Seit Jahren wehren sich die Majors und die führenden Branchenverbände gegen das Konzept einer Musikflatrate, doch es scheint, als bröckle die Front der Pauschalabrechnungsverweigerer. IFPI-Chef John Kennedy schließt diese Vergütungsform im Digitalgeschäft zumindest nicht mehr aus. Im Rahmen eines Pressegesprächs auf der Midem erklärte Kennedy: „Das ist ein Modell, über das man nachdenken kann.“ Allerdings schränkt er ein: „Wenn die Internetanbieter auf uns mit dem Vorschlag einer Pauschallizenz für einen bestimmten Monatsbetrag zukämen, würde ich sagen: ‚Lasst und darüber reden‘.“
In der Vergangenheit hatten sich die größten IFPI-Mitglieder einem derartigen Geschäftsmodell immer widersetzt. Doch das traditionelle Geschäft mit Tonträgern schrumpft schneller, als das Digitalgeschäft wächst. Eine Trendwende wagte Kennedy auch im jüngst vorgestellten Digital Music Report der IFPI nicht zu prognostizieren. Außerdem behindert noch immer das Problem der unterschiedlichen und inkompatiblen DRM-Standards die schnellere Entwicklung des Downloadmarkts – ein Thema, das bei den Fachdiskussionen des MidemNet-Kongresses immer wieder zur Sprache kam.
„Wir sollten uns da nichts vormachen“, meinte Kennedy. „Steve Jobs hält die Schlüssel zur Interoperabilität in der Hand.“ Erst wenn es für Apple einen wirtschaftlichen Nutzen bringen wird, werde sich Jobs auf eine Öffnung des FairPlay-DRM im iTunes Store einlassen. Diese Erkenntnis hat sich wohl branchenweit durchgesetzt. Um dem Dilemma zu entkommen, würden selbst die Majors in den kommenden Monaten vom Dogma des DRM-gestützten Downloadverkaufs vorsichtig abrücken, prognostizierten einige Experten in Cannes.






