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Klaus-Peter Schulenberg und Marek Lieberberg: „Einheitlich gegenüber dem Markt auftreten“

Mitte März gab der amerikanische Medien-Multi Clear Channel die Absicht bekannt, sich am Konzertveranstalter-Geschäft der CTS Eventim AG beteiligen zu wollen. Der langerwartete Markteintritt der Amerikaner wirft jetzt seine ersten Schatten voraus – musikwoche.de sprach mit Vorstandsvorsitzendem Klaus-Peter Schulenberg und Marek Lieberberg, Geschäftsführender Gesellschafter der Marek Lieberberg Konzertagentur, über die Neustrukturierung der Veranstalter unter dem CTS-Dach, Lobbyarbeit und die Festival-Szene in Deutschland.

musikwoche.de: Als Sie im Jahr 2000 mit der Akquisition der ersten Konzertveranstalter begannen, wusste wohl noch niemand in Deutschland, worauf der Schritt hinauslaufen sollte. Würden Sie sich selbst als Visionär bezeichnen?

Schulenberg: Wir hatten präzise Vorstellungen, eine Entertainment-Einheit zu entwickeln, die sowohl genrebezogen als auch geographisch Deutschland abdeckt. Der Gedanke war sehr klar. Wenn sie so wollen, nennen sie es eine Vision.

mw.de: Wie weit ist der Integrationsprozeß der verschiedenen Töchter von cts fortgeschritten?

Schulenberg: Es ist das Ziel aller Beteiligten, einschliesslich Clear Channel, die Töchter in einer gemeinsamen Unternehmensplattform zusammenzubinden. Und damit einheitlich gegenüber dem Markt aufzutreten. One Face to the public, sozusagen.

mw.de: Bleiben die bisherigen Firmennamen erhalten?

Lieberberg: Die personellen Einheiten bleiben weitgehend erhalten, gehen aber in einem Unternehmen auf. Das heisst, es wird ähnliche Gliederungen wie innerhalb einer Plattenfirma geben, die verschiedene Labels hat. Damit wird man den Bedürfnissen der Künstler nach einer eigenen „Farbe“ und einer individuellen Betreuung gerecht.

mw.de: Wann ist der Clear-Channel-Deal vollzogen?

Schulenberg: Wir sind nahezu am Ende des „Due Diligence“-Prozesses und erwarten das Closing bis Ende August. Due Diligence heisst, dass die juristischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprüft werden.

mw.de: Ist die Neuordnung ein Quantensprung in der Geschichte der Konzertveranstalter bei cts?

Lieberberg: Ich denke, dass wir viel damit erreichen können und viel effizienter sein werden. Ein Unternehmen mit einem gemeinsamen Auftritt, das die individuellen Qualitäten bündelt. Die Hauptsache ist, dass wir bereit sind, diesen Verschmelzungsprozeß einzuleiten. Es herrscht Konsens über das Feintuning zum Wohle aller.

Schulenberg: Dazu muss man sagen, dass CTS natürlich Erhebliches dazu beizutragen wird. Wir haben starke Vermarktungsmöglichkeiten wie Database-Marketing, wir haben eine Adressdatenbank wo wir sehr genau qualifizieren können, welche Kundengruppen zielgruppenaffin sind.

mw.de: Das klingt ganz nach der Schaffung des ersten Konzertveranstalter-Majors?

Lieberberg: Das wurde schon mehrfach angestrebt, ist aber in Ansätzen hängengeblieben.

Schulenberg: Ich bejahe das. Es ist selbstverständlich richtig, dass wir mit der Größe und der Vielzahl unserer Veranstaltungen auch eine integrierte Marketing-Plattform für die Unternehmensgruppe schaffen und viele Synergiemöglichkeiten für den Vermarktungsprozeß herstellen können.

mw.de: Wie kann man sich die zukünftige Berichtsstruktur vorstellen?

Schulenberg: Wir werden eine dreiköpfige Geschäftsleitung bilden, innerhalb der wir für den Posten des CEO und Vorstandsvorsitzenden Marek Lieberberg vorschlagen werden. Für die anderen beiden Mitglieder haben wir uns noch nicht festgelegt. Mit der Frage des Namens der neuen Unternehmenseinheit haben wir uns noch nicht beschäftigt.

mw.de: Aus Ihren Aussagen läßt sich schließen, dass die einzelnen Töchter der cts durch die gemeinsame kommende Struktur noch enger zusammenrücken müssen, um am effektivsten zusammenzuzuarbeiten zu können…

Lieberberg: Jeder wird seine Stärken einbringen und entsprechend agieren. Scorpio weist besondere Kompetenz bei Festival-Formaten und Modern-Rock-Acts auf. Dieter Semmelmann hat seine Stärken im Bereich des Family Entertainment. Bei Argo finden wir die besondere Kompetenz auf dem Gebiet lokaler Organisation, Peter Rieger hat seine hervorragende Expertise bei einer Vielzahl hochkarätiger Tourneen und Themen bewiesen. MLK richtet seit mehr als drei Jahrzehnten internationale Tourneen und Festivals mit außergewöhnlichem Erfolg aus.

mw.de: Könnten Sie sich im Zuge der kommenden Umstrukturierung vorstellen, „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ an Scorpio abzugeben?

Lieberberg: Es geht nicht um abgeben. Ich habe kein Problem damit, wenn Scorpio in die Programmdisposition eingebunden wird. Auf vielen Gebieten ist unsere Kooperation und Abstimmung unerlässlich.

mw.de: Hätten Sie noch gern einen weiteren Partner mit in der cts-Familie?

Lieberberg: Wir werden uns auf alle Fälle in Österreich und der Schweiz positionieren müssen. Beide Länder sind wichtige Märkte, auf die wir nicht verzichten wollen und deshalb Dependancen errichten werden. Ausserdem existiert eine sehr gute und ebenso erfolgreiche Kooperation mit Mario M. Mendrzycki, die ich gerne in die neue Formation integrieren möchte. Eine Führungsaufgabe für Mendrzycki ist ebenfalls vorstellbar, sofern er hieran interessiert ist.

Schulenberg: Wir haben mit der Clear Channel Kooperation auch die exklusiven Veranstaltungsrechte und das Ticketingrecht für Österreich und der Schweiz erworben und werden auf dieser Grundlage in den Ländern entsprechende Strukturen schaffen.

mw.de: Klingt nach viel Arbeit…

Lieberberg: Ja. Aber wird sind es gewöhnt, große Projekte zu stemmen. Ich halte uns für gut aufgestellt.

mw.de: Macht Ihnen die Arbeit als Konzeptionist einer neuen Unternehmensform, die mit der eines Veranstalters nicht viel zu tun hat, Spass?

Lieberberg: Sie reizt mich sehr. Ich werde mich bestimmt nicht völlig aus der Akquisition von Themen zurückziehen können, das versteht sich von selbst. MLK liegt mir nach wie vor besonders nah am Herzen. Das Unternehmen stellt schließlich mein Lebenswerk dar. Für eine Nachfolge ist durch meine Söhne gut gesorgt.

mw.de: Im ersten Schritt werden sie also als Vorstandsvorsitzender und als Chef von MLK arbeiten?

Lieberberg: Im ersten Schritt: Ja.

mw.de: Die Kooperation von CTS mit Clear Channel bringt mit Sicherheit nicht nur Vorteile. Wo sehen Sie einen Nachteil?

Schulenberg: Wenn man einen Partner hat, teilt man die Verantwortung ein Stück weit und muss mehrere Interessen koordinieren, das kann man positiv wie negativ sehen. Ich sehe es positiv, weil mit Clear Channel neben dem Veranstaltungscontent auch erhebliches Veranstaltungs-Knowhow in die Firma fließt.

mw.de: Befürchten Sie eine starke Abhängigkeit von Marek Lieberberg? Denken Sie an die Zeit, wenn er sich aus dem aktiven Geschäft zurückziehen wird?

Schulenberg: Wir haben bei unseren Akquisitionen darauf geachtet, nur Unternehmerpersönlichkeiten anzusprechen, die in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie ihr Geschäft erfolgreich betreiben. Marek Lieberberg nimmt dabei eine herausragende Stellung ein, gleichzeitig ist es aber auch sein Wunsch, sein Knowhow an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Damit ist eine langfristige Weiterführung dieses Segments für uns gewährleistet.

mw.de: Lassen Sie uns über Rock am Ring und Rock am Park sprechen, zwei traditionsreiche deutsche Festivals. Wie passt man diese an die aktuellen Gegebenheiten an und hält sie attraktiv?

Lieberberg: Wir sind dem Wandel verpflichtet. Die beiden Festivals sind lebendige Veranstaltungen, mit inzwischen vier alternativen Auftrittsebenen. Damit haben wir eine Programmfächerung erreicht, die sich kaum erweitern läßt. Die Infrastruktur und den Komfort der Besucher zu verbessern, sind wichtige Aufgaben für die Zukunft.

mw.de: Muss man heutzutage mehr bieten als damals?

Lieberberg: Ganz sicher! Die Festivals haben allerdings auf einem sehr hohen Niveau begonnen, mit Auftritten von U2 beispielsweise. Damit haben wir bereits zum Start die Sterne vom Himmel geholt. Ab und zu muss man aber auf die Erde zurückkehren. Wir versuchen jedes Jahr das Maximale zu bieten.

mw.de: Die Forderung nach Bequemlichkeit nimmt aber beständig zu…

Lieberberg: Das auf alle Fälle. Zelten, Parken, Versorgung der Zuschauer, Ein- und Auslass, Ordnungsdienst und die Sicherheit des Publikums – dies sind permanente Aufgaben.

mw.de: Mit welchen Zuschauerzahlen rechnen Sie in diesem Jahr?

Lieberberg: Rund 100.000. Das wäre angesichts der sehr schwierigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein sehr gutes Ergebnis.

mw.de: Sie haben die Sicherheitsvorkehrungen des Roskilde Festivals immer wieder hart kritisiert. Warum?

Lieberberg: Wenn bei einem Festival Menschen sterben, sollte man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Ich habe mich gewundert, warum das Festival damals nicht sofort abgebrochen worden ist und im nächsten Jahr „Business as usual“ galt. Bei einem solch tragischen Ereignis muß man innehalten und sich neu besinnen. In Roskilde gab es enorme Defizite, was die Steuerung des Ordnungsdienstes und die Verhältnisse vor der Bühne anging. Der Veranstalter hat nach Berichten, die mir vorliegen, viel zu spät reagiert. Auch beim Einsatz der Rettungsdienste gab es Verzögerungen. Da kann man aus meiner Sicht nicht mehr von einem reinen Unglücksfall sprechen.

mw.de: Kann so etwas auch in Deutschland passieren?

Lieberberg: Ein Veranstalter muss immer wachsam sein. Ich habe die Anweisung gegeben, im Notfall sofort die Musik zu stoppen und im wahrsten Sinne des Wortes den Stecker zu ziehen. Information des Publikums und ein sofortiges Eingreifen sind erforderliche Konsequenzen. Bei Lebensgefahr zu warten, bis die Häuptlinge vor Ort sind, ist falsch.

mw.de: Wird das Publikum von Jahr zu Jahr unvernünftiger?

Lieberberg: Das kann ich nicht bestätigen, eher das Gegenteil. Allerdings kann es beim Crowd-Surfing immer zu wieder schwere Verletzungen kommen. Wir versuchen das so weit wie möglich einzudämmen.

mw.de: Welche Rolle spielt mittlerweile das Sponsoring auf Festivals wie Rock im Park oder Rock am Ring?

Lieberberg: Wir können Festivals dieser Größenordnung nicht allein aus Karteneinnahmen finanzieren und sind daher auf Sponsoren angewiesen. Unsere Partner erkennen die einzigartige Bedeutung von Rock am Ring und Rock im Park, was uns in die glückliche Lage versetzt, nicht unter mangelndem Sponsoreninteresse zu leiden.

mw.de: Welchen Anteil am Umsatz hat das Sponsoring?

Lieberberg: Ein Festival kostet rund 4,5 bis fünf Millionen Euro. Anhand der Ticketeinnahmen können Sie sich so einen Sponsoring-Bedarf von rund 20 Prozent ausrechnen.

mw.de: Die DEAG setzt dieses Jahr zwei eintägige Veranstaltungen – mit Rammstein als Headliner – gegen die cts-Festivals. Sehen Sie die Bestrebungen als Konkurrenz an?

Lieberberg: Konkurrenz ist das nicht, die Veranstaltungen basieren auf der vermeintlichen Stärke einer Gruppe. Im übrigen hoffe ich, dass gute Ergebnisse bei diesen Festivals die Attraktivität der Open-Airs im Allgemeinen steigern.

mw.de: Stimmen Sie also Peter L. H. Schwenkow zu, der sagte: „Was CTS im Festivalsommer nützt, nützt auch uns?“

Lieberberg: Ich halte wenig von Protagonisten, die sich überhaupt nicht mit Inhalten der Musik oder der Kultur per se auseinandersetzen. Insofern würde ich meine Gedanken nicht mit solchen Schlagworten identifizieren.

mw.de: Macht der Open-Air-Gedanke angesichts der vielfältigen Musikszenen und der Individualisierung der Konsumenten überhaupt noch Sinn?

Lieberberg: Ich will dies uneingeschränkt bejahen. Festivals haben sich als eigenständige Veranstaltungsform durchgesetzt und sind eine wichtige Plattform für die Musik ebenso wie ein Begegnungsforum für die Menschen. Vergleichen sie doch die positive Art und Weise, wie Musikfans miteinander umgehen mit verfeindeten Fangruppen bei Fussballspielen. Derartige Polarisierungen gibt es bei Musikevents glücklicherweise nicht.

mw.de: Auch eine Band wie Slipknot polarisiert derzeit. Was halten Sie von einem Ausstrahlungsverbot, wie es der Fernsehsender Viva praktiziert?

Lieberberg: Ich halte wenig von Zensur der Kultur. Ich kann verstehen, dass Menschen Anstoss daran nehmen, wenn eine Musikgruppe vordergründig Gewalt propagiert. Aber ich denke nicht, dass dies die wirkliche Ursache für Gewalt ist. Slipknot ist eher lächerlich als gefährlich. Allerdings gibt es einfache Geister, die so etwas zum Anlass für eigene Aggressivität und Perversion nehmen. Man kann solche Ereignisse nicht durch Verbote völlig verhindern. Auch Polizisten oder Soldaten sind als Amokläufer denkbar. Am 11. September haben Terroristen mit Teppichmessern unvorstellbare Verbrechen begangen. Politiker versuchen jetzt Aktionismus an den Tag zu legen. Dagegen kümmert sich kaum einer um die Implementierung und Einhaltung bestehender Gesetze und Regelungen. In Deutschland überwiegen Lippenbekenntnisse. Man könnte den Eindruck gewinnen, der Verkehr sei das einzige, was wirklich reguliert werde. Hohe Geschwindigkeit und falsches Parken werden rigide geahndet, auf vielen wirklichen Problemfeldern hat sich der Staat jedoch zurückgezogen.

mw.de: Slipknot waren für Rock im Park 2001 gebucht. Was haben sie damals über die Band gedacht?

Lieberberg: Ich habe sie eher für eine Helloween-artige Überzeichnung gehalten als für ein Gewaltphänomen.

mw.de: Im Dezember vergangenen Jahres leiteten Sie ein Kostenreduktions-Programm ein. Wie geht es in den Bereichen Ticketing und Internet weiter?

Schulenberg: Wir haben das Programm angestoßen, weil wir eine Infrastruktur aufgebaut hatten, die mit unseren Umsatz und Absatzplanungen im Internet korrespondierte. Diese Absätze haben sich nicht eingestellt, beziehungsweise kommen jetzt mit einer zeitlichen Verzögerung. Wir haben zwar ein enormes Wachstum im Internetbereich, das aber unter den Erwartungen der 1999 geplanten Umsätze liegt. Also haben wir unsere Kosten entsprechend angepasst. Wichtig ist, wir haben alle Investitionen in die technische Infrastruktur bereits getätigt. Jetzt können wir ohne zusätzliche Kosten ein erhebliches Mengenwachstum verarbeiten.

mw.de: Könnte man das mit „Warten auf bessere Zeiten“ umschreiben?

Schulenberg: Die stellen sich bereits ein, wir hatten immer Wachstum, aber die Kurve verlief flacher. Wir werden mit unserer Struktur jetzt auch im Online-Kino-Ticketing aktiv, Sie können ihr Ticket für das Kino bald auch online buchen. In den nächsten Wochen werden wir entsprechende Ankündigungen machen.

mw.de: Wird das Internet beziehungsweise das Ticketing auf Dauer geeignet sein, ein vollwertiges Standbein neben dem Live Entertainment zu bilden?

Schulenberg: Das Ticketing ist nach wie vor unsere Core-Business und ist der Bereich mit den höchsten Margen. Die Antwort lautet ja.

mw.de: Muss die Marke CTS oder Eventim sexier werden?

Schulenberg: Wir haben im vergangenen Jahr eine Marketingkampagne durchgeführt, die sehr breit gestreut war und festgestellt, dass wir extreme Streuverluste hatten. Zukünftige Marketingkampagnen sollen zielgrupenaffiner werden. Das bedeutet auch, dass wir kurzfristig mit einem eigenen Entertainment-Magazin auf dem Markt kommen werden. Es wird über unsere mehr als 1000 Vorverkaufsstellen und an den Veranstaltungsstätten verteilt. Die Premiere ist für September geplant.

mw.de: Bereuen Sie es, an die Börse gegangen zu sein?

Schulenberg: Der Gang an die Börse war für CTS der richtige Schritt. Wir wären ohne die Mittel des Börsenganges nicht in der Lage gewesen, uns so umfassend zum einen im Live-Entertainment-Bereich zu engagieren und zum anderen die hochtechnologische Infrastruktur aufzubauen, die es ermöglicht, aus einer Datenbank alle Vertriebswege zu unterstützen.

mw.de: Lassen Sie uns über den Kongress „Musik als Wirtschaft“ sprechen, der vor drei Wochen in Berlin zu Ende gegangen ist. Von Seiten der cts war dort niemand anwesend. Zufall? Oder lehnen sie das Konzept ab?

Lieberberg: Mir ist dieser Kongress und sein Inhalt nicht bekannt. Ich habe meine Bedenken gegen den IDKV schon früher geäußert und daran hat sich grundlegend nichts geändert.

mw.de: Kann sich die Branche auch in Zukunft zwei Verbände leisten?

Lieberberg: Der IDKV ist aus meiner Sicht lediglich der Aktionsarm seines Vorsitzenden. Ich messe ihm keine wirkliche Bedeutung zu. Demgegenüber leistet der VDKD unter Michael Russ hervorragende Arbeit und ich sehe keinen Bedarf für eine weiteren Verband.

mw.de: Wäre es nicht besser, wenn die Branche mit einer Stimme spricht?

Lieberberg: Das tut sie doch, denn ich wüßte nicht, für wen der IDKV wirklich spricht.

Schulenberg: Grundsätzlich halte ich es für richtig, eine gemeinsame Standesvertretung zu haben, insbesondere, wenn nur 400 Firmen zu vertreten sind. Welche das sein soll, kann ich derzeit nicht beurteilen. Wenn es zwei gibt, muss es eine Integration beider Verbände geben. Das wäre sinnvoll, scheint aber an egoistischen Motiven zu scheitern.

mw.de: Wird die Bundestagswahl im Herbst möglicherweise Auswirkungen auf die Veranstaltungsbranche haben?

Lieberberg: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich jenseits parteipolitischer Grenzen leider sehr wenig bewegt. Ich halte die Probleme der Ausländersteuer und der absurden Künstlersozialversicherung nach wie vor für gravierend. Diese Zwangsabgaben in enormer Höhe sind nicht zu rechtfertigen. Sie kommen einer Negativ-Werbung für ein freies, weltoffenes Deutschland gleich.

mw.de: Wird sich nach der Wahl was ändern?

Lieberberg: Ich habe meine Zweifel. Dummheit ist leider parteiübergreifend.

mw.de: Das klingt, als hätten Sie resigniert…

Lieberberg: Meine Erfahrungen sind nicht positiv. Politiker sind immer wieder dann zur Stelle, wenn es darum geht, sich mit Künstlern abbilden zu lassen. Dennoch weder Resignation noch Kapitulation. Der Kampf geht weiter!

Schulenberg: Der Absatz von Eintrittkarten korrespondiert mit dem Konsumverhalten der Bevölkerung und damit mit den Verlaufskurven des Einzelhandels. Das bedeutet, wird durch eine neue Regierung oder auch durch eine Bestätigung der alten das psychologische Konsumumfeld verändert, werden wir unmittelbar profitieren.