren. Dies sei schon genügend diskutiert und auch in der Presse ausführlich beschrieben worden – „leider fast immer irrtümlich“, wie Larsen betonte, womit er eines der zentralen Statements aus dem exklusiven Interview mit musikwoche (Heft 5) wiederholte. Einen Seitenhieb auf die Medienpartner erlaubte sich Larsen aber doch noch: Er könne nicht verstehen, warum „50 Zeitungen berichten können, dass wir uns aus dem lokalen Repertoire zurückziehen, wenn das nicht ein einziges Mal gesagt worden ist“.
Damit schloss Larsen die jüngste Vergangenheit ab, und stellte seine drei Hauptprojekte für die nahe Zukunft vor: Erstens wolle er „die Strukturen der Kreativabteilungen analysieren, diskutieren und gegebenenfalls so ändern, dass wir größere Chancen haben, erfolgreicher mit deutschem Repertoire zu werden“. Er sei fest davon überzeugt, dass „die Rettung der deutschen Musikindustrie darin besteht, deutschsprachige Künstler aufzubauen“, betonte Larsen. Er bemängelte zudem die aktuelle Situation mit einigen gut verkaufenden „Fernseh-Plattform-Künstlern, die fast alle auf Englisch singen“ und „recht vielen deutschsprachigen Künstlern“, die, mit wenigen Ausnahmen, „nicht besonders viel verkauften“: „Ich hätte es, ehrlich gesagt, was die Sprache betrifft, lieber umgekehrt.“
Die Verkaufserfolge von Die Ärzte, Nena, Herbert Grönemeyer und Pur aus dem vergangenen Jahr zeigten, dass deutsche Musikfans gern Werke deutschsprachiger Künstler kaufen, aber leider seien davon in den vergangenen 20 Jahren „nicht besonders viele entwickelt“ worden. Die zweite Priorität stehe im Zusammenhang mit der Label-Strukturanalyse, sagte Larsen: Die Ausrichtung der A&R-Politik müsse so an die musikalischen Segmente und die Sprache angepasst werden, „dass daraus eine Verbesserung unserer Erfolgsquote resultiert“. So wie der deutsche Markt sich seit Jahren entwickele, sei es dazu vielleicht sogar „besser, von außen zu kommen, um die Situation objektiver beurteilen zu können“.
Drittens schließlich sei eine schnelle Entscheidung über die künftige Struktur des Top-Managements nötig: „Ich kann euch heute nichts anderes dazu sagen, als dass ich mir so viel Zeit dafür nehmen werde, bis ich glaube, dass die Struktur und Nachfolge für alle in der Firma die beste Lösung ist, und in der Zwischenzeit weiß ich, dass ich damit rechnen kann, dass Vico Antippas und alle Abteilungsleiter mir mit Rat und Tat zur Seite stehen werden.“ Im Hinblick auf seine Personalpolitik ergänzte Larsen, dass es in seiner Umgebung „keine bevorzugten Freunde oder inneren Zirkel“ gebe. Statt dessen zähle nur Leistung, „die entweder messbar ist oder ganz eindeutig zum Wohlbefinden und zur Effizienz des Unternehmens“ beitrage. „Ich gebe zu, in Worten klang ich gerade wie ein Lehrer in Betriebswirtschaft. Aber ich weiß aus Erfahrung, dass es möglich ist, eine Firma so zu leiten, dass alle wissen, was ihre Ziele und Verantwortungen sind – und dass alle einen signifikanten Gewinn an Effizienz und Motivation durch diese Transparenz haben.“






