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KaZaA hält Labels „Pistole an den Kopf“

Im Prozess gegen KaZaA und Sharman Networks neigt sich die Beweisaufnahme dem Ende zu. Zuletzt bestritt der Technikchef von Sharman, dass es in Dänemark einen Zentralrechner gibt, der die Nutzung des P2P-Netzwerks überwacht. Stattdessen verwies Philip Morle darauf, dass man der Musikindustrie wiederholt Kooperationen angeboten hat.

Im Prozess gegen KaZaA und Sharman Networks neigt sich die Beweisaufnahme dem Ende zu. Zuletzt bestritt der Technikchef von Sharman, dass es in Dänemark einen Zentralrechner gibt, der die Nutzung des P2P-Netzwerks überwacht. Stattdessen verwies Philip Morle darauf, dass man der Musikindustrie wiederholt Kooperationen angeboten hat. Über die Distributed Computing Industry Association wurden in der Vergangenheit mehrfach Treffen mit führenden Vertretern der amerikanischen Musikbranche eingefädelt. Bei diesen Meetings habe sich Sharman besorgt gezeigt über das Ausmaß der illegalen Filesharingaktivitäten von KaZaA-Nutzern und den Labels vorgeschlagen, den P2P-Vertrieb mit Lizenzen zu legalisieren.

Nach Ansicht der Branchenanwälte eine Farce: „Sharman und Altnet haben den Plattenfirmen lediglich eine Pistole an den Kopf gehalten“, argumentierte Tony Bannon als Rechtsvertreter der Industrie. KaZaA und der US-Vertriebspartner Altnet hätten den Labels nur mit den immens großen Nutzerzahlen gedroht und versucht, sie über dieses Druckmittel zu einer Zusammenarbeit zu zwingen. Vor dem australischen Bundesgericht präsentierten die Kläger auch Beweise für ein so genanntes „Judas“-Feature bei KaZaA: Mit Hilfe dieser Software hätten Sharman-Mitarbeiter angeblich Zugriff auf einen Server in Dänemark, der über die aktuelle Nutzerzahl und die verfügbare Datenmenge im P2P-Netz Auskunft gibt.

Morle sagte jedoch, er habe keine Ahnung, wovon die Kläger sprächen. Irgendwelche Server in Dänemark seien kein Beleg dafür, dass Sharman Informationen über KaZaA-Nutzer speichert. Morle machte auch keine Angaben zu den Besitzverhältnissen von Sharman. Das Unternehmen sitzt offiziell im südpazifischen Inselstaat Vanuatu und unterhält Büros in Australien. Wem Sharman gehört ist unklar, da Informationen über Privatfirmen auf Vanuatu absoluten Schutz genießen. Er müsse das nicht wissen, sagte Morle dem Richter.

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