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Kongress „Musik als Wirtschaft“: Nach der Tuchfühlung ging’s zur Sache

Ein umfangreiches Paket an Vorträgen und Diskussionen schnürten der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (IDKV) und die Kulturpolitische Gesellschaft mit dem Kongress „Musik als Wirtschaft“. Erfreulich: Neben Absichtserklärungen schälten sich auch konkrete Forderungen und Ideen für gemeinsame Projekte heraus.

Den ersten Höhepunkt des Kongresses setzte Staatsminister Julian Nida-Rümelin, der in einer der Diskussionsrunden den anwesenden Vertretern der Musikwirtschaft symbolisch die ausgestreckte Hand reichte. Ein Angebot, das für Wohlwollen sorgte, wenn es auch nicht wirklich neu ist – bereits anlässlich der 3. Popkonferenz „dialog pop“ Ende November in Germering hatte der Minister Gesprächsbereitschaft signalisiert. Konkretes war wenig später zu vernehmen: IDKV-Präsident Jens Michow schlug die Einrichtung eines Fonds vor, der für die Aus- und Weiterbildung der Branche ebenso sorgen soll wie für die Förderung der Musik an Schulen. Dazu sollten die Musikfirmen ebenso wie die Veranstalter einen bestimmten Betrag pro verkaufter CD und verkauftem Ticket einzahlen.

Die Politik rief Michow auf, die so gesammelte Summe aufzustocken. Nida-Rümelin war von dem Vorschlag angetan, denn damit würde sich einer seiner zentralen Punkte – keine staatlichen Mittel ohne einen Eigenanteil der Branche – erfüllen. Ein konkreter Vorschlag entwickelte sich auch in einer Diskussion um die richtige Hilfe für Konzertveranstalter. Michow und DEAG-Vorstandsvorsitzender Peter Schwenkow forderten die Rückkehr zur wohnortbezogenen Besteuerung von ausländischen Künstlern. Durch Kontrollmitteilungen sei eine Überprüfung möglich, die Wohnortbesteuerung würde für klare Verhältnisse sorgen. Dem Vorschlag schloss sich auch Eckhardt Barthel, MdB und kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, an. Einzig Norbert Lammert, Barthels Pendant bei der CDU, äußerte sich abwartend.

Stichwort: „Musik als Wirtschaft“

Zum ersten Mal ging am 22. April in Berlin der Kongress „Musik als Wirtschaft“ über die Bühne. Rund 250 Musikmanager, Kulturpolitiker und Interessierte folgten dem Ruf ins Wirtschaftsministerium an der Scharnhorststraße. Während des rund neunstündigen Marathon-Programms beleuchteten Panels und Vorträge die wirtschaftliche Dimension der Musikbranche. Das Medieninteresse war mit über 40 akkreditierten Journalisten sehr groß. Die Medienmacher erlebten unter anderem muntere Panels mit Gerd Gebhardt, Vorsitzender der Phonoverbände, Thomas M. Stein, President BMG Europe, und Peter Schwenkow, Vorstandsvorsitzender der DEAG. Auf der Seite der Politik nahmen unter anderem Staatsminister Julian Nida-Rümelin, Monika Griefahn, MdB und Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien, parlamentarischer Staatssekretär Ditmar Staffelt sowie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit teil. Eine Fortsetzung des Kongresses ist geplant.