Recorded & Publishing

Kreative Allianz aus EU und USA unterzeichnet offenen Brief zu KI-Deals in der Musikbranche

31 Zusammenschlüsse, darunter auch die Music Artists Coalition aus den USA sowie die European Composer and Songwriter Alliance, unterschrieben am 22. Juni 2026 einen offenen Brief der European Music Managers Alliance. Dieser trägt den Titel „Artists And Songwriters Must Not Be Pressured Into AI Deals Without Meaningful Consent“.

Eine Allianz aus Künstler:innen, Songwriter:innen und ihren Vertreter:innen wendet sich mit einem offenen Brief an Labels, Musikverlage, KI-Unternehmen, digitale Plattformen und politische Entscheidungsträger. Im Kern fordern sie: Wer KI-bezogene Deals mit Musik abschließt, soll dies künftig nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung der betroffenen Urheber:innen tun dürfen.

Zuletzt sorgte ein großer KI-Deal zwischen Universal Music und Spotify für Aufsehen. Zuvor verständigten sich Warner Music und Suno auf eine bislang doch eher undurchsichtige Lizenzvereinbarung. Universal Music einigte sich ebenfalls mit der Suno-Konkurrenz Udio.

Der Brief reagiert auf eine nach Einschätzung der Unterzeichnenden zunehmend problematische Praxis: Musiker:innen und Songwriter:innen erhielten demnach Schreiben von Majorlabels und Verlagen, die sie darüber informieren, dass ihre Werke standardmäßig für KI-Nutzungen freigegeben werden. Gleichzeitig würden neue Verträge stets mit KI-Klauseln versehen, die die meist jungen Musiker:innen wohl hinnehmen müssten.

„Angesichts einer Flut von KI-Deals hat EMMA diesen Brief koordiniert, da die Besorgnis über die widerrechtliche Aneignung von Rechten von Künstlern und Songwritern zunimmt“, so Jess Partridge, Executive Director EMMA. „Überall beobachten wir, dass große Musikunternehmen einseitig handeln, indem sie globale KI-Lizenzvereinbarungen abschließen, ohne Verhandlungen zu führen oder die Zustimmung der kreativen Talente einzuholen, mit denen sie zusammenarbeiten.“

So ließe sich „kein tragfähiger, künstlerorientierter Musiksektor aufbauen“. Man hoffe daher, „dass diese Unternehmen die schädlichen Auswirkungen ihres derzeitigen Vorgehens erkennen und mit uns zusammenarbeiten werden, um unsere drei Kernprinzipien – Zustimmung und Kontrolle, faire Vergütung sowie Klarheit und Transparenz – umzusetzen.“

Die unterzeichnenden Verbände betonen, viele der relevanten Rechte, darunter Leistungsschutz-, Persönlichkeits- und Bildrechte, würden originär bei den Kreativen liegen und nicht ohne deren Zustimmung lizenziert werden könnten. Der Brief formuliert drei Kernprinzipien: Zustimmung müsse aktiv, spezifisch und informiert erfolgen; eine faire Beteiligung an generierten Erlösen sei sicherzustellen; und Anfragen müssten zweckgebunden, verständlich und mit allen relevanten Angaben zu Rechten, Laufzeit und Widerrufsmöglichkeit versehen sein.

Alle Unterzeichner:innen:

  • European Music Managers Alliance
  • European Composer and Songwriter Alliance (ECSA)
  • Music Artists Coalition (USA)
  • SONA – Songwriters of North America (USA)
  • NITO – National Independent Talent Organisation (USA)
  • IAO – International Artists Organisation
  • Association of Artist Managers (Australia)
  • Music Managers Forum Aotearoa (New Zealand)
  • Music Managers Forum Canada
  • Featured Artists Coalition (UK)
  • The Ivors Academy (UK)

Der Weltverband der Major-Labels, IFPI, veröffentlichte prompt eine Replik: „Musikunternehmen stehen im Zeitalter der KI an vorderster Front im Kampf um den Schutz der Rechte von Künstler:innen und Songwriter:innen. Auch wenn unsere Mitglieder unterschiedliche Ansätze verfolgen, verfolgen sie doch dieselben grundlegenden Ziele: die Bekämpfung der unbefugten Nutzung von Musik und die Etablierung von Lizenzmodellen, die den Künstler:innen und Songwriter:innen Einnahmen sichern.“

Abschließend appelliert die Labelvertretung noch: „Wir sind am stärksten, wenn wir als Musikgemeinschaft zusammenstehen, und möchten alle, die unser Ziel eines gesunden und florierenden Musikökosystems teilen, dazu ermutigen, gemeinsam mit uns gegen diejenigen vorzugehen, die unverantwortliche KI vorantreiben.“