Nur wenige Tage nach der 115 Mio. Dollar teuren Schlichtung zwischen dem KaZaA-Vertrieb Sharman Networks und der Musikindustrie versucht sich die Sharman-Tochter Altnet als Retter der Entertainmentbranche. Ein von Altnet entwickeltes weltweites Dateienregister – das Global File Registry (GFR) – soll illegalem Filesharing einen Riegel vorschieben.
Das Programm soll von Rechteinhabern und P2P-Anbietern eingesetzt werden, um nicht lizenzierte Titel beim Dateientausch auszusieben. Bei Suchanfragen in partizipierenden Tauschbörsen sollen mittels des GFR illegal angebotene Dateien durch legale Kaufangebote ersetzt werden und den unreglementierten Austausch urheberechtlich geschützter Inhalte somit im Keim ersticken.
Bislang wird das Altnet-Produkt noch nicht genutzt, doch das soll sich laut CEO Kevin Bermeister schon bald ändern – vermutlich wird in einer neuen Version der inzwischen nahezu irrelevanten P2P-Software KaZaA das Filtersystem eingesetzt und damit der erste Schritt zu einer legalen Handelsplattform gemacht werden. Um die plötzliche Wandlung von Sharman/KaZaA/Altnet vom Saulus zum Paulus zu unterstreichen, engagierte das Unternehmen mit Michael Speck einen der weltweit bekanntesten Piratenjäger.
Speck war bis April 2005 Leiter des Antipirateriebüros des australischen Tonträgerverbands ARIA, der den Prozess gegen Sharman und KaZaA angestrengt hatte. Er bezeichnete das Projekt von Altnet als „Quantensprung“ und sagte, er fühle sich „moralisch verpflichtet“, eine legale Nutzung der P2P-Technologie zu unterstützen. Von der IFPI und der MPAA, also jenen Branchenverbänden, die in Bermeister einen verantwortlichen Hintermann hinter Sharman und KaZaA vermuteten, kamen bereits lobende Worte zum GFR.
Man freue sich schon auf die Zusammenarbeit mit Altnet, verkündete MPAA-Chef Dan Glickman. Und die IFPI veröffentlichte auf ihrer Website einen offenen Brief Bermeisters, in dem er seine Überzeugung kundtut, dass die „stillen Nutznießer der Onlinepiraterie“ ihre Argumentation gegenüber den Rechteinhabern ändern müssten. Die bisherige Verteidigungshaltung der P2Ps, die sowohl die Kenntnis vom Verhalten ihrer Nutzer als auch die Möglichkeit der Kontrolle abstreiten, gingen an der Realität vorbei.





