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Labels drängen Apple zur iTunes-Preisreform

Dass das Verhältnis zwischen den Plattenfirmen und Apple zuletzt abgekühlt ist, bestreitet in der Branche kaum jemand, doch bald könnte es erstmals ernste Konflikte geben. Mindestens zwei Majors wollen bei den Verhandlungen zur Verlängerung der Lizenzen für den iTunes Music Store härtere Bandagen anlegen.

Dass das Verhältnis zwischen den Plattenfirmen und Apple in letzter Zeit merklich abgekühlt ist, bestreitet in der Branche kaum noch jemand, doch in den kommenden Monaten könnte es erstmals ernste Konflikte geben. Obwohl es der Computerhersteller war, der der Musikindustrie vor zweieinhab Jahren einen praktikablen Weg zum Downloadvertrieb aufgezeigt hat, scheint ein Teil der Labels derzeit nicht besonders gut auf Apple zu sprechen zu sein. Mindestens zwei Majors wollen bei den nun anstehenden Verhandlungen zur Verlängerung der Lizenzen für den iTunes Music Store härtere Bandagen anlegen, berichtete die „New York Times“ in ihrer Samstagsausgabe.

Wie MusikWoche bereits Anfang August berichtet hatte, geht es dabei vor allem um eine flexiblere Preisgestaltung. Sony BMG und Warner Music wollen weg vom starren 99-Cents-Einheitspreis pro Song. Stattdessen sollen Top-Hits künftig für bis zu 1,49 Dollar und weniger gefragte Katalogtitel für unter 99 Cents angeboten werden, so der Wille der Rechteinhaber. Auch EMI gilt als Freund dieses Konzept, will sich jedoch laut „NYT“ nicht auf einen längeren Verhandlungsstreit einlassen. Beim Marktführer Universal hingegen spricht sich die Unternehmensspitze gegen die geplante Preisrunde aus.

Interscope-Chef Jimmy Iovine erklärte: „Dafür ist die Zeit noch nicht reif. Zuvor müssen wir noch viel mehr Menschen vom Onlinekauf überzeugen. Und eine Preiserhöhung ist meiner Ansicht nach nicht der richtige Weg dorthin.“ Doch die Eröffnung von iTunes Japan hat bereits gezeigt, dass sich Apple unter gewissen Umständen nicht kategorisch gegen ein mehrgleisiges Preisschema stellt. Im japanischen Markt verkauft die Firma neun Zehntel der Songs für 150 Yen und den ausgesuchten Rest für 200 Yen. Dennoch haben dort Warner und Sony Music Japan keine Lizenzen an iTunes erteilt. Daher gelten Sony BMG und Warner nun auch als die überzeugtesten Gegner der Appleschen Preisbindung. „Ich freue mich schon darauf, mich im Herbst mit Steve Jobs an einen Tisch zu setzen und die künftige Beziehung zwischen Apple und Sony BMG zu besprechen“, sagte Sony-BMG-Chef Andrew Lack diplomatisch. „Ich finde, Steve hat für die gesamte Branche Großes geleistet. In den kommenden Monaten haben wir einige Herausforderungen gemeinsam zu meistern.“

Paul Vidich, einst bei Warner Music für Strategieplanung und neue Geschäftsmodelle zuständig und heute Berater für AOL, spricht die Wünsche der Plattenfirmen deutlicher aus: „Steve Jobs würde gerne weiter die Spielregeln bestimmen, doch für die Labels ist inzwischen zu viel Geld im Spiel, als dass sie verzichten könnten, auf variable Preise zu drängen.“ Unabhängige Beobachter halten solche Positionen indes für kontraproduktiv: „Es wäre ziemlich töricht, Apple zu destabilisieren, weil iTunes derzeit einer der wenigen Lichtblicke für die Branche ist“, meint Mike McGuire, Analyst bei Gartner G2. Steve Jobs und Apple verfügten schlichtweg über etwas, was vielen Mitbewerbern noch fehlt: Ein Konzept, das funktioniert.

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