Der Regierungsentwurf des Bundeshaushalts, der MusikWoche vorliegt, sieht für die Initiative Musik ein Budget von 15 Millionen Euro im Jahr 2027 vor, nach 19,251 Millionen Euro im laufenden Jahr. Das entspräche einem Minus von knapp 22 Prozent.
Eine Sprecherin des Kulturstaatsministers hatte die Pläne gegenüber MusikWoche im Sommer zwar bestätigt, zugleich aber eingeordnet: Angesichts eines „verschärften Konsolidierungsdrucks im BKM-Haushalt“ sei es nicht zu vermeiden gewesen, „einige Förderengagements auf den Prüfstand zu stellen“. Zudem gründete sich die zunächst bei der Initiative Musik geführte Akademie für Populäre Musik aus und ist somit nicht mehr in diesem Posten enthalten. Insgesamt käme laut der Sprecherin ein Nettominus von 802.000 Euro heraus.
Für Lucker steht im Angesicht dieser Pläne viel auf dem Spiel, denn wegen der Arbeit der Initiative Musik gewinne nach ihrer Einschätzung die gesamte Branche: „Das Tolle an der Initiative Musik ist, dass von ihrer Förderung die gesamte bundesdeutsche Musiklandschaft profitiert – allein durch die Künstler:innenförderung die Acts selbst, die Labels, die Managements und die Agenturen“, betont sie.
Seit die Bundesregierung ihren Haushaltsentwurf verabschiedet hat, laufen bei dem Förderinstitut intensive Gespräche mit der Politik: „Für die Initiative Musik setzen wir uns neben einer Aufstockung der Kürzung von knapp einer Million sehr dafür ein, dass der Festivalförderfonds wieder vier Millionen Euro erhält, um eine vielfältige Livemusikszene zu erhalten, auch und besonders in den ländlichen Regionen und in Ostdeutschland.“

„Das Tolle an der Initiative Musik ist, dass von ihrer Förderung die gesamte bundesdeutsche Musiklandschaft profitiert“ – Katja Lucker, Initiative Musik
Dass es sich beim Kabinettsentwurf keineswegs um eine beschlossene Sache handelt, betont die Geschäftsführerin ausdrücklich: „Das ist jetzt zunächst der Regierungsentwurf, das parlamentarische Haushaltsverfahren läuft noch“, so Lucker. „Einen finalen Stand unserer Förderung und einen Überblick über die konkreten Auswirkungen der Kürzungen haben wir deshalb erst nach der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses am 11. November.“
Im vergangenen Jahr sei es der Geschäftsführerin und ihrem Team schließlich gelungen, die zunächst gekürzten Mittel im parlamentarischen Verfahren wieder aufzustocken. Auf diesen Präzedenzfall setzt die Initiative Musik nun auch für 2027.
Grundsätzlich ist Lucker von den Plänen des BKM kein Fan: „Ich halte es für keine gute Idee, gerade bei den popkulturellen Themen, die so wichtig sind und so stark die Gesellschaft abbilden, so überproportional zu kürzen. Der Kulturetat ist ja im gesamten Haushalt der Kleinste“, sagt sie. Und weiter: „Auch die zarten Pflänzchen, die sich in der Popkultur entwickelt haben, sollten weiter gewässert werden in diesem schönen Garten. Sonst werden wir da von anderen Ländern abgehängt.“
Sollten die rund 2,8 Millionen Euro, also 802.000 Euro bei der Initiative Musik und zwei Millionen Euro beim Festivalförderfonds, an Kürzungen bis zur Bereinigungssitzung nicht zurückgenommen werden, drohen laut Lucker konkrete Einschnitte im Förderprogramm der Initiative Musik – man müsse „bei all unseren Programmen oder Leuchttürmen gleichermaßen diese knappe Million verteilt wegnehmen“, erklärt sie. „Bliebe der Festivalförderfonds bei zwei Millionen Euro, könnten nur noch die Hälfte der bundesdeutschen Festivals von uns unterstützt werden.“
Auf die politische Dimension der Kulturförderung angesprochen, verweist Lucker auf Entwicklungen in anderen europäischen Ländern. „Wenn eine Partei wie die AfD in Regierungsverantwortung käme, die einen grundsätzlich anderen Kulturbegriff vertritt und die Rolle des Staates anders definiert, würde das auch die Kulturförderung und ihre Strukturen insgesamt sicherlich verändern.“ Dies habe man in anderen Ländern bereits gesehen, etwa zeitweilig in Polen oder Ungarn, so Lucker. „Umso wichtiger sind starke und unabhängige Kulturförderstrukturen“, erklärt die Geschäftsführerin, „die kulturelle Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven ermöglichen, von der Kulturstiftung des Bundes bis zur Initiative Musik.“
Der 11. November markiert damit einen entscheidenden Termin für die Initiative Musik und die deutsche Musikbranche insgesamt. Erst nach der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses wird feststehen, in welchem Umfang die im Regierungsentwurf vorgesehenen Kürzungen tatsächlich Bestand haben.






